Weil die versprochenen Hilfen nicht ankommen

Stimmung kippt: Wut nach der Flut im Ahrtal

17. September 2021 - 9:55 Uhr

"Von Vater Staat fühlen wir uns alle sehr im Stich gelassen"

Zwei Monate nach der verheerenden Flutkatastrophe mit 133 Toten im Westen Deutschlands ist die Lage vielerorts weiter angespannt. 14.000 Familien und Einzelpersonen im Kreis Ahrweiler haben alles verloren. 40.000 Menschen sitzen auf Schäden, die sie nicht bezahlen können. Bund und Länder haben großzügig finanzielle Hilfe versprochen. Das Problem: Sie kommt einfach nicht. Was Betroffene sagen – in unserem Video!

Umgeben von Trümmern, Dreck und Staub - Familie sorgt sich um Baby Elias

Familie
Familie Himmes macht sich Sorgen um Baby Elias.

Einer von ihnen ist Rainer Himmes aus dem Dörfchen Schuld in Rheinland-Pfalz. Er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Seit zwei Jahren hatte er wegen Corona keine Einnahmen mehr, dann kam die Flut. "Von Vater Staat fühlen wir uns alle sehr im Stich gelassen", sagt er desillusioniert.

Jetzt versucht er, sein schwer beschädigtes Haus zu reparieren. Allein, denn Handwerker sind im Moment kaum zu bekommen. Seine Familie macht sich große Sorgen um ihr Baby Elias. Der Kleine kam vor 14 Tagen zur Welt und ist umgeben von Trümmern, Dreck und Staub. Die Räume sind noch feucht und in den Nächten wird es jetzt schon kalt. Es fehlt auch an Material – Himmes bräuchte dringend weitere Trocknungsgeräte für seine feuchten Räume, doch sie sind einfach nicht zu bekommen.

Überall fehlt Geld für Renovierungen oder Neuanschaffungen

Die Stimmung im Landkreis Ahrweiler kippt, das ist deutlich zu spüren. Viele Menschen berichten von ähnlichen Problemen. Weil keine Hilfen ankommen, fehlt das Geld für Renovierungen oder Neuanschaffungen.

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet. Für den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete hatten Bund und Länder angekündigt, in den nächsten Jahren 30 Milliarden Euro bereitstellen zu wollen. (uvo)