Dramatische Folge von Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft

Mutter bei Geburt total betrunken: Baby hat über 3 Promille im Blut – und stirbt

Das Baby kam mit schweren Schädigungen auf die Welt (Symbolbild).
© iStockphoto, Praisaeng

24. Januar 2020 - 11:31 Uhr

Nicht nur die Mutter ist völlig betrunken – sondern auch das Neugeborene

In der polnischen Kleinstadt Nowy Dwór Mazowiecki kam eine werdende Mutter stark alkoholisiert zur Geburt ins Krankenhaus. Unfassbare 3,2 Promille hatte sie im Blut. Auch das Baby in ihrem Bauch war durch ihren Alkoholkonsum betrunken. Das blieb nicht ohne Folgen: Drei Wochen nach der Geburt starb der Säugling. Eine tragische Geschichte, die zeigt, wie katastrophal Alkohol während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind ist.

Genetische Defekte nach Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft

3,0 Promille hatte das Baby der Frau nach der Geburt im Blut, wie die polnischen Medien "Polsat News" und "Metro Warszawa" unter Berufung auf die örtliche Staatsanwaltschaft berichten. Außerdem habe es genetische Defekte gehabt, vermutlich verursacht durch den Alkoholmissbrauch seiner Mutter.

Der Säugling wurde zwar in Warschau medizinisch versorgt, doch vergeblich. Das Kind wurde nur dreieinhalb Wochen alt. Gegen die 44-jährige Mutter wird nun ermittelt. Im Falle einer Verurteilung droht ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

In der Schwangerschaft ist jeder Tropfen Alkohol einer zu viel

Alkohol während der Schwangerschaft ist ein No-Go. Denn mit jedem Schluck, den die Mutter trinkt, trinkt auch das ungeborene Baby mit. "Durch die Nabelschnur gelangt der Alkohol direkt in den Blutkreislauf des Kindes, Mutter und Kind haben dann denselben Alkoholspiegel - das ungeborene Kind sogar länger, da es den Alkohol nicht so schnell abbauen kann", erklärt Gesundheitsexperte Dr. Christoph Specht. Mit fatalen Folgen: "Schon ein Tropfen Alkohol kann dramatische Folgen haben", warnt der Mediziner.

Dennoch passiert es immer wieder, dass schwangere Frauen Alkohol trinken und ihre Babys mit Behinderungen auf die Welt kommen. Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 10.000 Kinder mit sogenannten "Fetalen Alkoholspektrumstörungen" (FASD) geboren.  Die dramatischen Folgen des Passivtrinkens hat auch eine Studie des Münchner Instituts für Therapieforschung (IFT) untersucht.

Das fetale Alkoholsyndrom gehört zu den häufigsten angeborenen Behinderungen bei Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Die Auswirkungen für die Kinder sind dramatisch. Häufig erkennt man diese Kinder schon am Gesicht. Denn der Alkohol prägt das Kindergesicht. Kennzeichen sind beispielsweise eine kurze, flache Nase, eine fehlende oder nur schwach ausgeprägte Furche zwischen Nase und Mund und eine dünne Oberlippe.

Weitere Anzeichen für ein Fetales Alkoholsyndrom können sein:

  • Minderwuchs im Mutterleib und nach der Geburt
  • Missbildung der inneren Organe (wie Herzfehler, Fehlbildungen der Nieren)
  • Fehlbildungen an Gelenken und Skelett
  • Oft leiden FAS-Patienten zusätzlich an ADHS und sind in ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten zurückgeblieben.

Im Video: Christian (22) ist geistig behindert, weil seine Mutter trank

Weil seine Mutter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat, leidet Christian heute unter den Spätfolgen, dem sogenannten Fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Wie Christian mit seiner Krankheit lebt, erzählt er im Video.

Jede 4. Frau trinkt während der Schwangerschaft Alkohol

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass beinahe jede vierte Frau trotz Schwangerschaft nicht vollständig auf Alkohol verzichtet. Ein Grund: Viele werdende Eltern sind nicht ausreichend über die Risiken informiert. Oft werden die Gefahren des Trinkens verharmlost oder gar nicht wahrgenommen. Doch das ist ein fataler Trugschluss, der die Gesundheit des ungeborenen Kindes gefährden kann.

Um jedes Risiko auszuschließen raten Experten daher, grundsätzlich während der Schwangerschaft die Finger vom Alkohol zu lassen. Denn es gibt keinen wissenschaftlich belegten Wert, bis zu dem Alkohol in der Schwangerschaft unschädlich sei, so Olaf Neumann, Chefarzt der Frauenklinik an der München Klinik Schwabing. "Deswegen müssen wir davon ausgehen, dass auch das 'Ausnahmeglas Wein im Monat' schon schaden kann. Ich persönlich plädiere deshalb stark für die 0,0 Promille-Grenze".