Bekannte des Fußballers bei "stern TV"

Nach Kinderporno-Prozess: Chatpartnerin von Christoph Metzelder spricht

Der ehemalige Nationalspieler räumte die Weiterleitung von 18 kinder- und jugendpornografischen Dateien ein. Nun spricht seine Chatpartnerin.
Der ehemalige Nationalspieler räumte die Weiterleitung von 18 kinder- und jugendpornografischen Dateien ein. Nun spricht seine Chatpartnerin.
© RTL

14. Mai 2021 - 9:40 Uhr

Sie lernte Metzelder über Instagram kennen

Sie bekam von Christoph Metzelder kinder- und jugendpornografische Dateien geschickt: Bei "stern TV" sprach die Frau, die den Ex-Fußballprofi vor Gericht gebracht hat. Sie möchte unerkannt bleiben und wird von der Redaktion darum Marie B. genannt. Die Bilder, die sie von ihrem Bekannten bekommen hat, verfolgen sie bis heute.

"Ich habe mir geschworen, dass er nur über meine Leiche damit durchkommen wird."

Marie B.: Wusste nicht, was ich tun soll

Marie B. sagt, sie habe Metzelder über Instagram kennengelernt. Die beiden schreiben hin und her, treffen sich und flirten miteinander. Sie fühlt sich geehrt, dass ein so erfolgreicher und bekannter Mann ihr schreibt: "Ich hab' ihn als einen vorbildlichen Mann kennengelernt. Ich hab ihn sehr geschätzt", sagt Marie B. da noch.

Nach ihrem zweiten Treffen sollen die beiden angefangen haben, im Chat über sexuelle Tabus zu schreiben. Besser gesagt, soll Metzelder gesagt haben, es gäbe für ihn keine Tabus. Die Chat-Verläufe, die Marie B. präsentiert, sind besorgniserregend. Sie zeigen, wie Metzelder mehrmals sexuelle Fantasien mit jungen Mädchen und Jungen, generell Teenagern und Kindern, angesprochen haben soll. Marie B. ging auf diese Fantasien ein. Sie habe austesten wollen, ob er das auch wirklich ernst meine. Danach soll er ihr Bilder geschickt haben, auf denen sexuelle Gewalt gegen Kinder unter zehn Jahren abgebildet war. "Das war für mich das Grauenhafteste, was es gibt", so Marie B.

Einen Tag später wendet sich Marie B. nach eigenen Angaben an ihre Schwester und erzählt ihr davon. Die 42-Jährige weiß nicht, was sie tun soll. Ihre Schwester wiederum habe mit einer Sprachnachricht einen Polizisten im Bekanntenkreis kontaktiert und nach Hilfe gefragt. Marie B. weiht in den weiteren Tagen noch mehr Menschen ein: "Ich stand total unter Schock. Ich hatte Angst, dass das Material verschwindet. Ich hab' nicht der Polizei vertraut." Nach weiteren Ratschlägen geht Marie B. zum Landeskriminalamt in Hamburg, übergibt die Chats und macht eine Aussage.

Verfahren gegen Marie B. eingestellt

Eine Woche nach der Verurteilung von Christoph Metzelder hat das Amtsgericht Hamburg ein Verfahren gegen seine Chat-Partnerin Marie B. eingestellt. Die 42-Jährige muss nach Angaben eines Gerichtssprechers eine Geldauflage von 500 Euro zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte der Hamburgerin vorgeworfen, sie habe im Sommer 2019 in einer Chat-Kommunikation kinderpornografische Bilder positiv kommentiert und sich durch Äußerungen, die mutmaßlich ein entsprechendes Interesse ausdrückten, um den Erhalt solcher Bilder bemüht. Genau die Bilder, die sie von dem ehemaligen Fußball Nationalspieler zugeschickt bekommen hat. Marie B. hatte die Einstellung des Strafverfahrens gegen eine Geldauflage zunächst abgelehnt. Daraufhin hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl beantragt, worüber das Amtsgericht nach Angaben des Sprechers zu entscheiden hatte.

Die Beschuldigte habe dabei über ihren Verteidiger die Tat eingeräumt und bedauert, das erhaltene Bildmaterial nicht schneller an die Polizei weitergeleitet zu haben. Ihr Anwalt Leon Kruse kritisierte das Verfahren der Polizei: "Ich halte das für ein total fatales Signal, dass überhaupt gegen meine Mandantin ermittelt worden ist. Meine Mandantin hat die Informationen, die sie hatte, an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Und nur aufgrund dieser Informationen konnte überhaupt ein Durchsuchungsdurchschluss ergehen. Und nur aufgrund dieser Informationen war es dann möglich, diese Straftaten aufzuklären."

Die Hamburger Polizei hatte nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft im Sommer 2019 einen Hinweis eines Dritten bekommen, wonach eine Frau kinderpornografische Dateien von Metzelder zugeschickt bekommen habe. Die Ermittler hatten die 42-Jährige daraufhin kontaktiert und als Zeugin befragt.

Alle Fakten zum Prozess gegen Christoph Metzelder lesen Sie hier.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:
Christoph Metzelder
Das Urteil gegen Christoph Metzelder ist nach Angaben des Gerichts inzwischen rechtskräftig.
© imago images/Michael Gstettenbauer, Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Christoph Metzelder rechtskräftig verurteilt

Metzelder hat in dem Prozess vor dem Amtsgericht Düsseldorf gestanden, kinder- und jugendpornografische Dateien besessen und an drei Frauen weitergeleitet zu haben. Der 40-Jährige wurde am 6. Mai zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Urteil ist nach Angaben des Gerichts inzwischen rechtskräftig. Der 40-Jährige habe zudem auf die Rückgabe seines Handys verzichtet, das als Beweismittel sichergestellt worden war. Metzelders Anwalt Ulrich Sommer, der RTL vor dem Prozess ein exklusives Interview gegeben hatte, hatte nach dem Urteil zunächst offen gelassen, ob sein Mandant das Urteil annehme.

dpa / SBL /JGR

Auch interessant