Viele Notrufe - wegen lauter Kampfjets

Lauter Knall schreckt Hessen auf

Einsatz in der Luft: Die beiden Eurofighter der Bundeswehr haben eine Zivilmaschine verfolgt, zu der der Funkkontakt abgebrochen war. (Archivfoto)
Einsatz in der Luft: Die beiden Eurofighter der Bundeswehr haben eine Zivilmaschine verfolgt, zu der der Funkkontakt abgebrochen war. (Archivfoto)
© deutsche presse agentur

20. September 2021 - 15:02 Uhr

Laute Schläge am Montagmorgen

Eine Explosion? Kurz vor 7 Uhr am Montagmorgen sind bei der Polizei in Südhessen und im Rhein-Main-Gebiet etliche Notrufe wegen eines lauten Knalls eingegangen. Die Beamten sind der Sache nachgegangen – und haben die Ursache schnell herausfinden können.

Ohrenzeugen: "Wände wackeln"

"Es wackeln Wände und Scheiben", berichten Radiohörer bei FFH. "Unser Haus hat minimal gebebt", schreibt ein User der Hessenschau. Selbst die Polizisten waren erstmal irritiert, als der laute Schlag über Südhessen zu hören war.

"Nachdem aber die Meldungen über die lauten Schläge aus völlig verschiedenen Regionen kamen, und es keine Berichte über einen Explosions-Schaden am Boden gab, war den Beamten schnell klar, was passiert sein muss", sagt Polizeisprecher Sebastian Trapmann vom Präsidium Südhessen zu RTL.

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Lösungen für den Knall: Es waren Kampfjets

Zwei Eurofighter, die von Bayern Richtung Norden unterwegs waren, hatten über Südhessen die Schallmauer durchbrochen. Der "Überschallknall" ist zu hören, wenn die Druckwelle beim Überschreiten der Schallgeschwindigkeit ausgelöst wird. Das physikalische Phänomen ist zwar laut, aber ungefährlich.

Die beiden Jets waren von ihrem Fliegerhorst aufgebrochen, um eine Zivilmaschine zu verfolgen, zu der der Funkkontakt abgebrochen war. Die kann passieren, wenn deren Piloten die Funkfrequenzen wechseln. Nach dem 11. September 2001 sind die Behörden vorsichtig und wollen eine mögliche Entführung frühzeitig ausschließen. Daher der Einsatz der Militärmaschinen.

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So entsteht der Überschallknall

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Laut - aber ungefährlich: Beim Durchbrechen der Schallmauer macht es einen Knall.
© deutsche presse agentur, ITAR-TASS, Lystseva Marina

Verantwortlich dafür ist der Überschallknall, der durch Objekte entsteht, die sich schneller als der Schall – also mindestens 1200 Kilometer pro Stunde – bewegen. Reguläre Passagierflugzeuge schaffen das nicht, sie fliegen in der Regel rund 1000 Kilometer pro Stunde, militärische Düsenflugzeuge können jedoch knapp doppelt so schnell fliegen.

Fliegt eine Maschine schneller als der Schall, können sich die Schallwellen nicht mehr wie gewohnt bewegen, die Wellen werden gebündelt und daher als ein lauter Knall wiedergegeben – so wie nun über Südhessen. Ein Ultraschallknall bringt es dabei auf rund 120 Dezibel – nur knapp unter der Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs, die bei 130 Dezibel liegt.

(bho)