RTL-Reporter hilft verzweifelter Zuschauerin

Pflegefall nach aufgeschobener OP! Krankenkasse will Sonjas (53) Rollstuhl nicht zahlen

30. November 2021 - 9:33 Uhr

Unerträgliche Schmerzen im durchgesessenen Rollstuhl

von Thorsten Sleegers

Als sich Sonja Czudnochowski (53) aus Hürth an die "Punkt-12-Reporter" wendet, muss sie bereits starke Schmerzmittel nehmen, weil sie es kaum noch in ihrem durchgesessenen Rollstuhl aushält. Mit 14 Jahren hat Sonja einen Blinddarmdurchbruch, wird damals aber viel zu spät operiert. Nach einer Blutvergiftung landet sie schwerstbehindert in einem sogenannten Aktivrollstuhl, der im Schnitt alle vier Jahre ausgetauscht wird. Doch damit soll jetzt plötzlich Schluss sein. Ich möchte der Familie helfen.

Sonja (53): "Ich bin ein anerkannter Kunstfehler"

Als ich Sonjas Mail in der RTL-Zuschauerpost lese, ist mir klar: Hier muss schnell gehandelt werden. Die 53-jährige musste in ihrem Leben schon viel durchmachen, und jetzt, wo sie dringend einen neuen Rollstuhl benötigt, gibt es seit Monaten Probleme.

Bei den Dreharbeiten zu unserer Reportage erzählt mir die 53-jährige ihre unglaubliche Geschichte. Als sie im Alter von 14 Jahren in der Schule über starke Bauchschmerzen klagt, geht sie nach Hause. Der Hausarzt habe ihr geraten, sich auszuruhen. Als die Schmerzen immer schlimmer werden, bringt sie ihre Mutter ins Krankenhaus.

"Na, kein Bock auf Schule?", habe sie ein angehender Arzt gefragt. Mutter und Tochter sind fassungslos über diese Begrüßung. Obwohl ein Blinddarmdurchbruch diagnostiziert wird, findet die Operation erst zwei Tage später statt. Viel zu spät, denn die starke Entzündung hatte bereits zu einer Sepsis, einer Blutvergiftung, geführt.

Sonjas Mutter verklagt damals die Ärzte und den Träger der Klinik, die Bundesknappschaft. Nach jahrelangem Kampf vor Gericht siegt die Familie, und die inzwischen 19-jährige Sonja soll eine Million DM Schmerzensgeld bekommen. Der Fall geht damals bundesweit durch die Presse. Doch das Geld hat Sonja nie bekommen. Davon hätte die Familie nicht nur lebenslang Pflege und Behandlungen zahlen müssen, damit hätte sie den gesamten behinderten-gerechten Alltag bestreiten müssen.

Stattdessen einigt man sich auf eine lebenslange Unterstützung durch die Bundesknappschaft. Das geht aus dem Gerichtsurteil aus dem Jahr 1987 hervor. Sonja ist ein anerkannter "Kunstfehler".

Alle vier Jahre ein neuer Rollstuhl

Sonja sitzt bis zu 18 Stunden täglich in ihrem sogenannten Aktivrollstuhl. Daher wundert es mich nicht, dass er nach vier Jahren dauerhafter Beanspruchung "aufgebraucht" ist. Sonja vergleicht das mit einem Paar Schuhe, das eben auch nur eine gewisse Zeit hält. Während man die Reifen austauschen könne, sei der Rollstuhl aber irgendwann instabil und klapprig geworden, davon können sich mein Kamerateam und ich vor Ort selbst überzeugen. Allein das Ein- und Aussteigen oder das Fahren über Bordsteinkanten trage seinen Teil dazu bei.

Bis vor einigen Jahren hat es immer geklappt, das sie im Schnitt alle vier Jahre einen neuen Aktivrollstuhl bekommt. Seit 2017 gibt es aber Probleme, angeblich auch, weil ihre Ansprechpartner bei der Bundesknappschaft gewechselt hätten. Man habe ihr sogar gesagt "So ein Rollstuhl hält viel länger als nur vier Jahre". Selbst nachdem sie vor dem Kölner Sozialgericht einmal mehr Recht bekommt, passiert nichts. Dabei liegt das Rezept für den neuen Rollstuhl seit dem Frühjahr 2021 vor.

Aus der Not heraus benutzt Sonja seitdem einen doppelt so alten Rollstuhl, weil sie darin etwas besser sitzen kann. Dennoch: Obwohl sie mehrere Decken als Unterlage nutzt, haben sich ihre Sitzknochen entzündet, weil die Metallstangen durch den durchgesessenen den Sitz drücken.

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Die "Punkt 12"-Reporter wollen helfen

Inzwischen scheinen die Fronten verhärtet. Es ist nicht nur der Rollstuhl der Probleme macht, jetzt soll auch noch ein anderes Sanitätshaus beauftragt werden für die Wartung oder anfallende Reparaturen am Rollstuhl. Eine Sprecherin der Knappschaft sagt mir am Telefon, dass man natürlich auch wirtschaftlich arbeiten müsse. Daher sei es legitim, dass man auch Gegenkostenvoranschläge von anderen Firmen einholen würde. Damit sind weitere vertraute Ansprechpartner für die 53-jährige weg.

Ich schildere der Sprecherin der Bundesknappschaft die verzweifelte Lage von Sonja Czudnochowski und berichte ebenfalls von den Problemen mit dem neu beauftragten Sanitätshaus, mit dem sich die Familie inzwischen zerstritten hat. Die Sprecherin zeigt sich verständnisvoll und verspricht mir, schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Wie der Fall ausgeht, sehen Sie im Video oben.