Selfie mit Alexander Schäfer durchkreuzt Karrierepläne

Nach Foto mit "Prince Charming": Henry (21) darf kein Priester werden

Henry Frömmichen machte ein Selfie mit 'Prince Charming' Alexander Schäfer.
Henry Frömmichen machte ein Selfie mit 'Prince Charming' Alexander Schäfer.
© instagram//__itsmehenry__

26. April 2021 - 14:18 Uhr

Erzbistum München schmeißt Priesterseminarist raus

Als Henry Frömmichen in München zufällig "Prince Charming" begegnet, ist die Welt für ihn noch in Ordnung: Der junge Priesterseminarist macht ein Selfie mit Alexander Schäfer, der in der Gay-Dating-Show nach der großen Liebe sucht, und postet das Bild auf Instagram. Kurz darauf der Schock: Frömmichen wird aus dem Münchner Priesterseminar rausgeschmissen, darf kein Priester werden: Die Begründung: Sein Umgang mit sozialen Medien lasse zu wünschen übrig. Der 21-Jährige behält zunächst alles für sich. Doch als der Vatikan im März erneut verkündet, dass es keine Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare geben wird, bricht er auf Instagram sein Schweigen.

Frömmichen will nicht aus Kirche austreten

In acht Minuten und 45 Sekunden redet sich Frömmichen im März seinen Frust von der Seele. Das Münchner Priesterseminar habe ihm nach dem Foto im November vorgeworfen, sich mit Homosexualität zu solidarisieren und dies auch zu propagandieren. "Somit bin ich als Priesterseminarist der Erzdiözese in München und Freising nicht mehr tragbar", sagt Frömmichen betrübt. Seine Homosexualität sei kein Geheimnis gewesen. "So lange man das nicht nach Außen trägt, ist das alles vollkommen in Ordnung in der Kirche", so der geschasste Priesterseminarist. Das öffentliche Bild mit "Prince Charming" sei nach Meinung der Verantwortlichen aber zu viel gewesen.

Aus der Kirche will Frömmichen deshalb aber nicht austreten. "Revolution geschieht immer von unten", sagt er. "Ich hoffe, dass ich vielleicht dem einen oder anderen, der so ähnlich fühlt wie ich und nicht schon aus der Kirche ausgetreten ist und denkt 'Was will ich eigentlich in diesem Scheißverein', Mut mache." Aus Rom komme "hohler Stuss" von den "alten Säcken", doch ihm gehe es um die Leidenschaft, die ihm sein Glaube gebe und die er an seine Mitmenschen weitergeben wolle.

Erzbistum München reagiert

Das Bild hatte Frömmichen nach dem Rausschmiss gelöscht, im Januar aber erneut gepostet. Er sei "unendlich dankbar, dass alles so gekommen ist und mein Blick dadurch geschärft wurde. Und somit kommt dieses Bild erst recht wieder auf meine Seite", schrieb er dazu. Der junge Katholik wolle sich nicht entmutigen lassen, für seine Herzenssache zu kämpfen, egal in welcher Form dies in Zukunft geschehen wird.

Die Erzbistum München wollte sich auf Nachfrage aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zum Einzelfall äußern. Dem "Deutschlandfunk" sagte der Münchner Regens Wolfgang Lehner, dass er potenzielle Priesteramtsanwärter nicht nach ihrer Heterosexualität auswähle. Lehner: "Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht in erster Linie die sexuelle Orientierung, sondern das, was einer draus macht. Wenn also der Regenbogen bei allem, was er tut, im Hintergrund steht, dann wird er sich sehr schwer tun, als Priester die katholische Kirche zu vertreten. Umgekehrt, wenn jemand homosexuell geprägt ist, es aber schafft, unaufgeregt ein gesundes Beziehungsgefüge zu Männern und zu Frauen zu entwickeln, wenn also dieses Thema der Sexualität nicht dauernd im Vordergrund steht, für den sehe ich keinen Grund, warum er nicht Priester werden kann."