"Wir alle drei haben einen Schaden"Lebenslange Haft im „Stückel-Mord“-Prozess von Dammfleth

Yasar S. (47) und Jessica M. (37) müssen lebenslang ins Gefängnis. Das Gericht in Itzehoe sprach das Pärchen schuldig – für den heimtückischen Mord am Lebensgefährten der Angeklagten. Im Frühjahr 2017 hatten sie das Opfer in ein Kinderzimmer des gemeinsam bewohnten Reiterhofes im schleswig-holsteinischen Dammfleth gelockt, dann töteten sie es mit zwei Schüssen in den Hinterkopf. Im Video erklärt uns der Gerichtssprecher, wie die beiden Angeklagten ihren fiesen Mordplan in die Tat umgesetzt haben.

Warum musste Miro P. sterben?

Eine Dreiecksbeziehung wurde dem damals 41-jährigen Miro P. zum Verhängnis. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jessica M. und zwei gemeinsamen Töchtern bewohnte er einen Reiterhof in Dammfleth (Schleswig-Holstein). Die beiden Angeklagten wiederum kannten sich wohl schon länger, kurz vor der Tat zog der Angeklagte sogar auf den Reiterhof und arbeitete dort als Aushilfe. Offenbar wurde aus der Arbeits- eine Liebesbeziehung. Dem Urteil zufolge wollte Jessica M. ihren Partner loswerden, auch wollte Miro P. wohl den Hof und die Tiere verkaufen. Aus einem Streit um Eigentumsverhältnisse werden Mord-Gedanken.

„Wir alle drei haben einen Schaden“

Also entsteht ein Plan, der fast zu grausam für einen Kriminalfilm wäre: Die beiden Angeklagten locken zusammen mit der älteren Tochter das Opfer in ein Kinderzimmer auf den Reiterhof. Yasar S. bringt Miro P. mit zwei Schüssen in den Hinterkopf um. Die Gliedmaßen der Leiche werden abgetrennt. Zu dritt wird eine Grube auf dem Hof ausgehoben. Damit sie schneller verwesen, werden die Leichenteile mit Chemikalien behandelt. Teile findet die Polizei später hinter einem Pferdestall, aufgeteilt in Betonblöcken. „Meine Mutter hat einen kräftigen Schaden. Wir alle drei haben einen Schaden“, sagt die 16-jährige Tochter bei der Urteilsverkündung.

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Aus Mord-Paar wird fast Mord-Familie

Bei dem mit Spannung erwarteten letzten Prozesstag kommen weitere Details ans Licht. So hatte der Angeklagte nur vier Tage nach der Tat angeboten, weiter auf dem Hof zu leben – und das, obwohl das Opfer da bereits als vermisst galt. Außerdem wurde Jessica M. vom Angeklagten nach der Tat schwanger, trieb das Kind später aber ab. Das Pärchen hatte zu Prozessbeginn noch geschwiegen. Erst im Verlauf der Verhandlung hatte unter anderem der Angeklagte Yasar S. seine Version der Ereignisse geschildert. In dem Verfahren ist eine Revision möglich.

Lob für Zeugen

Als Hauptbelastungszeuge gilt der Ex-Freund der an der Tat beteiligten Tochter. Sie hatte sich ihm per WhatsApp anvertraut: „Es gibt nur drei Auswege. Entweder weitermachen und depressiv werden. Abhauen und der Polizei alles sagen. Dann kommt aber Schwester ins Heim. Oder sich umbringen.“ Angeblich kündigte die damals 14-Jährige die Tat sogar per WhatsApp an und zeigte ihrem damaligen Freund wohl auch das Versteck der Leiche. Der ging dann zur Polizei. Wegen seiner Aussagen wird er eingeschüchtert, erhält wohl auch einen Droh-Brief. Bei der Urteilsverkündung lobt die Richterin die Zivilcourage des Schülers.

Tochter unter Verdacht

Offen ist nach dem Urteil noch die Rolle der am Verbrechen beteiligten Tochter. Nachdem sie sich ihrem Ex-Freund anvertraut hatte, trat sie im Prozess sogar als Nebenklägerin auf, geriet dann aber selbst in den Fokus der Ermittler. Gegen sie wird Anklage wegen Mordverdachts erhoben. Ab Mittwoch muss sich die 16-Jährige in einem eigenen Prozess verantworten.