„Hallo Simone! - Ja - Hilf mir!”
Schockanruf bei Eva Marie, 92, deren Nachnamen wir zu ihrem Schutz nicht nennen. Das Schockszenario: Darmkrebs bei der eigenen Tochter - und nur sie, die Mutter, könne helfen:
„Ja, es ist die neue Chemotherapie. Die kommt aus der Schweiz. (...) Falls sie diese Chemotherapie nicht antritt, würde das leider heißen drei, vier Monate Endstadium.”
70.000 Euro soll die Seniorin sofort für die Chemo beschaffen, all ihr Erspartes zusammenkratzen.
„Und wie viele Goldmünzen haben Sie gefunden?” „Sieben.” „Sieben? Sind das nicht mehr? Haben Sie nur sieben gefunden?”
Doch die Betrüger unterschätzen ihr vermeintliches Opfer. Die Seniorin geht nur zum Schein auf die Forderungen ein, ruft heimlich ihre in Wahrheit gesunde Tochter zu Hilfe. Die informiert die Polizei, nimmt den Schockanruf auf und vor der Haustür klicken später die Handschellen, für den sogenannten „Abholer”.
Fast 7.000 Fälle solcher Schockanrufe wurden 2024 angezeigt. Zwar scheitern fast 95 Prozent dieser Betrugsversuche, weil Senioren sofort auflegen. Doch einige werden um ihre Ersparnisse gebracht.
Polizeigewerkschaft: „Das können verschwindend geringe Summen sein, teilweise unter 100 €. Da macht das dann die Masse, gehen aber aus Summen, die weit über 50.000 € hinauslaufen.”
Rentnerin Eva Marie hat Cleverness bewiesen. Doch was wird sie tun, wenn Betrüger noch mal ihre Nummer wählen?
Eva Marie: „Auflegen. Ich würde es nicht wieder machen, weil das zu anstrengend ist.”
Immerhin bringt sie Abholer Robert R., 43 vor Gericht. Der zeigt keine Reue, versteckt sich vor unserer Kamera. Ihn erwartet jetzt wohl eine mehrjährige Haftstrafe wegen bandenmäßigen Betrugs.