Rätselhafter Todesfall in Nordfriesland

Tatort Internet: Traf Nathalie M. ihren Killer auf einer Escort-Seite?

17. Dezember 2019 - 10:44 Uhr

Vermisste Nathalie M. aus Stadum: Nach zwei Wochen finden Passanten ihre Leiche

Als die 23-jährige Nathalie M. aus dem nordfriesischen Stadum im August verschwindet, denkt ihr Vater nicht sofort an ein Verbrechen. Seine Tochter sei schließlich schon immer ein wenig unberechenbar gewesen, sagt er im RTL-Interview – und, ja, auch ein bisschen ausgeflippt. Aber auch nach Tagen fehlt weiterhin jedes Lebenszeichen von Nathalie. Ihr Vater bekommt Angst. Zwei Wochen später dann die traurige Gewissheit: An einem Feldweg wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Es ist Nathalie. Sie ist gewaltsam ums Leben gekommen, ein 46-Jähriger wird festgenommen. RTL-Recherchen haben jetzt ergeben: Es gab offenbar einiges, das Nathalies Eltern nicht über ihre Tochter wussten.

Nathalies Familie ringt um Fassung: "Sie hat gerne viel Chaos verbreitet, war flippig"

Nathalies Leiche wurde Ende August nahe der dänischen Grenze gefunden. Zuvor war sie zwei Wochen lang vermisst.
Nathalies Leiche wurde Ende August nahe der dänischen Grenze gefunden. Zuvor war sie zwei Wochen lang vermisst.
© privat

Manchmal, nur manchmal, kann Reinhard M. für ein paar Sekunden vergessen, was geschehen ist. Als wären die vergangenen Monate einfach gelöscht. All der Schmerz und all die Trauer – weg. Aber es sind immer wieder genau diese Momente, die ihn schließlich wieder unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückreißen. Seine Tochter ist tot – umgebracht. Der mutmaßliche Täter: Thomas P., ein ehemaliger Feuerwehrmann. Der Familienvater und Ehemann gilt als dringend tatverdächtig.

Nathalies Leiche wird am 31. August nahe der dänischen Grenze gefunden – notdürftig abgedeckt, an einem Feldweg. Jetzt liegt die junge Frau auf einem Friedhof in Flensburg begraben. Aber selbst Frieden zu schließen, das fällt ihren Eltern noch immer schwer. Sie wollen nicht begreifen, dass ihre Nathalie für immer fort ist. "Sie hat gerne viel Chaos verbreitet, aber sie ist immer wieder auf den Boden zurückgekommen", sagt ihr Vater. "Sie war flippig, wie die Jugendlichen heutzutage manchmal so sind."

Todesfall Nathalie M.: Die 23-Jährige soll auf Escort-Seiten Dates vereinbart haben

Traf Nathalie M. ihren Killer auf einer Escort-Seite?
Traf Nathalie M. ihren Killer auf einer Escort-Seite?
© privat

RTL-Recherchen haben mittlerweile neue Details zu den Umständen von Nathalies Tod ans Licht gebracht. Demnach soll die 23-Jährige auf einer Escort-Seite aktiv gewesen sein, dort gegen Bezahlung Sex-Dates mit Männern vereinbart haben. Auf dieser Seite soll ihr Thomas P. aufgelauert haben. Wiederholt soll der 46-Jährige versucht haben, an ein Date mit Nathalie zu kommen, immer wieder neue Accounts angelegt haben. Offenbar soll er auf Nathalie geradezu fixiert gewesen sein.

Irgendwann soll die 23-Jährige schließlich eingewilligt und ein Treffen verabredet haben. Sie wusste wohl nicht, dass Thomas P. sie offenbar schon häufiger angeschrieben hatte. An dem Tag, an dem das geplante Treffen stattfinden sollte, verschwand die junge Frau offenbar auch. Nathalie meldet sich nicht mehr bei ihrer Familie, ist auch in den sozialen Medien plötzlich nicht mehr online.

Neue Erkenntnisse im Stadum-Krimi: Lockte der Killer Nathalie bei einem Escort-Date in die Falle?

Dass ihre Tochter ihnen verheimlicht haben könnte, sich als Escort gegen Bezahlung mit Freiern getroffen zu haben – das müssen Nathalies Eltern erst einmal sacken lassen. Die Erinnerung an ihre Tochter kann das aber nicht trüben. Denn das Sexleben seiner Tochter, findet Reinhard M., sei ihre Privatsache gewesen.

Dass Nathalie von einem besessenen Täter in eine Falle gelockt worden sein könnte – daran habe sie nicht die geringste Schuld. "Wie es dazu gekommen ist, ist sowas von egal", sagt Reinhold M. Er kämpft mit den Tränen, ihm fehlen die Worte. "Sowas... Sowas macht man einfach nicht."