Mutmaßlicher Frauenmörder von Rendsburg vor Gericht

"Überall lag Blut. Hände und Füße waren gefesselt.(...) Der Hals war richtig fest zugezogen"

Timo M. soll zwei Frauen umgebracht haben.
Timo M. soll zwei Frauen umgebracht haben.
© RTL Nord

04. August 2021 - 17:05 Uhr

Zeuge steht noch immer unter Schock

Kadir Ö. steht der Schrecken noch immer ins Gesicht geschrieben. Als erster Zeuge sagt er am Mittwoch im Prozess gegen den mutmaßlichen Frauenmörder Timo M. vor dem Kieler Landgericht aus. Im Gerichtssaal muss er den schlimmsten Moment seines Lebens noch einmal beschreiben: Im September 2020 findet er den leblosen Körper seiner Freundin Leyhan V. in ihrem Schlafzimmer: "Überall lag Blut. Ihre Hände waren nach hinten gefesselt. Sie lag mit dem Kopf zur Tür. Hände und Füße waren gefesselt. Der Hals war richtig fest zugezogen."

Mutmaßlicher Täter Timo M. schweigt

Mutmaßlicher Frauenmörder Timo M.
Timo M. soll zwei Frauen in Rendsburg umgebracht haben.
© Pressebild, Polizeidirektion Kiel

Leyhan V. ist den Angaben zufolge mit stumpfer Gewalteinwirkung sowie dem Überziehen einer Plastiktüte über den Kopf getötet worden. Sie war in ihrer Wohnung der Prostitution nachgegangen. Timo M. wurde von der Polizei als letzter Freier der 40-Jährigen ermittelt und gilt als dringend tatverdächtig. Doch der 41-Jährige schweigt beim Prozessauftakt am Mittwoch.

Zweite Leiche lag verwest auf dem Dachboden

Leichenfund im Dach des Wohnhauses des Mordverdächtigen
Die Feuerwehr musste das Dach öffnen, um die Leiche zu bergen
© dpa, Aljoscha Leptin, bra fgj ehl sb

Im Zuge der Ermittlungen zum Mord an Leyhan V. macht die Polizei zwei Monate später einen weiteren Leichenfund: Auf dem Dachboden des Angeklagten entdecken die Beamten den stark verwesten und laut Staatsanwaltschaft schon skelettierten Körper der 26-jährigen Sebat A. Auch sie hatte als Prostituierte gearbeitet. Bei der Obduktion stellt sich heraus: Sebat A. wurde ebenfalls mit einer Plastiktüte erstickt. Seit 2018 galt sie als vermisst.

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Angehörige der Opfer als Nebenkläger

"Die Familie ist sehr stark belastet. Sie hat über zwei Jahre in Ungewissheit gelebt," so Gregor Jezierski, der die Familie als Nebenkläger vertritt. "Es war ein Vermisstenfall, es war eine Prostituierte. Man hat vermutet, dass es im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Prostituierte stand. Es hatte einen etwas komischen Hintergrund, dann neigen Polizeibeamte manchmal dazu, sowas nicht ernstzunehmen," so der Anwalt weiter im Interview mit RTL Nord.

Anklage: Mord in zwei Fällen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen vor, beide Frauen zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, aus Habgier und heimtückisch getötet zu haben.Die Anklage gegen Timo M. lautet auf Mord in zwei Fällen.

Zwölf Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt. Mehr als 20 Zeugen und Sachverständige hat das Kieler Landgericht geladen. Unter ihnen auch Sandra L., die sich im November 2020, offenbar kurz nach dem Mord an Leyhan V., mit dem mutmaßlichen Täter getroffen hatte.

Das Urteil wird am 10. September erwartet. Bei einer Verurteilung droht Timo M. nicht nur Lebenslang, sondern auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld mit anschließender Sicherungsverwahrung. (sün)

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