Sie glaubte bis zuletzt an seine Unschuld

Frank B. gesteht Missbrauch an Stieftochter - Schwester schockiert: "Ich traue es ihm nicht zu"

Frank B. steht wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht.
Frank B. steht wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht.
RTL

von Denise Kylla und Frank Vacik

Im Interview mit RTL-Reporter Frank Vacik sprach Kerstin H. (62) noch von der Unschuld ihres angeklagten Bruders. Was sie zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Frank B. wird wenig später den Missbrauch an seiner damals achtjährigen Stieftochter gestehen. Der 62-Jährige muss sich derzeit vor dem Landgericht Gera verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, Mädchen im Zeitraum von Januar 2012 bis Ende 2014 in mindestens 150 Fällen sexuell missbraucht zu haben.

Landgericht Gera: Sexueller Missbrauch begann an ihrem achten Geburtstag

Zum ersten Mal soll es im Januar 2012 passiert sein – das hilflose Kind hatte gerade seinen achten Geburtstag gefeiert. Über seinen Anwalt ließ Frank B. vor Gericht ein Geständnis verlesen. Daraus ging hervor, dass er dem Mädchen in mindestens 100 Fällen unter den Slip griff, um infolgedessen sexuelle Erregung zu erfahren. Er habe sie im Wohnzimmer auf dem Sofa oder im Kinderzimmer unter dem Hochbett missbraucht, heißt es. Das sei geschehen, wenn Mutter Nancy W. nicht zu Hause oder in einem anderen Zimmer gewesen sei. Als sie älter wurde, habe der Missbrauch aufgehört. „Wo sie reifer wurde, war sie ablehnend. Ab da habe ich es gelassen“, so der Angeklagte vor Gericht.

Erst 2020 soll sich die mittlerweile 18-Jährige ihrer Oma anvertraut haben. Die wiederum habe den leiblichen Vater der jungen Frau informiert. Er erstattete Anzeige gegen den mutmaßlichen Täter. Zu diesem Zeitpunkt soll Nancy W. den Angeklagten aus der Wohnung geworfen und sich von ihm getrennt haben.

Schwester Kerstin H. glaubt an die Unschuld ihres Bruders

Im Interview mit RTL-Reporter Frank Vacik ist Kerstin H. von der Unschuld ihres Bruders überzeugt.
Im Interview mit RTL-Reporter Frank Vacik ist Kerstin H. von der Unschuld ihres Bruders überzeugt.
RTL

Als wir die Schwester des Angeklagten vor Gericht auf die Vorwürfe gegen ihren Bruder ansprechen, ist sie überzeugt von seiner Unschuld. Sie sagt, für die Familie sei das, was passiere „schlimm“. „Wir alle haben versucht, ihn zu unterstützen, wir haben versucht, ihn aufzumuntern, weil wir alle wissen, dass er unschuldig ist“, sagt Kerstin H. Zwischen Frank B. und seiner Stieftochter hätte immer ein liebevolles Verhältnis geherrscht, sagt sie. Und so etwas sei ihrer Ansicht nach nicht der Fall, wenn es sexuellen Missbrauch gegeben hätte. Das Mädchen habe immer die Nähe ihres Stiefvaters gesucht. „Es mag sein, dass er das Mädel gestreichelt hat“, so die Schwester des Angeklagten. Sie sei immerhin seine Stieftochter, da seien Streicheleinheiten normal. Ihr Bruder hätte ihr gegenüber immer seine Unschuld beteuert – und sie glaube ihm.

Während sie spricht, kämpft Kerstin H. mit den Tränen. Um Frank B. beizustehen habe sie sich am Vortag eigenmächtig aus dem Krankenhaus entlassen. Die Verbindung zu ihrem Bruder sei sehr eng. Als er 2020 von Nancy W. verlassen worden sei und kein Dach über dem Kopf gehabt habe, hätte sie ihn vorerst bei sich aufgenommen.

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Schwester erfährt im Gespräch mit RTL-Reporter vom Geständnis ihres Bruders

Im Gespräch mit RTL-Reporter Frank Vacik sagte Kerstin H., sie wissen nichts von einer kriminellen Vergangenheit ihres Bruders.
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In einer Verhandlungspause trifft RTL-Reporter Frank Vacik Kerstin H. erneut. Er berichtet ihr, dass ihr Bruder vor Gericht ein vollumfängliches Geständnis abgelegt habe. Die Schwester ist schockiert – davon habe sie nichts gewusst. „Ich bin sprachlos“, sagt sie. Plötzlich sei sie sich nicht mehr sicher, was sie glauben solle. „Ich bin geschockt, obwohl ich es ihm nach wie vor nicht zutraue.“

Kerstin H. behauptete, sie wisse nicht, ob ihr Bruder in der Vergangenheit schon einmal auffällig im Verhalten gegenüber Kindern gewesen sei. Doch das bittere ist: Vor Gericht kommen dunkle Fakten aus der Vergangenheit auf den Tisch. Frank B. soll zu DDR-Zeiten schon einmal im Gefängnis gewesen sein. Damals sei es ebenfalls um sexuelle Übergriffe auf Kinder gegangen.

Dirk Schwerd vertritt das Opfer vor Gericht.
Dirk Schwerd vertritt das Opfer vor Gericht.
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Opferanwalt ist erleichtert: Große Erleichterung für meine Mandantin

Der Anwalt des Opfers, Dirk Schwerd, zeigte sich erleichtert. Er habe nichts vom Geständnis des Angeklagten gewusst. „Es war heute eine sehr große Erleichterung, dass sich der Angeklagte geständig eingelassen hat“, sagte er. Seine Mandantin sei erleichtert, sich nächste Woche nur noch über die Folgen der Tat äußern zu müssen. „Wir sind erleichtert, dass sich der Angeklagte offen gegenüber Schmerzensgeld-Verhandlungen zeigt.“ Sein Bestreben sei es, dass das Verfahren beendet werden könne, ohne dass das Opfer psychischen Schäden dadurch erleide.

Am 17. Januar soll auch das Opfer aussagen. An diesem Tag wird auch das Urteil gegen den Stiefvater des Mädchens erwartet.