Symptome von PIMS ähneln dem Kawasaki-Syndrom

Zusammenhang mit Covid-19? Mysteriöse Kinderkrankheit jetzt auch in Deutschland

Eine bisher unbekannte Kinderkrankheit greift um sich. Gibt es einen Zusammenhang mit Corona?
© iStockphoto, GUSK ehf. (Symbolbild)

30. Mai 2020 - 10:23 Uhr

Einige betroffene Kinder positiv auf Coronavirus getestet

Bei Kindern verläuft die Lungenerkrankung Covid-19 nur in seltenen Fällen schwer - im Gegensatz zu einer mysteriösen Entzündungserkrankung, von der Ärzte europaweit berichtet hatten. Über 230 Fälle gab es bis Mitte Mai in verschiedenen Ländern. Jetzt ist das sogenannte Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) auch in Deutschland angekommen. Vier Kinder werden bisher im Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover behandelt, auch in Dresden und München soll es Fälle geben. Einige der jungen Patienten waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Besteht also ein Zusammenhang zwischen der mysteriösen Krankheit und dem Virus?

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Bisher waren Fälle aus Großbritannien, Italien, Spanien und den USA bekannt

Bei allen vier Kindern in Hannover wurden Antikörper gegen Sars-CoV-2 gefunden. Zuvor seien die Kinder jedoch nicht positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden, wie der "Tagesspiegel" schreibt. Laut der Pressestelle des Kinderkrankenhauses seien die Patienten zwischen drei Monate und 13 Jahre alt und hätten allesamt lang anhaltendes hohes Fieber gehabt. Weite Symptome seien Bindehautentzündungen, Hautausschlag, Lungenentzündungen und Magen-Darm-Entzündungen gewesen. Die vier deutschen Fälle hätten jedoch einen unkomplizierten Verlauf gehabt und seien alle bereits wieder zu Hause.

Bereits Anfang Mai berichtete die "Daily Mail" von Fällen in Großbritannien, bei denen Kinder Bauchschmerzen, Krampfanfälle oder Hautausschläge gezeigt hätten. Ähnlich eigenartige Fälle schwer erkrankter Kinder gab es auch in Frankreich, Italien, Spanien und New York - allesamt Corona-Hotspots. Eine kleine Anzahl schwer erkrankter Kinder musste auf der Intensivstation behandelt werden. Und einige von ihnen seien positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, wie BBC unter Berufung auf die Mitteilung des Nationalen Gesundheitsdienstes des Landes (NHS) berichtete. Die Ärzte wissen bisher nicht, ob es sich um Symptome handelt, die in Verbindung mit Covid-19 steht, oder um eine bisher völlig unbekannte Erkrankung.

Symptome ähneln Kawasaki-Syndrom und toxischem Schock

Betroffene Kinder bekommen Bauchschmerzen, Krampfanfälle oder Hautausschläge. Die Symptome lassen sie schwer erkranken und erinnern an das seltene Kawasaki-Syndrom. Beim Kawasaki-Syndrom handelt es sich um eine akut auftretende systemische Erkrankung im Säuglings- und Kleinkindesalter. Sie definiert sich durch fieberhafte Begleiterscheinungen und Entzündungen der Gefäße. Zudem sind - in vielen Fällen - diverse Organe entzündet.

Andere Kinder, die intensivmedizinisch in Großbritannien behandelt werden mussten, hatten Symptome wie bei einem toxischen Schock, der normalerweise durch die Infektion mit bestimmten Bakterien hervorgerufen wird.

Britischer Gesundheitsminister geht von Zusammenhang zu Covid-19 aus

"Es ist eine Krankheit, von der wir glauben, dass sie durch das Coronavirus und Covid-19 verursacht wird, aber hundertprozentig sicher ist das nicht, weil einige der Menschen, die sie bekommen haben, nicht positiv getestet wurden", zitiert FoxNews den britischen Gesundheitsminister Matt Hancock. Einige der verstorbenen Kinder hätten keine Grunderkrankungen gehabt, sagte Hancock. Es sei aber etwas, worüber sie sich Sorgen machten.

Noch ist allerdings ungeklärt, ob das Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) mit dem Coronavirus in Verbindung steht. Ein Zusammenhang scheine plausibel, hieß es in einer ECDC-Mitteilung vom 15. Mai. Es handle sich aber um eine seltene Erkrankung, "deren potenzielle Verbindung zu Covid-19 weder nachgewiesen, noch gut verstanden wird". In Großbritannien und Frankreich hatte es je einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Syndrom gegeben. Das Erkrankungsrisiko für Kinder sei in der EU und Großbritannien für beide Krankheiten gering, so die ECDC.

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