Nach Luises achtem Geburtstag fing alles an

Mann missbraucht Stieftochter über Jahre – jetzt kommt er endlich in den Knast

Mann missbraucht Stieftochter über Jahre Jetzt kommt er in den Knast
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Jetzt kommt er in den Knast
Mann missbraucht Stieftochter über Jahre

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von Sebastian Stöckmann

Im Januar 2012 passiert es zum ersten Mal. Luise B. hat gerade ihren achten Geburtstag gefeiert, als aus dem scheinbar harmlosen Necken ihres Stiefvaters mehr wird. Und bei dem einen Mal bleibt es nicht: Immer wieder missbraucht der damals 52 Jahre alte Frank B. seine kleine Stieftochter. Jetzt hat ihn das Landgericht Gera zu einer Haftstrafe verurteilt, wie RTL-Reporter Frank Vacik berichtet.

Stiefvater missbraucht Achtjährige, wenn die Mutter nicht im Raum ist

Es ist ein unvorstellbares Martyrium, das Luise durchmachen muss. Die sexuellen Übergriffe finden regelmäßig statt, alle zwei Wochen. Manchmal im Wohnzimmer, manchmal im Kinderzimmer, wenn die Mutter nicht da oder in einem anderen Raum ist. Mindestens 150-mal habe die junge Klägerin bis Ende 2014 den Horror erlebt, erklärt die Staatsanwaltschaft. Erst 2020 vertraut sich Luise ihrer Oma an.

Prozess in Gera: Schwester glaubt bis zuletzt an Unschuld des 63-Jährigen

Kerstin H. Prozess Gera
Kerstin H. war bis zuletzt von der Unschuld ihres Bruders überzeugt.
RTL

Vor Gericht muss sich die heute 18-Jährige an die schrecklichen Taten ihres Stiefvaters erinnern. Doch dessen Schwester Kerstin H. glaubt bis zuletzt an seine Unschuld. Sie könne sich "definitiv" nicht vorstellen, dass sich ihr Bruder seiner Stieftochter sexuell genähert habe, sagt sie zu Frank Vacik. Und dass Frank B. im Prozess ein Geständnis nahegelegt wurde, sei "justizmäßig einfach eine Erpressung". Den Vorwurf, ihr Bruder habe beim Gang ins Badezimmer nicht an der Tür geklopft, findet sie empörend. "Das war in der Familie gang und gäbe." Luise habe immer die Nähe ihres Stiefvaters gesucht und ihn geneckt, behauptet Kerstin H.

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Frank B. saß wegen sexuellen Missbrauchs schon im DDR-Knast

Auch von vergleichbaren Taten in der Vergangenheit weiß die Schwester angeblich nichts. Doch im Prozess kommt heraus: Frank B. saß wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen schon in den 80er-Jahren mehrere Jahre im DDR-Knast.

Dann nimmt der Prozess eine überraschende Wendung: Der inzwischen 63-Jahre alte Frank B. gesteht die Taten. Seine Schwester reagiert fassungslos. "Ich bin platt", sagt Kerstin H. Das Geständnis schockiere sie – "obwohl ich es ihm nach wie vor nicht zutraue".

Richter nennt Anzeige gegen Stiefvater "mutigen Schritt"

Am Dienstag fällt Richter Harald Tscherner das Urteil: Frank B. ist in 63 Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig. Er muss für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis und 6.000 Euro Schmerzensgeld an Luise B. zahlen. Mit dem Geständnis habe Frank B. "die richtige Entscheidung getroffen", erklärt der Richter. "Doch Reue sieht anders aus. Wenn Sie in der Öffentlichkeit die Tat bestreiten, wie soll eine Therapeutin in der Haft mit Ihnen arbeiten?"

Zu Luise B. sagt der Richter, sie sei mit der Anzeige gegen ihren Stiefvater einen "mutigen Schritt gegangen". Viele Taten blieben im Dunkeln, weil Opfer Zweifel haben, ob man ihnen glaubt. Der 18-Jährigen fällt nach dem Urteilsspruch ein Stein vom Herzen. "Ich habe mich noch nie so erleichtert in meinem Leben gefühlt", sagt Luise. Das Urteil ist für sie das, was sie seit langer Zeit ersehnt hat: ein Neuanfang in ihrem noch jungen Leben.