Wie soll das Leben weitergehen?

Wenn das eigene Kind stirbt: In diesem Verein finden verwaiste Eltern Trost

Gedenkstätte.
Gedenkstätte.
© RTLNord

01. Juni 2021 - 15:36 Uhr

"Der Tod unseres Kindes ist wie ein Orkan durch unsere Familie gestürmt, nichts ist mehr wie vorher"

Für Eltern, die plötzlich ihr Kind verlieren bricht nicht nur eine Welt zusammen, es beginnt auch eine neue Zeitrechnung. Nichts ist mehr wie vorher! Dabei ist es "ganz egal, ob das Kind während der Schwangerschaft, in den ersten Lebensjahren, als Jugendlicher oder Erwachsener stirbt", so Gerd Rullmann vom Verein "Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V. Der Verein steht Eltern und Geschwistern der verstorbenen Kinder zur Seite.

Der Weg der Trauer ist lang

Die Trauer ist ein ständiger Begleiter
Gerd Rullmann am Grab von Matti
© RTLNord

Es ist acht Jahre her, dass Gerd Rullmann seinen kleinen Sohn Matti verloren hat. Der Junge war erst fünf Monate alt - der Schicksalsschlag kam aus heiterem Himmel: Matti stirbt am plötzlichen Kindstod. Was folgt ist ein seelischer Ausnahmezustand in der Familie: "Zu Beginn wurden wir von Freunden und der Familie aufgefangen," erzählt der 57-Jährige im Interview mit RTL Nord, doch irgendwann "möchte man diese Menschen auch wieder ins normale Leben entlassen. Da hatten wir aber erst die Akutphase unserer Trauer durchfahren und noch einen weiten, weiten Weg vor uns."

Trauer und Schmerz verändern sich

Erinnerungsteppich Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister
Erinnerungsteppich "Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V."
© RTLNord

Auf diesem Weg hilft der Familie damals der Verein "Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V.", dessen Vorsitzender Rullmann heute ist. "Wir begleiten in der zweiten Phase der Trauer", erklärt der Familienvater "in einer Form von Hilfe zur Selbsthilfe". An dreizehn Orten in Schleswig-Holstein stehen dafür erfahrene Trauerbegleiter und Seelsorger bereit. In den Trauergruppen bekommen Eltern und Geschwister den Raum, individuell mit ihrem Schmerz umzugehen und sich dabei nicht allein zu fühlen. "Wir sorgen auch dafür, dass die Leute sich dann mittelfristig wieder ins gesellschaftliche Leben integrieren können", erzählt Rullmann.

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Rituale helfen, um nach dem Tod des eigenen Kindes weiter zu leben

Mit dem Schicksal, das eigene Kind verloren zu haben, müssen Eltern ein Leben lang klar kommen. Der Verein hilft dabei einen Weg zu finden, sich nicht immer wieder von der Trauer überwältigen zu lassen. Der bunte Erinnerungsteppich, den uns Gerd Rullmann an der Wand seines Büros zeigt, ist so ein Schritt auf diesem Weg: "Da haben Eltern aus den Lieblingsstücken ihrer Kinder eine sogenannte Kachel genäht, die hier auf diesem Teppich verewigt wurde und damit ein Andenken für ihre Kinder geschaffen." Wichtig sei es außerdem, auch das verstorbene Kind als festen Bestandteil der Familie zu sehen, so der Vereinsvorsitzende. Hier helfen Rituale, zum Beispiel an Feiertagen: "An Weihnachten schneiden wir den schönsten Zweig des Weihnachtsbaum ab und bringen ihn zum Friedhof. Wir symbolisieren so in unserer Familie, dass der schönste Zweig fehlt."

Unverzichtbare Hilfe für Betroffene

Die Arbeit des Vereins "Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V." ist für Betroffene nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar. Ohne die kontinuierliche Hilfe der zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter, wären viele von in die Isolation abgedriftet. Als Landesverband arbeitet der Verein intensiv daran, das Netzwerk von Selbsthilfegruppen für trauernde Familien in Schleswig-Holstein durch weitere Standorte zu ergänzen. Dafür sind Spenden nötig, damit allen verwaisten Eltern und trauernden Geschwistern in Schleswig-Holstein geholfen werden kann.

Verwaiste Eltern Schleswig-Holstein e.V.
BIC GENODEF1SLW
IBAN DE26 2169 0020 0001 4172 31