Frau fühlt sich an den Pranger gestellt

Nach Abtreibung: Marta Loi entdeckt Kreuz mit ihrem Namen auf Grab ihres Sternenkindes

14. Oktober 2020 - 10:58 Uhr

Marta gab ihrem Sohn keinen Namen

Im Bereich 108 des römischen Friedhofs Flaminio entdeckte Marta Loi ein weißes Kreuz mit ihrem eigenen Namen. "Das ist nicht mein Grab, sondern das meines Sohnes", postete die Italienerin entsetzt bei Facebook. Sie entdeckte das Grab im sogenannten "Engelgarten", dem Bereich des Friedhofs, wo namenlose Föten nach Fehlgeburten oder Abtreibungen bestattet werden.

Marta wollte ihr Sternenkind nicht bestatten

Marta musste sich im Februar 2020 einem therapeutischen Schwangerschaftsabbruch unterziehen. Das Krankenhauspersonal fragte sie damals, ob sie sich selbst um die Bestattung ihres Sternenkindes kümmern wollte. Sie habe das abgelehnt. Sie sei nach dem Eingriff aber zu verwirrt gewesen, zu fragen, was mit dem Fötus passiert.

Das erfuhr die Frau erst Monate nach der Abtreibung. Sie bekam mit der Zeit doch Zweifel und fragte sich, was mit dem Baby passiert war, erzählt Marta in dem Facebook-Post. Sie rief in der Abtreibungsklinik an, erhielt dort aber nur vage Informationen. Also kontaktierte sie die zuständige Leichenhalle. Dort sagte man ihr, dass der Fötus noch dort sei. Man habe mit der Bestattung noch gewartet, weil Eltern es sich manchmal anderes überlegen würden. Sie solle sich aber keine Sorgen machen, der kleine abgetriebene Junge werde von "karitativ" bestattet.

Behörden gruben dem Fötus ein Grab im "Engelgarten"

Doch Marta Loi war entsetzt, als sie entdeckte, wie man ihr Baby bestattet hatte: Mit einem Holzkreuz, auf dem ihr Name stand. "Andere haben ohne meine Zustimmung meinen Sohn unter einem christlichen Kreuz begraben", schrieb Marta. Das Symbol habe nichts mit ihr zu tun und sie habe auch nirgends ihre Zustimmung erteilt, dass ihr Name auf diese Weise veröffentlicht werde. "Das ist in Rom passiert. Das ist mir passiert", erklärte Marta.

Und nicht nur ihr. Das Kreuz ihres namenlosen Babys stand inmitten hunderter anderer, auf denen auch jeweils die Namen der Mütter standen – möglicherweise ohne dass die überhaupt davon wissen. Schuld ist offenbar ein Gesetz in Rom, das regelt, dass Föten, die nicht von Familienangehörigen begraben werden, im sogenannten "Engelgarten" bestattet werden mit einem Holzkreuz, auf dem der Name der Mutter steht.

Im Video: So unterstützen sich Mütter von Sternenkindern gegenseitig

Laut ntv.de stammt dieses Gesetz aus dem Jahr 1979. Die Stadt regelte damals, dass Föten, deren Mütter eine Bestattung verweigern, eine "karitative" Bestattung erhalten, bei der die Personalien der Mutter angegeben werden müssen. Ob dieses Gesetz auch noch mit modernen EU-Datenschutzrichtlinien vereinbar ist, ist zweifelhaft. Laut ntv.de hätten Regionalpolitiker inzwischen einen Gesetzentwurf vorgelegt, der vorsehe, dass Föten nur noch mit der ausdrücklichen Genehmigung der Mutter bestattet werden dürfen.

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