Alkohol während der Schwangerschaft

Schock-Studie: Tausende Babys durch "Passivtrinken" mit Behinderung geboren

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19. März 2019 - 18:48 Uhr

So gefährlich ist Alkohol während der Schwangerschaft

Ein Weinchen am Abend schadet dem ungeborenen Kind nicht? Falsch gedacht. Alkohol während der Schwangerschaft ist ein No-Go. Dennoch passiert es immer wieder, dass schwangere Frauen Alkohol trinken und ihre Babys mit Behinderungen auf die Welt kommen. Die Studie des Münchner Instituts für Therapieforschung (IFT) hat sich mit den Folgen des "Passivtrinkens" befasst und nun die schockierenden Folgen im Fachmagazin "BMC Medicine" veröffentlicht.

Fast 13.000 Babys kamen behindert zur Welt

Passivtrinken meint die Schäden, die unmittelbar und mittelbar durch den Alkoholkonsum anderer entstehen. Direkt betroffen sind zum Beispiel Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol trinken. Trinke die Mutter während der Schwangerschaft also Alkohol, trinke das Ungeborene stets mit: "Durch die Nabelschnur gelangt der Alkohol direkt in den Blutkreislauf des Kindes, Mutter und Kind haben dann denselben Alkoholspiegel - das ungeborene Kind sogar länger, da es den Alkohol nicht so schnell abbauen kann", erklärt Olaf Neumann, Chefarzt der Frauenklinik an der München Klinik Schwabing. Zudem gibt es keinen wissenschaftlich belegten Wert, bis zu dem Alkohol in der Schwangerschaft unschädlich sei: "Deswegen müssen wir davon ausgehen, dass auch das "Ausnahmeglas Wein im Monat" schon schaden kann. Ich persönlich plädiere deshalb stark für die 0,0 Promille-Grenze", ergänzt Olaf.

Die Wissenschaftler um Ludwig Kraus schätzten auf Grund von internationalen Übersichtsstudien, dass durch Alkoholmissbrauch im Jahr 2014 in Deutschland 12.650 Babys mit einer Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD) zur Welt kamen, darunter knapp 3000 mit einem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) als volle Ausprägung der Störung. Die Kinder sind teils kleinwüchsig und haben Fehlbildungen im Gesicht. Ihre motorischen Fähigkeiten sind eingeschränkt, sie zeigen Störungen im Verhalten, bei den Gedächtnisfunktionen, bei Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit. Betroffene kämpften oft ein Leben lang mit den Folgen.

"Für Deutschland wurden die Zahlen bisher unterschätzt."

Die Münchner Forscher hatten neben den internationalen Übersichtsstudien eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts in Berlin ausgewertet, die auf Befragungen von Müttern beruhte. Demnach wurden von 10.000 Kindern 177 mit FASD geboren. Das rechneten die Forscher auf die Zahl von 715.000 Geburten in Deutschland um. "Für Deutschland wurden die Zahlen bisher unterschätzt", sagte Kraus.

Zudem sei die Zahl der Betroffenen schwer zu erfassen, da die Entwicklungsschädigungen oft erst später festgestellt würden. Da die Erkrankungen nicht meldepflichtig seien, gebe es keine Statistiken: "Es gibt viele FAS- oder FASD-Fälle, die nicht erkannt sind. Viele Kinder haben die Störungen, aber sie sind nicht als diese Störungen diagnostiziert", so Kraus. Es sei zwar nicht von steigenden Fallzahlen auszugehen, da der Alkoholkonsum in Deutschland eher abnehme, dennoch forderte er mehr Prävention.​

Wird Alkoholmissbrauch toleriert?

Alkohol ist in Deutschland fast überall frei verkäuflich - für viele Betroffene eine große Gefahr, der Versuchung nicht zu wiederstehen, auch für schwangere Frauen. Dennoch seien Maßnahmen wie die Preispolitik oder die Beschränkung der Vermarktung von alkoholischen Getränken eher unpopulär, würden aber helfen, die Schädigung Dritter zu reduzieren, so Kraus.

Letztlich komme das auch den Trinkern selbst zugute. Alkoholmissbrauch sei weltweit die vierthäufigste Ursache für Erkrankungen und Todesfälle. Zudem erhöhe missbräuchlicher Alkoholkonsum das Risiko für zahlreiche Krebsarten.