Nach Blasensprung in der 20. Schwangerschaftswoche

Nur ein Prozent Überlebenschance! Ann sollte abtreiben - heute ist Baby Chester 9 Monate alt

Baby Chester aus Cardiff in England hat nur eine Überlebenschance von einem Prozent.
Baby Chester aus Cardiff in England hat nur eine Überlebenschance von einem Prozent.
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29. September 2021 - 9:52 Uhr

Hiobsbotschaft in der 20. Schwangerschaftswoche

Ann Rices Schwangerschaft fühlt sich ganz normal an – bis in der 20. Schwangerschaftswoche, im 5. Monat, ihre Fluchtblase platzt. Die Ärzte raten ihr, ihren ungeborenen Sohn abzutreiben. Zu groß sei die Gefahr, dass sie eine Sepsis (Blutvergiftung) erleide. Ann und ihr Mann stehen vor einer schweren Entscheidung: das Baby bekommen und damit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen? Oder abtreiben und sich von dem kleinen Jungen verabschieden?

Eine schwere Entscheidung

Chester wird in der 30. Schwangerschaftswoche geboren
Chester wird in der 30. Schwangerschaftswoche geboren
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Für Ann ist klar: Sie versucht alles, um ihr Baby zu behalten – auch gegen den ärztlichen Rat. Denn die Ärzte drängen Ann dazu, die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt zu beenden. In der 20. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung zu haben, das geht in den meisten Fällen nicht gut aus fürs Baby. Und bedeutet auch für die Mutter ein enormes Risiko.

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Die Ärzte geben Chester eine Überlebenschance von nur einem Prozent!

Ann schluckt Antibiotika und verordnet sich selbst strikte Bettruhe. Gar nicht so einfach als zweifache Mutter. "Ich habe zehn Wochen gewartet und versucht, so viel wie möglich Bettruhe zu halten, während ich mich gleichzeitig um ein weiteres acht Monate altes Baby kümmerte", erzählt sie Metro News.

Denn Ann hat noch zwei weitere Kinder: den siebenjährigen Connor und die 19 Monate alte Riley. Aber irgendwie schafft sie es. Bis zur 30. Schwangerschaftswoche.

Chester kommt viel zu früh

Chesters erster Strampler ist gerade mal so groß wie eine Softdrink Flasche
Chesters erster Strampler ist gerade mal so groß wie eine Softdrink-Flasche.
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Nur zehn Wochen nach dem Blasensprung kommt der kleine Chester auf die Welt. Einen Tag vor Weihnachten, per Notkaiserschnitt. Er wiegt bei seiner Geburt nur rund 800 Gramm! Weniger als eine Packung Milch.

Lesetipp: so geht es dem frühesten Frühchen der Welt heute

Aber er hat die 24-Wochen-Marke deutlich überschritten. Ein entscheidender Punkt, erklärt Mama Ann: "Wenn er früher geboren worden wäre, hätten die Ärzte nicht eingegriffen, um sein Leben zu retten, wenn es nötig gewesen wäre."

Nach seiner Geburt allerdings müssen die Ärzte eingreifen. Es geht Chester nicht gut, 113 Tage verbringt das Frühchen auf der Neugeborenenintensivstation. Vier mal hat er eine Sepsis (Blutvergiftung), braucht sogar eine Bluttransfusion, hätte beinahe eine Darmoperation benötigt. Im April, vier Monate nach seiner Geburt, darf er endlich nach Hause.

Doch da hört die Achterbahnfahrt nicht auf. Wegen einer Bronchitis muss er erneut ins Krankenhaus. Für Mama Ann ist das der absolute Horror, wie sie Metro News erzählt. "Er war vier Tage lang in einem kritischen Zustand. Es fühlte sich die ganze Zeit an wie ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück."

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Heute entwickelt sich Chester gut, er ist jetzt 9 Monate alt
Heute entwickelt sich Chester gut, er ist jetzt 9 Monate alt
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Heute geht es Chester gut. Er braucht immer noch Sauerstoff, aber er ist zuhause und wächst und gedeiht.

"Wenn ich ihm jetzt den Sauerstoff weg nehmen würde, würde es ihm gut gehen, er würde nicht sofort nach Luft schnappen. Es würde eine gewisse Zeit dauern, bis er anfangen würde, sich zu wehren, und dann würde er seine Energie zum Atmen verwenden, anstatt zu wachsen", erzählt sie Metro News.

Deswegen bleibt der Sauerstoff noch so lange, bis Chester noch ein bisschen gewachsen ist. Er wiegt jetzt mit neun Monaten rund 7,4 Kilogramm. Das ist zwar schon ordentlich, aber trotzdem noch deutlich weniger als gesunde gleichaltrige Babys.

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Aber Chester hat es geschafft. Und das nur, weil seine Mama Ann sich geweigert hat, ihn frühzeitig aufzugeben.

"Er fängt gerade erst an, eine Persönlichkeit zu entwickeln, und er lächelt immer, selbst nach allem, was er durchgemacht hat", erzählt die stolze Mutter. "Er ist glücklich, es geht ihm gut, und er ist ein hübscher kleiner Junge. Aber wenn ich mich an das gehalten hätte, was die Ärzte mir gesagt hatten, hätte ich ihn abgetrieben und all das verpasst", sagt sie weiter. (cga)