Dominator in der "Badewanne" Tokios

Nach Gold-Coup fehlen Wellbrock fast die Worte

05. August 2021 - 12:58 Uhr

Er kann es noch gar nicht richtig glauben

Florian Wellbrock hat seine Olympia-Reise vergoldet und ist nach dem Triumph über 10.000 m im Freiwasserschwimmen einfach nur happy. "Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll", sagte er im Siegerinterview. Nach der deutschen Flaute bei den vergangenen Spielen in Rio gab es diesmal einen kleinen Medaillen-Regen für die deutschen Schwimmer. "Es ist schon sehr, sehr cool mit drei Medaillen nach Hause zu fahren", so Wellbrock.

Für die Goldene musste er hart kämpfen. Und das weniger gegen seine Gegner als das fast 30 Grad warme Wasser. Am Anfang sei die Badewannen-Temperatur gar kein Problem gewesen, auf der letzten Runde habe er aber "gekämpft wie ein Löwe", beschrieb er die letzten Meter. "Ich war froh, dass ich im Ziel war." Die Interviews in der Sonne später musste er dann abbrechen. "Es war sehr, sehr hart." Nach den Strapazen in Tokio sehnt sich der Olympiasieger nach der Heimreise. "Ich freue mich sehr auf Zuhause." Warum der 23-Jährige in Deutschland weitertrainiert statt direkt in den Urlaub zu fliegen, sehen Sie oben im Video.

Hier schwimmt Wellbrock zu Gold

Wellbrock ruft schnell bei seiner Verlobten an

Noch bevor sich Florian Wellbrock selbst die historische Goldmedaille für sein "persönliches Sommermärchen" umhängte, rief er schnell in der Heimat an. Mit seiner Verlobten Sarah Köhler und seinen Eltern teilte der erste deutsche Schwimm-Olympiasieger seit 33 Jahren über Facetime seine Freude. "Sie waren ein bisschen baff und wussten nicht, was sie sagen sollten", erzählte der 23-Jährige schmunzelnd, "mit so einem starken Abschluss hatten sie nicht gerechnet."

Wellbrock hatte nicht nur mitten in der Nacht in Bremen die Liebsten erstaunt, sondern auch im warmen Wasser der Bucht von Tokio am frühen Morgen. Denn nach dem Frust über die verpassten Goldchancen im olympischen Pool hatte der Doppel-Weltmeister die versammelte Freiwasser-Weltspitze im Odaiba Marine Park mit einem grandiosen Start-Ziel-Sieg über zehn Kilometer deklassiert.

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Er spielte mit dem Feld

"Er war auf einem anderen Planeten", wunderte sich sein italienischer Rivale Gregorio Paltrinieri, der mit Bronze zufrieden sein musste und ebenso wie der ungarische Silbermedaillengewinner Kristof Rasovszky nicht den Hauch einer Chance besaß. Bei Wassertemperaturen von rund 30 Grad hatte Wellbrock vom Start weg das Tempo bestimmt und "mit dem Feld gespielt, wie er wollte", sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn sichtlich beeindruckt.

Daheim freute sich auch "Albatros" Michael Groß, der 1988 in Seoul das zuvor letzte Gold eines deutschen Schwimmers gewonnen hatte. "Es ist extrem wichtig, dass das deutsche Schwimmen aus dem Tal der Tränen wieder rausgekommen ist", sagte er dem SID.

Über die Zurückhaltung seiner Gegner war der erste deutsche Freiwasser-Olympiasieger der Geschichte selbst überrascht: "Ich bin um die erste Boje rum, habe mich umgeguckt und gedacht: Jungs, wollt ihr heute keinen Wettkampf schwimmen?" Später im ZDF-Studio staunte er: "Es wollte sich keiner mit mir um Gold streiten, das war merkwürdig."

Mit einem Golfcart ließ er sich zur Interviewzone bringen und griff dann schnell zum Handy. Seiner Verlobten Köhler, die nach Bronze über 1.500 m schon am Montag hatte abreisen müssen, konnte er "nicht in die Arme fallen", meinte Wellbrock, "aber das tun wir morgen." Denn gleich am nächsten Tag geht der Flieger in die Heimat. (msc/sid)