Der Fisch gehört zu den gefährlichsten europäischen Gifttieren

Monatelang Schmerzen: Deswegen sollten Sie sich vor dem Petermännchen fürchten

Großes Petermännchen Trachinus draco ruhend auf Kies
Großes Petermännchen Trachinus draco ruhend auf Kies
© picture alliance, picture-alliance / OKAPIA KG, Germany, Armin Maywald

22. Juli 2020 - 15:13 Uhr

Bei einem Stich wird es sofort extrem schmerzhaft

Die Gefahr lauert im Wasser, gut verbuddelt in Sand oder Schlamm. Der Name des Gefährders klingt allerdings wenig gefährlich: Nur wenige giftige Stachel reichen dem Petermännchen-Fisch für heftigste Reaktionen im menschlichen Körper. Kommt ein Mensch einem Petermännchen zu nah, dann fährt der zur Verteidigung die Stacheln aus. Schon bei einem Stich wird es sofort extrem schmerzhaft - und das kann so für Monate bleiben. Eine starke Gewebeschwellung entsteht, im Extremfall bilden sich Eiter-Blasen. Das Gift verteilt sich schnell im Körper, die Wunde wird taub und gefühllos. Symptome wie Brechreiz, Kreislaufkollaps und Herzrhythmusstörungen können auftreten.

Petermännchen kommen an der Atlantik-Küste, an Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer vor

Nicole B. wollte ganz entspannt an ihrem Lieblingsstrand im mallorquinischen Canymel baden gehen. Doch dann hatte sie eine unliebsame Begegnung mit einem Petermännchen, auch als Spinnenfisch oder Spinnen-Petermännchen bekannt. "Ich wusste nichts von den giftigen Kollegen", schreibt sie bei Facebook. "Jetzt schon - das war SO schmerzhaft, mein Fuß ist immer noch dick."

Doch das Petermännchen kommt nicht nur in Mallorca vor. Es lebt entlang der Atlantik-Küste, in der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und Schwarzen Meer, informiert die Giftzentrale Bonn. Vor allem zur Laichzeit, also im Frühjahr und im Sommer, suchen Petermännchen flache Gewässer auf. Sie graben sich dann in den Sand und in den Schlamm ein, meist sind nur noch die Augen sichtbar. Ohne Badesandalen hat ein Wattwanderer oder ein Mallorca-Badegast keine Chance.

Stachel enthalten Cocktail aus Eiweiß-Giften

Kind trägt Badesandalen
Kinder sollten angesichts möglicher Begegnungen mit einem Petermännchen in jedem Fall Badesandalen tragen - die helfen schließlich auch gegen Glas und gegen andere giftige Meeresbewohner, wie zum Beispiel Quallen.
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Die Drüsen am Dorn des Kiemendeckels und an den Knochenstrahlen der vorderen Rückenflosse enthalten einen Cocktail aus Eiweiß-Giften. "Jeder Kontakt mit den giftigen Organen ist zu vermeiden, weil schon geringste Mengen des Giftes schwerwiegende Symptome hervorrufen können", rät die Giftzentrale daher auf ihrer Internetseite.

"Todesfälle aufgrund eines Petermännchen-Stichs hat es aber bisher nicht gegeben", sagt uns Prof. Dr. Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen. "Allerdings gibt es auch schwere Verläufe, mit Schmerzen und nervlichen Folgeschäden, die Monate anhalten können." Er rät deswegen dazu, dass Kinder auf jeden Fall mit Badesandalen ins Meer gehen sollten - Erwachsene müssen das für sich selbst entscheiden.

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Im Ernstfall: Stachel entfernen und einen Arzt aufsuchen

Für jemanden, der eine schmerzhafte Begegnung mit dem Stachel eines Petermännchen hatte, gilt: "Am besten sofort den Stachel entfernen, einen Arzt aufsuchen und bei diesem auch den Stand der Tetanus-Impfung abklären." Zwar kann eine Behandlung mit moderater Hitze Linderung bringen - doch davon rät der Experte ab. "Durch ungeübte Anwendung kommt es dabei immer wieder zu Verbrühungen." Ein direktes Gegengift gibt es laut Schaper nicht - auch Insekten-Mittel und elektronische Stichheiler helfen nicht.

Dem Petermännchen-Fisch sollten Sie also tatsächlich möglichst aus dem Weg gehen – es sei denn, er liegt auf Ihrem Teller. Denn dort gilt er als Delikatesse. Aber nur, wenn alle Stachel fachmännisch entfernt wurden. Für Nicole B. ist jedenfalls klar: Ab jetzt geht sie nur noch mit Badeschuhen ins Wasser. Und sie warnt andere Badegäste in Mallorca: "Am liebsten würde ich alle bekehren, auch Badeschuhe zu tragen - also passt gut auf, wo ihr hintretet!"

GUT ZU WISSEN: Was tun, wenn das Kind etwas Giftiges verschluckt?

Kaum guckt man drei Sekunden weg, schon kann es passiert sein: Das Kind hat Reinigungsmittel geschluckt oder an giftigen Beeren genascht. Dann gilt: Sofort die Giftnotrufzentrale anrufen, um Schlimmeres zu vermeiden. Je nach Bundesland sind die Nummern der Zentralen allerdings unterschiedlich. Wir haben hier die Telefonnummern für Sie aufgelistet und erklären, was Sie beachten sollten!

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