Prozessauftakt vor dem Landgericht Offenburg

Schwarzwald-Rambo Yves R. gesteht: Ich wollte niemanden verletzen und hatte Angst vor der Verhaftung

15. Januar 2021 - 15:06 Uhr

Wie gefährlich ist Yves R.?

Er entwaffnete vier Polizisten, versteckte sich in den Wäldern. Fünf Tage hatte Schwarzwald-Rambo Yves R. im Sommer die Kleinstadt Oppenau (Baden-Württemberg) in Atem gehalten, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. Jetzt steht der 32-Jährige vor Gericht – und gibt sich harmlos.

„Lieber verliere ich, als dass ich aufgebe!“

Zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Offenburg ließ Yves R. von seinem Anwalt ein Geständnis verlesen. Er habe vier Polizisten entwaffnet und sei dann mit deren Waffen geflohen. "Scheiße, was machst du da?", habe er sich gefragt. Er habe aber nie vorgehabt, damit jemanden zu verletzen. "Dass ich um mich schieße, war ausgeschlossen. Ich wollte ja niemanden verletzen", zitiert ihn der Anwalt. R. habe die Angst getrieben, verhaftet zu werden. "Die Polizei war mehrfach nur wenige Meter von mir entfernt, hat mich aber nicht gesehen." Freiwillig hätte er sich aber nicht stellen wollen: "Lieber verliere ich, als dass ich aufgebe!", ließ der Angeklagte erklären. Er sei ein freiheitsliebender Mensch.

Ob das stimmt, muss jetzt im Laufe der Verhandlung geklärt werden. Als die Polizei den Mann fasste, saß er in einem Gebüsch – offenbar in Erwartung seiner Verhaftung hatte er die vier Pistolen sichtbar vor sich auf den Boden gelegt und ein Beil auf dem Schoß. Bekannte von ihm hatten R. während seiner Flucht als "schrägen Vogel", beschrieben, der eher skurril als gefährlich sei.

Polizist mit einem Beil am Fuß verletzt

13.01.2021, Baden-Württemberg, Oppenau: Die von dem Angeklagten Yves R. illegal genutzte Gartenhütte steht an einem Hang oberhalb der Stadt Oppenau. Der Angeklagte hatte am 12. Juli 2020 bei einer Kontrolle in der Gartenhütte vier Polizisten gezwunge
Die von dem Angeklagten Yves R. illegal genutzte Gartenhütte steht an einem Hang oberhalb der Stadt Oppenau.
© dpa, Philipp von Ditfurth, abl alf

Diejenigen, die ihm begegnet sind, zeichnen ein anderes Bild: Yves R. hatte sich illegal in einer Hütte am Waldrand von Oppenau einquartiert, die Bilder sehen Sie im Video. Der Besitzer erzählte der dpa, er habe den Angeklagten schlafend auf der Eckbank vorgefunden - umgeben von Waffen: Pfeile, Messer, ein Speer. Er habe sich daraufhin zurückgezogen und die Polizei verständigt. Als R. von vier Beamten kontrolliert wird, entwaffnet er sie mit einer Schreckschusspistole. Die Staatsanwaltschaft wertet die Situation als kurzzeitige Geiselhaft. Außerdem verletzte er den Ermittlern zufolge bei seiner Verhaftung einen Polizisten mit einer Axt am Fuß, der seitdem arbeitsunfähig sein soll. Yves R. ließ erklären, er habe im Affekt mit einem Beil um sich geschlagen.

In Oppenau rätselt Bürgermeister Uwe Gaiser auch ein halbes Jahr später noch über R.'s Persönlichkeit. Eine auffällige Person sei R. mit seinem langen, schwarzen Mantel und seiner Glatze auf jeden Fall gewesen - zumal im kleinen Oppenau, erzählt Gaiser. "Aber ein richtiger Waldläufer war er nicht." Sonst wäre er wohl weiter gekommen und nicht in der unmittelbaren Umgebung festgenommen worden, mutmaßt er. "Ich vermute, es ist ihm gar nicht klar gewesen, wie intensiv nach ihm gesucht wurde." In der Stadt hätten die Leute ganz unterschiedliche Meinungen über R. gehabt. Ein Wirt sagte, einmal sei er etwa als Zwerg verkleidet völlig betrunken auf einer Wiese umgekippt. Auch im Sommer habe er immer einen schwarzen Mantel getragen, den er nie ausgezogen haben soll. Andere hätten dagegen Angst vor ihm gehabt.

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Die Strafakte des Yves R.

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Vermummte und bewaffnete Polizisten suchten tagelang in und um Oppenau nach Yves R.
© dpa, Sven Kohls, bsc

Fest steht: Schon vorher war R. kein unbeschriebenes Blatt. Siebenmal sei er verurteilt worden, erklärt ein Sprecher der Offenburger Staatsanwaltschaft. Die schwerste Vorstrafe demnach: Im Jahr 2010 wurde R. vom Landgericht Karlsruhe wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt, die auch vollständig vollstreckt wurde. Daneben trat er mit verschiedenen Waffendelikten in Erscheinung. Außerdem wurde er laut Staatsanwaltschaft als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt. Er habe mit 15 Jahren das Schild eines Jugendwerks durch Entfernen und Hinzufügen von Buchstaben so verändert, dass die Aufschrift die Worte "Juden weg" enthielt.

Angeklagt ist R. wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung. Wegen des ersten Vorwurfs drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.