Mehrere junge Frauen in Regensburg betroffen

Spanner beobachtet nachts heimlich Frauen durchs Fenster

20. Mai 2021 - 7:41 Uhr

"Mir hat es die Kehle zugeschnürt"

Es ist der Albtraum einer jeden Frau: Ein Spanner beobachtet in Regensburg nachts mehrere Frauen in ihren Erdgeschosswohnungen durch das Fenster – und das schon seit Monaten. Weil die Polizei nichts unternimmt, werden sie selbst tätig und könnten sich damit sogar strafbar machen.

"Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wie der da steht, einen halben Meter von mir entfernt. Das war fürchterlich und war ein Gefühl, das hat mir die Kehle zugeschnürt", sagt Alina im Interview mit RTL.

Betroffene Frauen fühlen sich von der Polizei nicht ernst genommen

Katharina, eine weitere Betroffene, ruft beim ersten Mal sofort die Polizei. Bis sie eintrifft dauert es 30 Minuten, der Spanner ist da längst über alle Berge. "Da fühle ich mich nicht gut beschützt", sagt sie. Alina ergänzt: "Das hat bei mir ein Gefühl der Hilflosigkeit hinterlassen, mir wurde vermittelt: 'Entweder du findest dich damit ab, oder du ziehst aus.'"

Das wollen die beiden Frauen nicht auf sich sitzen lassen, handeln selbst und gehen damit an die Öffentlichkeit. 15 Frauen haben sich bereits gemeldet, die alle vom selben Mann gestalkt werden. Die Polizei ermittelt zwar inzwischen, doch solange wollen die Frauen nicht warten und haben eine Kamera auf Alinas Terrasse installiert.

Die Frauen könnten sich damit selbst strafbar gemacht haben

Die Überwachungsvideos veröffentlichen sie im Netz und rufen andere dazu auf bei der Suche nach dem Spanner mitzuhelfen. Doch ist das erlaubt? Anwältin Anja Hanisch sagt: "Der Mann hat voraussichtlich Anspruch auf Löschung und gegebenenfalls Anspruch auf Schadensersatz." Dabei wollen sich die Alina und Katharina sich nur schützen. "Wenn wir das nicht so öffentlich gemacht hätten, wir hätten nie voneinander erfahren und es wäre weiterhin nichts passiert."

Das Beobachten selbst ist übrigens nicht verboten. Maximal kann der Spanner wegen Hausfriedensbruch angezeigt werden. (tel)