Mann betätigt Schleudersitz

Flug war ein Geschenk zur Rente: 64-Jähriger katapultiert sich aus Versehen aus Kampfjet - in 200 Metern Höhe!

Der 64-Jährige Rentner hatte Glück im Unglück, als er versehentlich den Schleudersitz auslöst.
Der 64-Jährige Rentner hatte Glück im Unglück, als er versehentlich den Schleudersitz auslöst.
© Ministère des Armées/ defense.gouv.fr, Griesshaber, Andreas [infoNetwork]

15. April 2020 - 9:02 Uhr

Ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist...

Beim Flug mit einem Kampfjet bekam es ein 64-Jähriger plötzlich mit der Angst zu tun. Um sich "zu stabliliseren" hielt er sich an seinem Sitz fest - und betätigte dabei aus Versehen den Schleudersitz. Der Bericht der französischen Untersuchungsbehörde für Zivilluftfahrt liest sich wie ein schlechter Scherz, der fatale Konsequenzen hätte haben können.

Jet fliegt in der Spitze 1.400 km/h

Der Mann war Zivilist, soll Berichten zufolge in der Rüstungsindustrie beschäftigt gewesen sein, hatte nie zuvor in einem Kampfjet gesessen und laut Ermittlern auch nie den Wunsch geäußert, in einem solchen zu fliegen. Nichtsdestotrotz hatten seine Kollegen den Rentner in spe zum Jobausstand mit dem Flug überrascht - abgesegnet von der französischen Luftwaffe im Auftrag des Verteidigungsministeriums, die den Mann laut britischem "Telegraph" als VIP einstufte.

Der Beschenkte jedoch hatte keine Ahnung, was ihn erwartet. Erst, als er mittags mit vier Kollegen am Luftstützpunkt in Saint-Dizier in Nordostfrankreich eintraf, dämmerte ihm, was geschehen würde. Zeit, sich - mental oder theoretisch - vorzubereiten, hatte er entsprechend keine. "Der Wunsch, die Überraschung bis zum Zeitpunkt des Fluges aufrechtzuerhalten, führte dazu, die Zeit für jede Phase der Flugvorbereitung so weit wie möglich zu reduzieren", so die Experten. Das verursachte ein Gefühl von Stress für den Fluggast. Hinzu kam der "völlige Mangel" an militärischer Luftfahrterfahrung.

Außerdem habe man den Passagier bei den Flugvorbereitungen weitgehend allein gelassen und auch die medizinische Voruntersuchung sei nicht zufriedenstellend gewesen. Lediglich ein Arzt war vor Ort, der den 64-Jährigen vor dem Flug untersuchte und für flugtauglich befand - allerdings unter der Vorraussetzung, dass er nicht mehr als 3 g und keinen negativen G-Kräften ausgesetzt wird, also Fliehkräften, die einen Blutfluss zum Kopf hin bewirken. Diese Information erreichte den Piloten jedoch nicht. Nur eines von vielen Versäumnissen an diesem Tag.

Plötzlicher Druckabfall löste Panik aus

Während der 64-Jährige aus dem Jet geschleudert wird, gelingt es dem Piloten das Flugzeug noch sicher zu landen.
Während der 64-Jährige aus dem Jet geschleudert wird, gelingt es dem Piloten das Flugzeug noch sicher zu landen.
© Ministère des Armées/ defense.gouv.fr

Der Druck, den Flug dennoch anzutreten, sei dem Bericht zufolge hoch gewesen. Der Mann sei "vor vollendete Tatsachen gestellt worden". Sogar ein professioneller Fotograf sei vor Ort gewesen, um alles zu dokumentieren. Und so kam es, dass der 64-Jährige mit einer GoPro-Kamera am Helm auf dem Rücksitz eines Dassault Rafale-B-Kampfjets im Wert von rund 80 Millionen Euro Platz nahm. Spitzengeschwindigkeit: 1.400 km/h.

Am Steuer saß laut Bericht, aus dem mehrere Medien zitieren, ein 35 Jahre alter Pilot mit 2.000 Stunden Flugerfahrung. Dieser versäumte es aber offenbar zu überprüfen, ob sein "Kopilot" die Ausrüstung korrekt angelegt hat. Später stellte sich heraus, dass der angehende Pensionär die Anti-G-Hose, die ein Absacken des Blutes in die Beine reduziert, nicht richtig angezogen hatte. Zudem wurden laut Bericht sowohl Helm als auch Sauerstoffmaske nicht festgeschnallt und der Mann war nicht fest genug angegurtet.

Als die Maschine mit 47 Grad Steigung auf circa 200 Meter Höhe angelangt war, wirkten kurzzeitig Fliehkräfte von 4 g auf ihn ein (zum Vergleich: Astronauten erfahren nach Informationen des Max-Planck-Instituts beim Start Beschleunigungen von 3-4 g). Eine Grafik zeigt, dass der Druck anschließend stark absank und plötzlich entgegengesetzte Kräfte von -0,6 g auf den 64-Jährigen wirkten. Das Blut schoss Richtung Kopf, eine extreme Belastung für den Körper. Wohl deshalb geriet der Mann in Panik, schrie und griff ersten Erkenntnissen zufolge nach etwas, an dem er sich festhalten konnte - unglücklicherweise löste er offenbar den Schleudersitz aus und katapultierte sich aus dem Jet. Zu allem Überfluss verabschiedeten sich dabei auch noch Helm und Sauerstoffmaske, die der Fluggast wider Willen nicht ordnungsgemäß befestigt hatte. Und auch die Anti-G-Hose löste sich in Wohlgefallen auf.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Technischer Defekt verhindert offenbar Katastrophe

Zum Glück landete der Mann trotz widriger Umstände unverletzt auf einem Feld in der Nähe der deutschen Grenze. Auch der Pilot kam glimpflich davon. Es grenzt an ein Wunder, dass er nicht ebenfalls hinauskatapultiert wurde, denn eigentlich ist der Jet so konzipiert, dass beide Schleudersitze gleichzeitig aktiviert werden. Doch ein technischer Defekt verhinderte dies offenbar, die letzte Zündung des Sitzes versagte. Nicht auszudenken, was ansonsten passiert wäre. Der 35-Jährige konnte sicher landen, erlitt dabei einige leichte Verletzungen im Gesicht und einen Schock.

Der Vorfall hatte sich bereits im März 2019 ereignet, wurde aber jetzt erst publik. Die Untersuchugen laufen, zudem wird geprüft, ob es Zivilisten in Zukunft noch gestattet werden darf, an militärischen Flügen teilzunehmen.