Bis zu 100 Kinder pro Woche

Britische Kinder mit seltener Post-Covid-Krankheit ins Krankenhaus eingeliefert

 Daughter wearing protective mask and holding hand of her mother model released Symbolfoto EGAF00272
Mittlerweile steht die seltene Krankheit PIMS im Verdacht, eine Folgeerkrankung von Corona zu sein, die ausschließlich Kinder trifft.
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Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrom

Wie häufig sich Kinder infizieren und wie ansteckend sie dann sind, ist seit Beginn der Corona-Pandemie umstritten. Kinder zeigen in den meisten Fällen deutlich harmlosere Krankheitsanzeichen als Erwachsene. Verstärkt auftretende Fälle des sogenannten Paediatric Inflammatory Multisystem Syndroms (PIMS) legen den Verdacht nahe, dass auch Kinder Corona-Folgeerkrankungen bekommen können.

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Fieber, Hausausschlag und Bauchschmerzen

Bis zu 100 Kinder pro Woche werden mit dieser seltenen Krankheit in britische Krankenhäuser eingeliefert, wie jetzt die Zeitung TheGuardian berichtet. Bereits im Mai 2020 wurden bis dahin 230 Fälle aus verschiedenen Ländern gemeldet.

Als PIMS in der ersten Welle der Pandemie auftauchte, verursachte es Verwirrung unter Ärzten, und schlug Alarm bei den Eltern. Betroffene Kinder bekamen Bauchschmerzen, Krampfanfälle oder Hautausschläge. Die Symptome ließen sie schwer erkranken und erinnerten an das seltene Kawasaki-Syndrom. Beim Kawasaki-Syndrom handelt es sich um eine akut auftretende systemische Erkrankung im Säuglings- und Kleinkindesalter. Sie definiert sich durch fieberhafte Begleiterscheinungen und Entzündungen der Gefäße. Zudem sind - in vielen Fällen - diverse Organe entzündet. Schon damals ging der britische Gesundheitsminister von einem Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung aus. "Es ist eine Krankheit, von der wir glauben, dass sie durch das Coronavirus und Covid-19 verursacht wird, aber hundertprozentig sicher ist das nicht, weil einige der Menschen, die sie bekommen haben, nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurden", zitiert FoxNews den britischen Gesundheitsminister Matt Hancock.

Schwarze und asiatische Kinder häufiger betroffen

Mit der zweiten Corona-Welle sind es noch mehr Kinder, die mit schweren Krankheitssymptomen im Krankenhaus behandelt werden. Die Fälle sind vielerorts aufgetaucht, aber die meisten in London und Südostengland, in denen die neue Kent-Variante des Coronavirus einen starken Anstieg der Infektionen vorangetrieben hat.

Dr. Hermione Lyall, Expertin für Infektionskrankheiten bei Kindern und klinische Direktorin für Kinderdienste am Imperial College Healthcare NHS Trust in London, gab auf einem Ärzte-Kongress bekannt, das 47 Prozent der Kinder afro-karibischen Ursprungs und 28% asiatischer Herkunft waren. Dr. Liz Whittaker, die PIMS-Sprecherin des Royal College of Paediatrics and Child Health, sagt: "Wir forschen, um zu verstehen, warum gerade diese Bevölkerung betroffen ist. Genetik könnte dabei eine Rolle spielen.“ Lyalls Forschungen zeigen auch, dass 78% der Patienten keine Grunderkrankungen hatten. Das Durchschnittsalter der Kinder, die PIMS bekommen, liegt bei acht bis 14 Jahren. Zwei Drittel davon waren Jungs, von denen nur 22 Prozent vorher an Corona erkrankt waren. Jeder Vierte entwickelte eine Herzerkrankung.

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Müssen sich Eltern jetzt Sorgen machen?

In Panik müssen Eltern jetzt deswegen aber nicht verfallen. Die Krankheit bleibt selten und kann mit Immunglobuline behandelt werden. Bei Verdacht auf PIMS (hohes Fieber, Bauchschmerzen, Ausschläge) sollten Kinder unbedingt zur Kinderärztin, zum Kinderarzt oder in eine Notfallstation gebracht werden.