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Mord an Leonie (†6) aus Torgelow: Vater entsetzt über Urteil der Mutter

Bewährungsstrafe für Mutter nach Berufung

Vater der getöteten Leonie aus Torgelow: "Das ist für mich jetzt ein voller Schlag ins Gesicht"

Vater der getöteten Leonie aus Torgelow ist fassungslos Bewährungsstrafe für Mutter nach Berufung
02:22 min
Bewährungsstrafe für Mutter nach Berufung
Vater der getöteten Leonie aus Torgelow ist fassungslos

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Im Januar 2019 starb die sechsjährige Leonie in Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern). Ihr Stiefvater hatte sie massiv misshandelt und das als „Treppensturz“ dargestellt. Der Mann bekam lebenslänglich. Die Mutter, die nicht rechtzeitig für Hilfe, aber für Aufklärung sorgte, wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt . Am Mittwoch wurde diese doch noch zur Bewährung ausgesetzt. Leonies leiblicher Vater Oliver Ehmke hat dafür mal so gar kein Verständnis, wie er in einer Videobotschaft sagt, die RTL exklusiv vorliegt.

Leonies Vater Oliver Ehmke
Leonies Vater Oliver Ehmke
RTL

Richter will positive Entwicklung der Frau und ihres Kindes (4) nicht stoppen

Der Vater der verstorbenen Leonie macht sich stark gegen Gewalt an Kindern. Vor dem Landgericht Neubrandenburg stellt er deshalb mit Mitstreitern Schilder dazu auf. Später sitzt er im Gerichtssaal seiner ehemaligen Lebensgefährtin Janine Z. gegenüber. Die hat Berufung eingelegt gegen ihre zweijährige Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung der gemeinsamen Tochter Leonie.

Und tatsächlich: Die Berufungskammer setzte die zweijährige Haftstrafe, die wegen fahrlässiger Tötung gegen die 27 Jahre alte Frau verhängt worden war, in einem Berufungsverfahren zur Bewährung aus. Als Hauptgründe nannte Richter Jochen Unterlöhner den großen Aufklärungsbeitrag, den die Mutter in den Prozessen gegen den Stiefvater geleistet habe, und die Stabilisierung ihrer familiären Verhältnisse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwalt und Verteidigerin hatten die Aussetzung zur Bewährung gefordert. Nur Leonies Vater, Oliver Ehmke, plädierte als Nebenkläger auf die Verbüßung der Haft.

„Wir wollten die positive Entwicklung der Frau und ihres vierjährigen Kindes nicht stoppen“, sagte der Richter in der Begründung mit Blick auf die Zeit nach dem Tod von Leonie. Richter Unterlöhner war schon im ersten Prozess gegen den Stiefvater der Vorsitzende Richter, kannte den Fall also schon lange. „Ohne sie hätten wir den Stiefvater damals nicht wegen eines Tötungsdeliktes verurteilen können“, erklärte er. Die Mutter war damals die Hauptzeugin der Staatsanwaltschaft und hatte von „einem diktatorischen und gewalttätigen Regime durch den damaligen Partner berichtet“, wie der Richter schilderte.

Trauerkerzen an der Haustür in Torgelow, hinter der die sechsjährige Leonie misshandelt wurde und starb.
An der Tür des Hauses, in dem Leonie starb, haben Menschen aus Torgelow Kerzen, Blumen und Stofftiere abgelegt.
DPA, DPA + Collage (privat)

Aufhebung der Bewährung für Leonies Vater vollkommen unverständlich

Ihr leiblicher Vater Oliver Ehmke sieht sich nach der Urteilsverkündung nicht mehr im Stande mit RTL zu sprechen. Einige Stunden später schickt er der RTL News-Redaktion eine Videobotschaft, die Sie oben ansehen können. Darin macht er seinen Unmut über die Aufhebung der Bewährung deutlich.

„In der ersten Instanz war ich mit dem Urteil einverstanden, mit den zwei Jahren. Deshalb ist das für mich jetzt ein voller Schlag ins Gesicht, dass diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird“, sagt Leonies Vater.

Für Oliver Ehmke sei es vollkommen unverständlich, dass seine Exfreundin nun auf freien Fuß ist. Die Frau, die den Tod der gemeinsamen Tochter Leonie nicht verhindert hat. (kra)

Mädchen starb nach brutalen Misshandlungen des Stiefvaters

Die sechs Jahre alte Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der fünfköpfigen Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater hatte das Mädchen und auch deren kleineren Bruder damals mehrfach schwer misshandelt. Als die Mutter am 12. Januar 2019 unterwegs war, hatte er erneut zugeschlagen und das Ganze später als Treppensturz darzustellen versucht. Obwohl die Mutter nach ihrer Rückkehr den Zustand ihres Mädchens sah und medizinische Hilfe forderte, verhinderte der Stiefvater dies über Stunden. So versteckte er das Handy der Frau, bedrohte sie und täuschte einen Anruf bei der Rettungsstelle vor.

Als die Retter am Abend kamen, war es zu spät. Jegliche Wiederbelebungsversuche scheiterten. Der Stiefvater sitzt wegen Mordes durch Unterlassen lebenslang hinter Gittern. Der Mutter wurde vorgeworfen, auch schon in den Tagen zuvor nicht rechtzeitig Hilfe geholt zu haben.

Im Video: Mutter zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt

Mutter zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt Mordfall Leonie aus Torgelow
01:30 min
Mordfall Leonie aus Torgelow
Mutter zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt

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Richter: Mutter muss mit dem Tod ihrer Tochter bis ans Lebensende klarkommen

Nach dem Tod von Leonie war deren Bruder, der inzwischen vier Jahre alt ist, wieder zu seinem leiblichen Vater gekommen. Dieser trat in allen Prozessen als Nebenkläger auf. Die Mutter lebte seither mit dem Kind, dass sie von dem verurteilten Mann hat, in unterschiedlichen Einrichtungen unter Aufsicht des Jugendamtes. Mit der Bewährung könne sich die Frau nun wieder eine eigene Wohnung und eine Arbeit suchen, erläuterte der Richter. Das Kind gehe regelmäßig und gut versorgt in eine Kita.

Sie bekomme noch einen Bewährungshelfer zugeordnet und müsse jeden Wohnsitzwechsel anzeigen. Trotz der Bewährung gelte die Mutter nun als vorbestraft. „Mit dem Tod ihrer Tochter muss sie bis ans Lebensende klarkommen“, sagte Unterlöhner. (kra mit dpa)