Gynäkologe klärt auf

Blasensprung: Worauf Sie achten sollten - und wann Sie zum Arzt müssen

Tanja Szewczenko hatte einen Blasensprung in der 34. Schwangerschaftswoche.
Tanja Szewczenko hatte einen Blasensprung in der 34. Schwangerschaftswoche.
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28. April 2021 - 15:03 Uhr

Krankenhaus! Ex-AWZ-Star Tanja Szewczenko ist die Fruchtblase geplatzt

Ein Schock für die in der 34. Schwangerschaftswoche mit Zwillingen schwangere Tanja Szewczenko: "Ohne Vorwarnung" ist bei ihr am Samstagnachmittag (24. April) eine der Fruchtblasen geplatzt. Dabei sei auch eine erste Wehentätigkeit losgegangen, wie die 43-Jährige auf Instagram berichtet. Doch mit Hilfe von Wehenhemmern schafften es die Ärzte, die Geburt noch aufzuhalten. Jetzt werden Tanja und die beiden Jungs in ihrem Bauch im Krankenhaus überwacht. Ein solch vorzeitiger Blasensprung kann nicht nur bei Mehrlingsschwangerschaften, sondern auch bei Schwangerschaften mit nur einem Baby auftreten. Gynäkologe Markos Botsaris erklärt, worauf schwangere Frauen achten – und wann sie einen Arzt aufsuchen sollten.

Was passiert beim Blasensprung?

Geht eine Geburt wie aus dem Lehrbuch vonstatten, dann setzt der rechtzeitige Blasensprung in der Eröffnungsphase einer Geburt bei vollständig geöffnetem Muttermund ein. Dabei platzt die Fruchtblase auf und das Fruchtwasser geht in größeren Mengen oder auch durchgehend tröpfchenweise ab.

Wenn Sie die Vermutung haben, dass es sich bei abgehender Flüssigkeit um Fruchtwasser und nicht um Urin oder Schleim handelt, dann kontaktieren Sie einen Arzt oder lassen Sie sich von Ihrem Partner ins Krankenhaus fahren, um den eventuellen Blasensprung abzuklären. Ist die Fruchtblase nämlich einmal geplatzt, steigt die Infektionsgefahr, da sich in der warmen Flüssigkeit schnell Bakterien ausbreiten können. Häufig leiten Ärzte spätestens 24 Stunden nach Blasensprung die Geburt ein, um so Infektionen des Kindes zu vermeiden.

Lese-Tipp: Seltene Geburt: Baby wird in der Fruchtblase geboren

Frühzeitiger vs. vorzeitiger Blasensprung

Es kann passieren, dass die Fruchtblase zu früh platzt. Hier sprechen Hebammen und Ärzte vom frühzeitigen oder vom vorzeitigen Blasensprung.

Frühzeitiger Blasensprung

Die Fruchtblase platzt zu Beginn der Eröffnungsphase noch bevor der Muttermund vollständig geöffnet ist. Die Wehen sind zu dem Zeitpunkt schon eingetreten.

Vorzeitiger Blasensprung

Platzt die Fruchtblase noch bevor die Eröffnungsphase begonnen hat, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung.

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Gründe für einen vorzeitigen Blasensprung

"Ein vorzeitiger Blasensprung ist am häufigsten bedingt durch eine Infektion in der Scheide", sagt Gynäkologe Markos Botsaris im Gespräch mit RTL. "Bakterien steigen zur Fruchtblase und dann kommt es zum vorzeitigen Blasensprung." Weitere Gründe dafür, dass die Blase vorzeitig platzt, sind unter anderem:

Dass Schwangere einen vorzeitigen Blasensprung durch eigenes Fehlverhalten auslösen, sei sehr unwahrscheinlich, erklärt uns Botsaris weiter.

Wann ist ein vorzeitiger Blasensprung gefährlich?

Je nachdem wie früh ein vorzeitiger Blasensprung stattfindet, kann er mitunter gefährlich für das Baby werden. Dabei gebe es zwei vorherrschende Problematiken, erklärt uns Markos Botsaris: Zum einen sei das Kind nicht mehr vor Infektionen geschützt, zum anderen setzen häufig kurz darauf Wehen ein. "Deshalb hängt es davon ab: Tritt ein Blasensprung sehr früh auf, bevor ein Kind lebensfähig ist, dann ist er natürlich hochbedrohlich", sagt der Gynäkologe.

Vor der 24. SSW

"Lebensfähigkeit erreichen die Ungeborenen ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche", so Botsaris. "Sollte ein Blasensprung deutlich vorher auftreten, ist das meistens nicht mit einem Überleben der Kinder zu vereinen." Die Lunge des Babys ist bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr unterentwickelt und die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt ist hoch.

Ab der 24. SSW

Bei einem Blasensprung zwischen der 24. und 32. SSW versuchen die meisten Ärzte so lange wie möglich abzuwarten, damit die Lunge des Kindes noch vollständig reift. Dabei wird der Zustand des Kindes regelmäßig mit Ultraschall und CTG kontrolliert. Damit keine Infektionen entstehen, wird der Mutter ein Antibiotikum verabreicht.

Ab der 32. SSW

Etwa ab der 32. SSW kann der Arzt im Einzelfall individuell entscheiden, ob eine weitere Verlängerung der Schwangerschaft nötig ist oder ob das Kind bereits weit genug entwickelt ist, um auf die Welt geholt zu werden. "Bei Zwillingen geht man oft davon aus, dass sie zarter entwickelt sind als ein Einling", sagt Botsaris. Mit Hilfe des Ultraschalls könne man zum Beispiel das Gewicht der Kinder abschätzen und darauf basierend einschätzen, ob eine Prolongation auch in einer höheren Schwangerschaftswoche ratsam sei.

Ab 37. SSW

Tritt der Blasensprung nach vollendeter 36. SSW auf, leiten die Ärzte die Geburt ein, wenn die Wehen acht Stunden nach dem Fruchtwasserabgang noch auf sich warten lassen.

Welche Symptome gibt es und wann sollte ich zum Arzt?

"Eine Schwangere sollte immer, wenn sie den Verdacht hat, dass Fruchtwasser abgeht, sofort zu ihrem Frauenarzt gehen - am Wochenende auch in ein Krankenhaus", betont der Gynäkologe. Es gebe Blasensprünge, bei denen sehr viel Fruchtwasser abgeht. "Das merken die Frauen dann sofort." Manchmal gehe das Fruchtwasser bei einem Blasensprung auch nur tröpfchenweise ab. "Sobald eine Schwangere sich unsicher ist – ist es ein Blasensprung: ja oder nein? – sollte sie es auf jeden Fall sofort kontrollieren lassen."

Wie wird ein vorzeitiger Blasensprung behandelt?

"In den frühen Wochen ist es das Hauptziel, die Schwangerschaft zu verlängern, bis wir sagen: Jetzt ist das Kind ausreichend entwickelt, die Lunge funktioniert ausreichend gut", erklärt Botsaris. Um die Schwangerschaft zu prolongieren, spritze man den Müttern ein Lungenreifepräparat. "Das sorgt dafür, dass die fetale Lunge heranreift und besser funktioniert, wenn das Kind vorzeitig auf die Welt kommt."

Zudem sei wichtig, eine Infektion zu vermeiden. Deshalb wird der Mutter ein Antibiotikum gegeben. "Und wenn Wehen auftreten, versucht man, die Wehen zu hemmen", so der Gynäkologe weiter. So könne man die Geburt um Tage oder sogar um Wochen herauszögern. "Jeder Tag in der Gebärmutter zählt, solange es dem Kind gut geht."

Hat jede schwangere Frau einen Blasensprung?

Nein, nicht jede Frau hat einen natürlichen Blasensprung. Manchmal müssen Ärzte oder Hebammen auch nachhelfen. Gründe dafür können sein:

  • Geburt geht nicht voran
  • Fruchtblase ist stark gewölbt, sodass der Pressdrang zu früh einsetzt

Um die Blase zu "sprengen", wie es im Fachjargon heißt, wird ein Fingerhandschuh mit kleinem Häkchen vorne verwendet. Der Piks in die Fruchtblase tut nicht weh, allerdings setzen danach die Wehen verstärkt ein.