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Oben-ohne-Fotos - ohne Brüste: Nach Krebs-Diagnose mit 32 will sie andere aufrütteln!

Oben-ohne, ohne Brüste

Nach Krebs-Diagnose mit 32: Frau krempelt ihr ganzes Leben um und hat eine klare Botschaft

Simone Mölders
Simone Mölders (40) hat eine klare Botschaft: Ich möchte den Frauen zeigen, dass auch ein Körper, der nicht der Norm entspricht, schön und attraktiv sein kann.“
Sarah Skruit

von Madeline Jäger

Kinder, Haushalt, Alltags-Organisation: Simone Mölders lebte mit ihrem Mann ein klassisches Familienleben. Vieles hatte sie noch vor. Doch dann kam mit nur 32 Jahren die Schock-Diagnose: Brustkrebs. Sie fragte sich: „Soll es das schon gewesen sein?“ Nach und nach änderte die Erfahrung ihr komplettes Leben.

Heute arbeitet sie als Tätowiererin, lebt mit einer Frau zusammen und zeigt sich Oben ohne – und das ganz ohne Brüste. RTL hat mit Simone Mölders aus Bottrop gesprochen und eins ist klar: Angst vor Veränderung hat sie nicht. Im Gegenteil! Sie geht couragiert voran.

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Brustkrebs: Simone Mölders bekommt mit nur 32-Jahren Schock-Diagnose

Für Simone Mölders stand immer das Wohlbefinden der anderen an erster Stelle: Wenn gegrillt wurde, stand sie vorher stundenlang in der Küche. Auf Simone konnte man sich verlassen. Als die Mutter von drei Töchtern mit 32 Jahren einen Knoten in der Brust ertastete, ahnte sie noch nicht, dass sich nun alles verändern könnte. Der Arzt bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen. Er diagnostizierte die aggressivste Form von Brustkrebs. Ein halbes Jahr später hätte man womöglich schon nichts mehr für sie tun können, erzählt sie im RTL-Gespräch.

„Das war ein schwerer Schlag für mich. Ich hatte schon Lymphdrüsen-Befall unter den Achseln. Doch ich hatte einen guten Arzt, dem ich sehr vertraut habe. Es kam auf jeden Tag an und er hat schnell gehandelt“, so Mölders. Es beginnt ein langer Kampf gegen den Tumor. Über 18 Wochen hinweg bekommt sie eine Chemo-Therapie, die es in sich hat. Sie muss sich häufig übergeben. Die Medikation ist hoch. „Unter dieser Therapie ist der Tumor geschrumpft. Ein großer Erfolg“, so Mölders.

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Nach Chemo-Therapie erfolgt Brust-Amputation – „Brauchte keine Bedenkzeit“

Im März 2014 konnte sie vorerst die Chemo-Therapie beenden. Gleichzeitig sagte man ihr auch, es sei ungewöhnlich in so jungen Jahren an dieser aggressiven Krebsform zu erkranken. Eine genetische Ursache sei möglich. Also untersuchte ein Genlabor in Köln das Gewebe und berechnete, dass ihre Brustkrebs-Rückfallquote bei über 80 Prozent liege.

„Es war klar, dass man die Brüste entfernen muss, um sicher zu gehen. Ich brauchte keine Bedenkzeit“, schildert die 40-Jährige. Nur ein paar Wochen nach dem Ende der Chemo-Therapie wurde ihr Brust-Gewebe entfernt und Silikon-Implantate eingesetzt.

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Brustkrebs-Patientin bekommt Silikon-Implantate – doch Wunden heilen nicht

Doch Mölders musste weiterhin bestrahlt werden und bekam eine Kapsel-Fibrose. „Es wurde sehr schmerzhaft und unangenehm. Auf dem Bauch liegen war unmöglich. Es fühlte sich an, als würde das Implantat platzen“, schildert Mölders. Lange hielt sie die Schmerzen aus. Bis sie schließlich genug hatte.

Im November 2019 entschied sie sich für die Entfernung der Implantate. Auch die Brutwarzen sollten entfernt werden, um das Rückfall-Risiko weiter zu senken. Doch die Wunden verheilten schlecht. Und mit der Operation war es noch lange nicht gegessen. Es folgten fünf weitere Operationen im März 2020. Wochenlang musste sie teilweise mit offenen Wunden leben. Kompressen mussten gewechselt werden. Kein Sport, eingeschränktes Duschen, die Wunden bestimmten ihren Alltag. „Kurze Zeit später war ich einfach nur froh, dass mein Körper anfängt zu heilen“, beschreibt Mölders.

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Nach Brust-OP: Im Sommerkleid ohne Brüste? „Erstmal vor eigenem Spiegelbild eine Herausforderung“

Und dann kam der erste Sommer. Ein Sommerkleid ohne Brüste? Zunächst undenkbar für die modebewusste Frau. „Am Anfang war es für mich sehr befremdlich. Das war vor dem eigenen Spiegelbild schon eine Herausforderung“, sagt Mölders. Erst einmal habe sie sich nicht wohlgefühlt.

„Mein Idealbild, wie ich mich gerne gesehen hätte, war zerstört. Ich dachte, dass ich so nicht herumlaufen könnte. Doch dann bin ich immer offensiver damit umgegangen und habe die Kleidung getragen, die ich sonst auch getragen hätte“, so Mölders.

Simone Mölders
Simone Mölders zeigt sich gerne in provokanten Posen, um ihre Botschaft zu vermitteln.
Karolina Köster

Auch die Silikon-Einlagen, die von der Krankenkasse zur Verfügung gestellt werden, benutzte sie nicht. Und ihr Umfeld reagierte positiv. Manch einem fiel es nicht einmal auf. Der Wendepunkt sei für sie dann im letzten Jahr bei einem Foto-Event gekommen.

„Das Thema Brustkrebs darf kein Tabu-Thema sein. Auch meine provokativen Oben-ohne-Fotos können dazu beitragen, dass mehr an Vorsorge gedacht wird! Dieser Anblick ist für viele Menschen erst einmal ein Schock. Doch dann wollen die Menschen meine Geschichte erfahren“, so Mölders.

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Ihre Erfahrung ist gefragt: Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorge?

Oben-ohne-Fotos: „Möchte Frauen zeigen, dass auch ein Körper, der nicht der Norm entspricht, attraktiv sein kann“

Von Frauen habe sie bisher in erster Linie immer nur positive Rückmeldungen für die Fotos bekommen und die klare Haltung, die sie verkörpern. Nur Männer hätten auf Social-Media zum Teil mit Unverständnis reagiert und behauptet, dass „das nicht in die Öffentlichkeit gehört“, wundert sich Mölders.

„Ich möchte den Frauen zeigen, dass auch ein Körper, der nicht der Norm entspricht, schön und attraktiv sein kann“, sagt Mölders. Ihre Botschaft richtet sich an Brustkrebs-Überlebende, aber auch an alle anderen Frauen.

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Simone Mölders krempelt ihr Leben um und kämpft weiter für ein besseres Frauenbild

„Man sollte es der Gesellschaft nicht bequem machen. Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt es allen Recht zu machen und glauben, dass die Gesellschaft Frauen ohne Brüste nicht sehen will“, sagt Mölders. „Sollen manche nur geschockt sein. Hauptsache, irgendwer wird wach und lässt sich untersuchen“, appelliert die 40-Jährige.