Mindestlohn: SPD startet neuen Anlauf

Gesetzentwurf zum Mindestlohn in Bundesrat liegt vor

Die FDP macht in diesen Tagen Schlagzeilen mit einer vermeintlichen Offenheit für Mindestlöhne. Das überrascht, zumal in der schwarz-gelben Koalition seit April 2012 ein Vorschlag der Union gegen die Ausbreitung von Dumpinglöhnen auf dem Tisch liegt - gegen den seither die FDP mauert. "Wir wollen sehen, ob sich zusätzliche Ansatzpunkte ergeben, bei diesem Thema etwas Weiteres auf den Weg zu bringen", sagte der FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle. Ebenso wie Parteichef Philipp Rösler bleibt Brüderle aber vage.

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Die Länder fordern einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro.
dpa, Stephanie Pilick

Ganz anders die SPD. Mit dem Rückenwind des Wahlsiegs in Niedersachsen und der damit verbundenen neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat wollen sich sieben Bundesländer für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn stark machen. Der Entwurf wird am 1. März in die Länderkammer eingebracht, wie eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz mitteilte. Die Länder fordern einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro. Eine Mehrheit im Bundesrat gilt als wahrscheinlich: Unterstützt werden die Länder unter anderem auch aus dem schwarz-rot regierten Saarland.

"Ziel des Gesetzes ist es, sicherzustellen, dass für alle in Deutschland vollzeitbeschäftigten Menschen ein existenzsicherndes und eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen und soziokulturellen Leben ermöglichendes Einkommen erreichbar wird", heißt es im Entwurf. Das Gesetz lege "die unabdingbare Verpflichtung zur Zahlung eines Mindestlohns" fest und schaffe "Regelungen zur Festsetzung des Mindestlohns".

"Immer weniger Arbeitnehmer können von ihrer Arbeit leben"

Gesetzliche Lohnuntergrenzen gibt es nach Angaben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer in 20 der 27 EU-Staaten. "Ohne einen flächendeckenden Mindestlohn wird sich der Niedriglohnsektor weiter ausweiten mit der Folge, dass immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihrer Arbeit leben können", hatte Dreyer vor wenigen Tagen über die Initiative ihrer rot-grünen Regierung gesagt.

Laut Gesetzentwurf werden die öffentlichen Haushalte abgesehen vom Verwaltungsaufwand durch den Mindestlohn nicht belastet. Allerdings räumen die Länder ein, dass sich die Kosten in Wirtschaftszweigen mit überdurchschnittlich hohen Niedriglohnanteilen erhöhen dürften. Neben Rheinland-Pfalz wollen sich Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein dem Antrag anschließen.

Auch das schwarz-rot regierte Saarland will für die Initiative stimmen: Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) teilte mit, sie werde sich an den Koalitionsvertrag von CDU und SPD halten. "Für die CDU in der Landesregierung bedeutet das, dass wir im Bundesrat auch eine Lösung mittragen müssen, die nicht unserem eigenen Modell entspricht", sagte die Regierungchefin.

Kramp-Karrenbauer schlägt vor, der Bundestag solle noch in der laufenden Legislaturperiode einen Tarifmindestlohn beschließen. "Letztendlich kommt nicht dem Bundesrat, sondern dem Bundestag die entscheidende Rolle zu", sagte sie. "Dort hat es die Koalition aus Union und FDP in der Hand, ein wirtschaftlich vernünftiges, tarifgebundenes Mindestlohnmodell auf den Weg zu bringen."