Fetales Alkoholsyndrom beim Kind: Diese Folgen hat Alkohol in der Schwangerschaft

16. Juni 2018 - 12:09 Uhr

Fetales Alkoholsyndrom gehört zu den häufigsten angeborenen Behinderungen

"Ach, das Schlückchen wird schon nicht schaden": Immer noch hört man diesen Satz von werdenden Müttern, die auch in der Schwangerschaft nicht konsequent auf Alkohol verzichten. Laut einer Studie trinkt jede siebte Frau in der Schwangerschaft gelegentlich Alkohol und setzt damit die Gesundheit ihres Kindes aufs Spiel.

Experten zufolge werden in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Babys mit alkoholbedingten Schäden - sogenannten Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) - geboren. Schätzungsweise etwa 20 Prozent von ihnen leiden unter dem Fetalen Alkoholsyndrom, was der höchste Schweregrad der Schädigung ist. FAS zählt damit zu den häufigsten angeborenen Behinderungen in Deutschland. Wie schwer der Alltag mit Fetalem Alkoholsyndrom für die Betroffenen auch im Erwachsenenalter noch ist, sehen Sie im Video. 

FAS-Patienten haben es im Alltag schwer

Ein Fetales Alkoholsyndrom (FAS) wird ausgelöst, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trinkt und das Kind in ihrem Bauch damit schädigt. FAS, auch Alkoholembryopathie genannt, äußert sich in körperlichen und geistigen Schäden, Mangelentwicklungen und Fehlbildungen des Kindes. Der Schädel ist bei Betroffenen oft ungewöhnlich klein und das Gehirn entwickelt sich schlechter. Die Nase ist häufig kurz und flach, der Abstand zwischen den Augen breit. Viele Kinder mit FAS wachsen im Mutterleib und nach der Geburt nicht richtig und leiden unter Fehlbildungen von Skelett und Gelenken, Herzfehlern oder Nierenfehlbildungen.

Oft leiden FAS-Patienten zusätzlich an ADHS und sind in ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten zurückgeblieben. Es fällt ihnen häufig schwerer, Informationen zu verarbeiten. Dadurch haben sie meist Probleme, ihren Alltag zu bewältigen und zu strukturieren und sich Dinge zu merken. Manchmal sind Kinder mit Fetalem Alkoholkonsum aggressiver als andere und haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren. Im Erwachsenenalter können dazu Depressionen, Angststörungen und ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen kommen. Menschen mit Fetalem Alkoholsyndrom fällt es oft schwer, sich an gesellschaftliche Normen anzupassen.

Deshalb ist Alkohol in der Schwangerschaft für das Kind besonders gefährlich

Ultraschallaufnahme eines fünf Monate alten Fötus
Über die Nabelschnur kann Alkohol fast ungefiltert in die Blutbahn des ungeborenen Babys gelangen.
© picture-alliance / dpa, Chad Ehlers

Das Fetale Alkoholsyndrom ist nicht heilbar. Zwar kann man körperliche Merkmale wie einen Herzfehler oder eine Gaumenspalte mit einer Operation beheben - die meisten anderen Schäden, die der Alkohol beim Kind im Mutterleib angerichtet hat, können aber nicht rückgängig gemacht werden. Betroffene müssen häufig noch als Erwachsene im Alltag unterstützt und gefördert werden, um mit den Beeinträchtigungen bestmöglich zurechtzukommen.

Ungeborene Kinder reagieren besonders empfindlich auf Alkohol, weil ihre Leber das Gift noch nicht gut abbauen kann. Daher tragen ihre Zellen durch Alkohol deutlich schneller Schaden davon als die von Erwachsenen. Vor allem für das empfindliche Gehirn des Kindes kann das gravierende Folgen haben. Die Blutkreisläufe von Mutter und Kind sind eigentlich über die sogenannte Plazentaschranke voneinander getrennt - Alkohol kann diese jedoch überwinden und über die Nabelschnur fast ungefiltert über das Blut der Mutter in den Blutkreislauf des Kindes gelangen.

Das Risiko für ein Fetales Alkoholsyndrom beim Kind besteht auch, wenn Mütter über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft immer mal wieder nur in geringen Mengen Alkohol trinken. FAS beim Kind kann Studien zufolge bereits ausgelöst werden, wenn die Mutter nur zehn Gramm Alkohol am Tag zu sich nimmt - so viel wie in rund 100 ml Wein oder einem kleinen Bier steckt.