Sicherheit durch Käuferschutz? Nicht immer!

Vorsicht, Paypal-Falle: Mit dieser Masche könnten dubiose Händler Sie abzocken

12. August 2020 - 14:13 Uhr

Schlupflöcher bei Paypal-Käuferschutz schamlos ausgenutzt

Nur wenige Klicks, und schon ist der Online-Einkauf getätigt: Laut einer Studie ist Paypal in Deutschland der beliebteste Weg, um Produkte und Dienstleistungen im Internet zu bezahlen – nicht zuletzt wegen des integrierten Käuferschutzes. Doch der hat seine Lücken, und das kann teuer werden, wie Michaela Siebes Fall zeigt: Bei ihrem Kauf über Ebay-Kleinanzeigen bekam sie statt gut erhaltener Gebrauchtware völlig kaputte Skier, doch sie blieb auf den Kosten sitzen.

Was Sie unbedingt von Online-Verkäufern einfordern sollten, damit Ihnen das nicht passiert, erklärt RTL-Reporter Robert Keckeis im Video.

Gelieferte Ware unbrauchbar – und jetzt?

Was bringt der Käuferschutz von Bezahldiensten wie Paypal, wenn die Ware nicht so ist wie versprochen oder sogar das Falsche geliefert wurde? Viele wiegen sich hier in Sicherheit, doch das System hat seine Grenzen.

Das musste auch Michaela Siebe erfahren: Trotz aller Vorsicht fiel sie auf einen dubiosen Händler herein. Er hatte gut erhaltene Skier für 180 Euro angeboten, doch als diese bei der 56-Jährigen ankommen, ist ihr schnell klar: Diesen hohen Preis hätte sie für die stark beschädigten Exemplare nie bezahlen sollen.

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Achtung: Rücksendekosten werden nicht von Paypal erstattet

Siebe reklamiert die Ware über den Paypal-Käuferschutz. Zunächst verläuft alles nach Plan: "Innerhalb von einer Stunde kam die Antwort, dass man meinen Fall geprüft und zu meinen Gunsten entschieden hat: Der Verkäufer muss die Skier zurücknehmen und ich bekomme den vollen Kaufpreis erstattet", erklärt die Verwaltungsangestellte.

Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Entgegen seinen Angaben in der Anzeige sitzt der Verkäufer gar nicht in Deutschland, sondern in der Slowakei. Würde Siebe die Ware zurückschicken, würde Paypal zwar den Kaufpreis erstatten, nicht aber die Rücksendekosten. Und die liegen in diesem Fall bei Privatversand in die Slowakei bei mindestens 70 Euro.

Das Ziel: Reklamation soll abgebrochen werden

Auch Raimund Gremmer hat sich mit einem ähnlichen Paypal-Problem an RTL-Reporter Robert Keckeis gewandt: "Ich habe in China ein Picknick-Set bestellt und dann eine Uhr bekommen. Nach langem Hin und Her mit dem Verkäufer hätte ich das zurückschicken sollen." Doch das kommt für Gremmer nicht in Frage: Mit rund 50 Euro wäre der Versand unverhältnismäßig teuer. Offenbar eine neue Masche dubioser Anbieter, um Käufer minderwertiger Ware davon abzuhalten, eine Reklamation wirklich durchzuziehen.

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Statement von Paypal: Missbrauch wird nicht geduldet

Laut dem Statement von Paypal gegenüber RTL erhält man mit dem Käuferschutz "eine Art zusätzliches Verbraucherrecht, welches über den vorhandenen gesetzlichen Rahmen hinausgeht. Würde es den Paypal-Käuferschutz nicht geben, müsste sich der Käufer bei Konflikten (...) ausschließlich direkt mit dem Verkäufer auseinandersetzen." Ein Missbrauch der Plattform würde nicht geduldet: "Liegt nachweislich ein Verstoß (...) vor, ergreift Paypal entsprechende Maßnahmen und beendet die Geschäftsbeziehung (...)."

Impressum und Angaben immer gründlich checken

Dass einige Bezahldienstleister wie Paypal ihren Käuferschutz jedoch einschränken und sagen: "Zuerst die Rücksendung, dann das Geld", macht Robert Keckeis zufolge durchaus Sinn. "Denn auch Verkäufer müssen geschützt werden, nicht dass sie am Ende Ware und Geld verlieren. Wenn aber wie in diesem Fall der Verkäufer sehr dubios ist, das Impressum nicht stimmt, er gar nicht in Deutschland sitzt und es auch keine Widerrufsbelehrung gibt – dann finde ich, ist die Rechtslage eigentlich eindeutig und dann sollte auch Paypal etwas genauer hinsehen", erklärt der RTL-Reporter.

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