Strafmaß im Vergewaltigungsprozess verkündet

Harvey Weinstein muss für 23 Jahre ins Gefängnis

12. März 2020 - 10:57 Uhr

In New York verurteilt

Harvey Weinstein muss für 23 Jahre hinter Gitter. Der Oberste Gerichtshof in New York hat das Strafmaß im spektakulären Vergewaltigungsprozess am Mittwochmorgen verkündet. Schon im Februar wurde der ehemalige Filmproduzent in zwei der insgesamt fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen. Mehr als 80 Frauen, darunter auch Angelina Jolie und Salma Hayek, hatten ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Mit dem heutigen Urteil sind die Akten aber noch lange nicht geschlossen. Alle Details erfahren Sie im Video.

Gesundheitszustand von Harvey Weinstein immer schlechter

Weinstein geht es gesundheitlich derweil immer schlechter. Erst am Wochenende machte der 67-Jährige wieder Schlagzeilen von sich: Laut seinem Sprecher, Juda Engelmayer, sei er bei dem Versuch, sich ohne Gehhilfe fortzubewegen, im Gefängnis schwer gestürzt. "Ihm geht es miserabel, aber er versucht so optimistisch wie möglich zu bleiben", hieß es. Weinstein ist seit einer Rückenoperation im Dezember auf eine Gehhilfe angewiesen.

Zuletzt wurde er aufgrund einer Gefäßverstopfung sogar noch am Herzen operiert. Viele befürchteten, dass er in seiner Lage selbstmordgefährdet sei. Sein Anwalt, Arthur Aidala, wies die Sorgen um seinen Mandanten aber von sich: "Nein, das ist Quatsch. Er hat allen Grund zu leben, zwei tolle, kleine Kinder und viele Freunde, die ihn unterstützen", so Aidala.

Harvey Weinstein kommt mit einer Gehhilfe am Obersten Gericht des Bundesstaates New York in Manhattan an.
Harvey Weinstein wurde die letzten Monate am Rücken und am Herzen operiert.
© deutsche presse agentur

New Yorker Prozess bleibt nicht der einzige

In dem aufsehenerregenden New Yorker Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oral-Sex gezwungen und eine weitere Frau 2013 vergewaltigt haben. Insgesamt hatten 28 Zeugen ausgesagt, unter ihnen sechs mutmaßliche Opfer. Von der Verteidigung wurden weitere sieben Personen gehört.

Die Verteidigung Weinsteins um Anwältin Donna Rotunno hatte in Kreuzverhören aggressiv versucht, die Zeuginnen als unglaubwürdig darzustellen und damit bei der Jury Zweifel zu säen. Sie inszenierte den 67-Jährigen als Opfer der Frauen, die ihn wegen seiner Macht und seines Geldes ausnutzten. Viele Frauen initiierten in dem Zusammenhang daher schon 2017 die weltweite MeToo-Bewegung: Weinstein wurde zum Symbol eines Mannes, der seine Macht ausnutzt, um Frauen zu missbrauchen und danach mundtot zu machen.

Doch die Bewegung zeigte seine Wirkung. Auch in Los Angeles haben ihn zwei Frauen wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. An der Westküste muss sich Weinstein daher erneut vor Gericht stellen. Seine Gefängnisstrafe dürfte sich damit erweitern.