Studie zu Spike-Proteinen zeigt, dass Covid-19 eigentlich eine Gefäßerkrankung ist

Schädigende Stacheln des Coronavirus: Sind die Impfproteine auch eine Gefahr?

Neue Forschungen zeigen: Das Spike-Protein des Coronavirus ist auch ohne Virus gefäßschädigend. Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, erklärt, was das nun für Therapie und Impfung bedeutet.
Neue Forschungen zeigen: Das Spike-Protein des Coronavirus ist auch ohne Virus gefäßschädigend. Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, erklärt, was das nun für Therapie und Impfung bedeutet.
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05. Mai 2021 - 20:59 Uhr

Spike-Protein auch ohne Virus gefäßschädigend

Von den "Stacheln" des Coronavirus, den sogenannten Spike-Proteinen, ist vor allem dann die Rede, wenn es um die Ansteckungsgefahr geht. Forscher aus den USA und China zeigten nun zum ersten Mal, dass Sars-CoV-2 das Gefäßsystem bereits schädigt, wenn Zellen lediglich dem Spike-Protein ausgesetzt sind. Das heißt: Auch ohne Vervielfältigungsfähigkeiten hat es eine stark schädigende Wirkung. Aus der Sicht der Studien-Autoren ist Covid-19 deshalb eigentlich eine Gefäßerkrankung. Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, erklärt, was das nun für Therapie und Impfung bedeutet.

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Was ist das Bahnbrechende an dieser Studie?

Bisher ging man davon aus, dass die Gefäßschäden bei einer Covid-19-Erkrankung hauptsächlich durch eine überschießende Immunreaktion des Körpers verursacht wird: Eigene Körperzellen greifen die Gefäße an. "Das sahen wir bei dem postinfektiösen System (PIMS) bei den Kindern", erklärt Dr. Zinn gegenüber RTL. "Aber jetzt wurde nachgewiesen, dass ein spezielles Enzym, das wichtig ist für das Andocken des Virus, das sogenannte ACE2, dazu führt, dass das Virus direkt an Gefäßzellen andockt, das Enzym blockiert, und dass die Zellen, die vor allem Gefäßzellen sind, dann geschädigt werden oder zerstört werden."

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Goldstandard ist und bleibt die Impfung

Können diese Erkenntnisse jetzt helfen, die Therapie für Covid-19-Patienten anzupassen? "Unsere bisherige Goldstandard-Therapie ist, das Virus am Andocken zu hindern", erklärt der Hygieniker und Kinderarzt. "Das machen wir einerseits im Rachen, aber andererseits, weil wir es jetzt auch wissenschaftlich nachgewiesen haben, an den Gefäßzellen, und da ist natürlich die beste und einfachste Methode, die Spike-Proteine, die an dem Enzym andocken, tatsächlich mit Anti-Körpern, die wir bei einer Impfung induzieren, zu blockieren."

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Sind denn dann Menschen mit bereits bestehenden Gefäßerkrankungen viel stärker gefährdet als angenommen? "Gott sei Dank nicht", beruhigt der Experte. "Wir haben da kein zusätzliches Risiko. Natürlich werden Menschen, die schon Gefäßschäden haben, noch zusätzlich durch eine Infektion Gefäßschädigungen erleiden."

Schädigen die Proteine des Impfstoffs dem Körper?

Die Impfung nutzt das Spike-Protein als Impfantigen, um dem Körper das Coronavirus "beizubringen". Schaden die Proteine des Impfstoffs dann dem Körper? "Wir sprechen die ganze Zeit von den Stacheln des Coronavirus, die diese ACE2-Enzyme andocken", erklärt Dr. Zinn. "Aber natürlich hängt an diesen Spike-Proteinen immer noch ein Virus, der eben zusammen mit den Spike-Proteinen die Zellschädigung verursacht. Bei der Impfung haben wir aber Gott sei Dank nur die Stacheln, die auf dem Virus sind – die Spike-Proteine alleine machen eigentlich nicht das große Problem."

Proteine verteilen sich lokal in der Einstichstelle

Wie lange verbleiben die Spike-Proteine nach der Impfung im Körper? Und wie verteilen sie sich darin? "Das sind wenige Stunden bis Tage, bis diese Spike-Proteine abgebaut werden", sagt Zinn. "Das geht also relativ schnell, das führt auch relativ schnell zu einer Anti-Körper-Bildung – länger muss das auch gar nicht sein." Die Proteine würden sich relativ lokal in der Einstichstelle verteilen. Manchmal gebe es noch einen Transport in die angrenzenden Lymphknoten. "Das merkt man dann nach der Impfung an den Schwellungen, die ein bisschen weh tun." Aber: Dass die im gesamten Körper streuen, ist nicht vorgesehen. Und das sei auch nicht notwendig, um eine Antikörper-Antwort herbeizuführen, so der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia.

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