Prozessbeginn in Lüneburg: Anklage wegen versuchten Mordes

23-Jähriger zerschneidet Bremsschläuche und sticht auf Mann ein

Prozess: Angeklagter entschuldigt sich bei Opfer Versuchter Mord wegen Sorgerechtsstreit?
03:42 min
Versuchter Mord wegen Sorgerechtsstreit?
Prozess: Angeklagter entschuldigt sich bei Opfer

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Peter raucht vor seinem Haus spät abends noch eine Zigarette. Zufällig entdeckt er jemanden an seinem Auto, der dort irgendwas Merkwürdiges anstellt. Doch was macht er da? Auf Socken rennt Peter los, dem Unbekannten hinterher, bis der junge Mann plötzlich auf ihn einsticht. Wer hat es da auf ihn abgesehen? RTL hat Peter M. am ersten Prozesstag begleitet. Was er über den Überfall und die Hintergründe der Tat sagt – in unserem Video.

Hintergrund soll Sorgerechtsstreit sein

Narbe
Seit dem Überfall hat Peter M. eine deutlich sichtbare Narbe im Gesicht, die ihm große Schwierigkeiten bereitet

Geständnis zum Auftakt des Prozesses um die Zerstörung von Bremsschläuchen an einem Auto. „Ich wollte Sie nicht verletzen, es tut mir leid“, sagte der 22-jährige Angeklagte vor der Jugendkammer des Landgerichts in Lüneburg. Er habe sich zu der Tat hinreißen lassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gemeinsam mit seiner damaligen Freundin versuchten Mord an einem Abend im Juli 2021 an Peter M. vor, dem Ex-Stiefvater der 20-Jährigen.

Zu der Entschuldigung des Angeklagten sagt er: "Es macht nichts besser. Ich habe die Narbe und ich habe die Einschränkungen mein ganzes Leben lang jetzt.“

Der Angeklagte gestand, die Schläuche von M.‘s Auto in Lüder im Landkreis Uelzen durchtrennt zu haben. Als der ihn im Carport entdeckte, habe er mit einem Messer auf das Gesicht des 43-Jährigen eingestochen. M. wurde bei dem Angriff schwer verletzt, eine große Narbe in seinem Gesicht lässt erahnen, wie heftig er mit dem Messer attackiert wurde. Er leide immer noch körperlich und psychisch unter den Nachwirkungen, sagt er.

Die zehn Zentimeter lange Narbe und die Jochbeinfraktur bereiteten ihm immer noch Schwierigkeiten. Am Tag nach der Tat hätte er erstmals seit Monaten ein gerichtlich erstrittenes Besuchsrecht für seine drei Kinder aus der Ehe mit der Mutter der Angeklagten haben sollen. Nach der Scheidung sei es immer wieder um das Sorgerecht gegangen, sagte der 43-Jährige aus.

Ex-Frau des Opfers erschien nicht zum Prozess

Die 22 Jahre alte Stieftochter ließ durch ihren Anwalt erklären, sie hätte ihren damaligen Freund nicht angestiftet. Sie soll gemeinsam mit ihm mit dem Fahrrad zu dem Haus gefahren sein. Der Staatsanwalt warf ihr vor, den Täter überredet zu haben.

Aus Angst vor weiteren Belästigungen ist das Opfer mit seiner Partnerin in ihre Heimat nach Bayern gezogen. „Wir haben keine Ruhe mehr gefunden“, sagte die Verlobte aus. Ihre Mutter erschien nicht zum Prozess. Bis zum 13. Dezember sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt. (dpa/uvo)