Geld machen oder gesund machen?

Patient sagt Profitgier an Krankenhäusern den Kampf an

22. Oktober 2019 - 17:08 Uhr

Ludwig Hammel steht hinter der Petition „Mensch vor Profit“

Wer verzweifelt auf der Suche nach der Ursache für das eigene Leiden ist, stellt die Entscheidung der Ärzte selten in Frage – schließlich wissen die doch genau, wie sie Patienten helfen können! Das dachte auch Ludwig Hammel früher. Aber als er erst nach sieben Jahren den Grund für seine extremen Rückenschmerzen erfuhr, wurde ihm klar: Allzu oft ist das Wohl des Patienten zweitrangig. Im Vordergrund steht dann, was an ihm verdient werden kann. Die Ursache dafür liegt in unserem Gesundheitssystem selbst – und das will Ludwig Hammel jetzt mit seiner Online-Petition "Mensch vor Profit" ändern. Im Video berichtet er von seiner enttäuschenden und oft schmerzhaften Odyssee.

Ärzte-Appell des „Stern“: So kann es nicht weitergehen!

Bereits über 1.500 Mediziner haben den Ärzte-Appell des "Stern" unterzeichnet. Sie fordern: Schluss mit einem Gesundheitssystem, in dem Patienten danach behandelt werden, wie viel Geld sie dem Krankenhaus oder Arzt einbringen. Als Ludwig Hammel davon erfuhr, war für ihn sofort klar: Diese Aktion will er mit allem, was geht, unterstützen. Denn er selbst war jahrelang Spielball wirtschaftlicher Interessen – und das nur, weil seine Rheuma-Krankheit Morbus Bechterew zu denen gehört, die als wenig lukrativ gelten.

Ludwig Hammels Krankheit bringt wenig Geld

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule angreift und sie verkrümmen lässt. Die Folge: Immer schlimmer werdende Rückenschmerzen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Auch bei Ludwig Hammel war es fast so weit: Der Sportfan irrte sieben Jahre lang von Arzt zu Arzt, bekam mal Physiotherapie verschrieben, mal Schmerzmittel – aber nie eine richtige Diagnose. Erst, als er bei einem Rheumatologen landete, bekam er endlich Klarheit. Dafür waren nur ein paar einfache Untersuchungen nötig.

Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an rheumatischen Erkrankungen. Doch wirtschaftlich sind sie für Krankenhäuser uninteressant. Der Grund: Die Diagnostik ist aufwändig und zeitraubend – und Zeit ist Geld, denn je mehr "Prozeduren" eine Klinik durchführt, desto mehr Geld bekommt es. So sieht es das aktuell gültige Abrechnungssystem nach Fallpauschalen vor. Selbst nach der Diagnose haben Rheuma-Patienten es schwer: Sie brauchen vor allem Medikamente und Krankengymnastik, auch daran wird wenig verdient. So wird das Fachgebiet in ganz Deutschland "kaputtgespart", kritisiert der "Stern".

Petition fordert Ende des Ärztepfuschs

Als Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) kämpft Ludwig Hammel schon lange für die Rechte anderer Erkrankter. Jetzt will er mehr: Mit der Petition "Mensch vor Profit" fordert er nichts weniger als eine Reform des Gesundheitssystems. Fast 85.000 Menschen unterstützen sie bereits. Hier können auch Sie online unterzeichnen.