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Plötzlicher Kindstod: Forscherin entdeckt nach Verlust mögliche Ursache – ist dieses Enzym Schuld?

Erfolgreicher Schritt im Kampf gegen SIDS

Ursache für plötzlichen Kindstod entdeckt - leitende Forscherin war selbst betroffen

Ursache für plötzlichen Kindstod entdeckt Kann SIDS bald verhindert werden?
03:10 min
Kann SIDS bald verhindert werden?
Ursache für plötzlichen Kindstod entdeckt

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Der plötzliche Kindstod ist der schlimmste Albtraum frisch gebackener Eltern. Denn sie alle kennen diese Panik: Atmet mein Baby noch? Die Angst davor raubt ihnen den Schlaf. Durch eine neue Forschung aus Australien besteht jetzt die berechtigte Hoffnung, gefährdete Babys frühzeitig zu entdecken – und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Forscherin hinter dem Projekt verlor ihren Sohn selbst durch das Sudden Infant Death Syndrome, kurz SIDS – und will Eltern mit ihrer Studie auch die Schuldgefühle nehmen.

Auch in Deutschland noch mehr als 100 Fälle im Jahr

80 Prozent der plötzlichen Kindstode ereignen sich vor dem sechsten Lebensmonat des Babys. 1991 verstarben in Deutschland noch 1.285 Babys. 2019 waren es laut Statistischem Bundesamt nur noch 107 – doch das sind immer noch 107 zu viel. Der Rückgang konnte durch die Empfehlung von Vorbeugemaßnahmen erreicht werden: Im ersten Lebensjahr sollen Babys beim Schlafen immer auf den Rücken gelegt und in einen Schlafsack ohne zusätzliche Decke gebettet werden. Auch eine rauchfreie Umgebung ist wichtig, Kuscheltiere oder andere Dinge im Säuglingsbett sind tabu. Doch die genaue Ursache von SIDS bleibt bislang weitestgehend im Dunklen.

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„Ich wollte herausfinden, warum er gestorben ist“

Die australische Schlaf-Wissenschaftlerin Dr. Carmel Harrington, die vor 29 Jahren ihren damals fast zweijährigen Sohn durch SIDS verloren hat, wollte sich damit nicht abfinden. „Mein Sohn Damien ist eines Nachts plötzlich und unerwartet gestorben“, erzählt sie jetzt dem TV-Sender ABC. „Es dauerte etwa zwei Jahre, bis ich wieder richtig durchatmen konnte, und da dachte ich, dass ich eigentlich herausfinden möchte, warum er gestorben ist. Niemand konnte es mir sagen. Sie sagten nur, es sei eine Tragödie. Aber es war eine Tragödie, die sich nicht mit meinem wissenschaftlichen Verstand vereinbaren ließ.“

Die australische Wissenschaftlerin Dr. Carmel Harrington, die vor 29 Jahren ihren fast zweijährigen Sohn durch SIDS verloren hat, hat ihr Leben der Ursachenforschung gewidmet.
Die australische Wissenschaftlerin Dr. Carmel Harrington, die vor 29 Jahren ihren fast zweijährigen Sohn durch SIDS verloren hat, hat ihr Leben der Ursachenforschung gewidmet.
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Wichtiges Enzym in deutlich geringerer Konzentration

Harringtons Hartnäckigkeit wird jetzt belohnt: Denn ein Forscherteam aus Sydney hat unter ihrer Leitung einen Enzymmarker gefunden, der helfen kann, Babys mit erhöhtem SIDS-Risiko zu identifizieren. Sie fanden heraus, dass ein Enzym namens Butyrylcholinesterase (BChE) eine wichtige Rolle im „Erregungsweg des Gehirns“ spielt. Genau dieses Enzym wurde bei Babys, die an SIDS starben, in „deutlich niedrigeren“ Konzentrationen gefunden. Für die Studie analysierten die Forscher getrocknete Blutflecken, die im Rahmen des Neugeborenen-Screening-Programms entnommen wurden. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift The Lancet veröffentlicht.

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Manche Babys zeigen nicht dieselbe starke Erregungsreaktion

„Babys verfügen über einen sehr wirksamen Mechanismus, um uns mitzuteilen, dass sie nicht glücklich sind“, erklärt Harrington, die die Studie selbst leitete, dem Sender. „Wenn ein Baby mit einer lebensbedrohlichen Situation konfrontiert ist, wie zum Beispiel Atemnot während des Schlafs, weil es auf dem Bauch liegt, wird es normalerweise wach und schreit.“ Die Forschungsergebnisse zeigen: manche Babys zeigen nicht dieselbe starke Erregungsreaktion.

Antworten auch für Eltern, deren Babys an SIDS starben

Doch Harrington ist sich sicher: „Jetzt, da wir wissen, dass das Enzym BChE eine Rolle spielt, können wir damit beginnen, SIDS der Vergangenheit angehören zu lassen.“ Auch Eltern, deren gesunde Babys starben, gibt diese Forschung endlich Antworten – Antworten auf quälende Fragen, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle. „Diese Familien können jetzt mit der Gewissheit leben, dass es nicht ihre Schuld war“, sagte sie.

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Die Ergebnisse seien ein Geschenk, das sie zum Muttertag bekommen habe, sagte Harrington dem Sender weiter. „Es gibt uns einen Schwerpunkt für unsere zukünftige Forschung. Es gibt noch eine ganze Menge zu tun. Jetzt müssen wir nur noch die Mittel dafür auftreiben.“ Um ihre Forschungen weiter zu finanzieren, hat die Wissenschaftlerin auch eine Crowdfunding-Kampagne namens „Damien’s Legacy“, zu Ehren ihres „wunderschönen kleinen Jungen“, eingerichtet. (ija)