TikTok total aus dem Häuschen

Mitesser mit Eiweiß entfernen? Hautärzte bleiben skeptisch

Eine junge Frau untersucht ihr Gesicht im Spiegel auf Falten und Hautunreinheiten.
picture alliance / dpa Themendie, Monique Wüstenhagen

von Jessica Bürger

Und schon wieder ein Mitesser an der Nase, wie ärgerlich! Die meisten von uns sind tatsächlich kein Fan von den schwarzen, kleinen Pünktchen auf der Haut und versuchen sie mit allen Mitteln loszuwerden. Auf TikTok geht dazu jetzt ein Hack viral, bei dem Eiweiß die rettende Lösung gegen die Mitesser sein soll. Doch kann das wirklich funktionieren? Und viel wichtiger: Kann unsere Haut von dem Eiweiß Schäden davon tragen?

TikToker glaubt: Eiklar hilft gegen Mitesser

Eiweiß-Gesichtsmaske zum Selbermachen
Eiweiß, einen Pinsel und Taschentücher: Damit sollen laut TikTok Mitesser im Nu verschwinden.
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Der Hack, den unter anderem auch der TikToker Adam Adamjan in einem seiner Videos ausprobiert hat, geht eigentlich ganz einfach. Man schlägt ein rohes Ei auf, trennt Eigelb vom Eiweiß und rührt letztes einmal kräftig durch. Dann trägt man abwechselnd etwas Eiklar und ein Stück Taschentuch auf die betroffene Stelle auf. Nach 15 Minuten, wenn die Maske etwas angetrocknet ist, zieht man den Stoff ab, et voilà: All der Talg und Dreck, der sich in den Poren versteckt hat, klebt nun am Taschentuch.

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4,6 Millionen Mal wurde Adamjans Video mittlerweile geklickt und seine User sind ganz offensichtlich hin und hergerissen. Während die einen den Hack skeptisch sehen und meinen, er würde nicht funktionieren, wollen andere es definitiv ausprobieren oder haben es bereits ausprobiert und sind begeistert.

Doch Experten, die der britische „Mirror“ und die US-amerikanische „New York Post“ befragt haben, halten den Hack für gefälscht – und für gefährlich. „Ich bin sicher, dass das Video nicht echt ist und nicht das tatsächliche Ergebnis dessen zeigt, was er aus seiner Nase gezogen hat“, sagt so Dermatologin Rachel Robertson gegenüber dem „Mirror“. Außerdem können rohe Eier Salmonellen enthalten, die lieber nicht in unsere Haut gelangen sollten.

Hautärztin Dr. Yael Adler rät von Henna-Tattoos ab.
Hautärztin Dr. Yael Adler über Mitesser und Akne.
RTL

Der Talg in unserer Haut ist eigentlich nichts Schlimmes

Auch Dr. Yael Adler, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin in Berlin, sieht den Hack als „ein bisschen unglaubwürdig“ an. Aber: „Ich habe nicht ausprobiert, ob sich die Poren derart tief entleeren lassen wie im TikTok Video gezeigt “, sagt sie im Gespräch mit RTL.

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Grundsätzlich sei der Talg, der aus unseren Hautporen komme, jedoch nicht schlimm. Im Gegenteil: „Der Talg in den Poren ist die körpereigene Hautcreme“, sagt Adler, „Talg muss da eigentlich nicht raus, er legt sich besonders nachts in der Bettwärme pflegend und schützend auf die Gesichtshaut.“ Deshalb solle man sich morgens auch nicht das Gesicht aggressiv waschen und so zu sehr entfetten. Erst in dem Moment, wo der Talg schwarz werde, spricht man von Mitessern, die erste Stufe einer Akne. Dann könne man aktiv werden – über Ernährung, Fruchtsäurebehandlungen und rezeptierbare Arzneigele bis hin zu Cremes beim Hautarzt.

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Die richtige Ernährung hilft gegen Akne

Wenn eine der Talgdrüsen verstopft ist, kann der Talg nicht richtig ablaufen. Bei verstopften, verschlossenen Talgdrüsen bilden sich dann Pickel, bei verstopften, offenen Talgdrüsen entstehen Mitesser. Der Talg färbt sich mit dem Hautfarbstoff Melanin und wird schwarz, erklärt Adler.

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Doch auch hier gilt: Nicht sofort selbst Hand anlegen, sondern sich zuerst professionell beraten lassen. Sollte sich also herausstellen, dass die erste Stufe der Akne vorliege, könne man bereits viel mit der richtigen Ernährung erreichen. Adler nennt hier folgende Beispiele:

  • kein Weizenmehl
  • keinen Zucker
  • keine Kuhmilch
  • kein Fast Food

Außerdem können auch fettige Kosmetik sowie manche Anti-Baby-Pille und Hormonspiralen Akne fördern.

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Auch Hausmittel können erstmal helfen

„Ansonsten kann auch eine professionelle Aknecreme helfen“, sagt Adler. Natürlich spreche nichts dagegen, auch mal zu Hausmitteln zu greifen, zum Beispiel eine Maske mit Heilerde, mit der man dann auch ein Peeling machen kann. Das sei aber nicht nachhaltig.

Gleiches gelte dementsprechend auch für die Eiweiß-Maske, die TikTok gerade durchwirbelt. Wer den Hack ausprobieren mag, dürfe das gerne tun, sagt Adler, per se gefährlich erscheine er ihr nicht. Ob er dann wirklich funktioniere, sei jedoch eine andere Frage. Man sollte allerdings keine Ei-Allergie haben und auf die Produktfrische achten.