Gerald Knaus im "Frühstart"

Migrationsforscher sieht keine Flüchtlingswelle aus Afghanistan: „Wir dürfen nicht in Panik verfallen"

31. Juli 2021 - 9:41 Uhr

Knaus befürchtet, dass Tausende Afghanen nicht aus dem eigenen Land rauskommen

Nach dem Truppenabzug der Nato ist die Taliban in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch. Viele Afghanen fliehen aus Angst vor dem Terror und hoffen auf Asyl in Europa. Doch der der Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus bezweifelt, dass Europa wieder vor einer Flüchtlingswelle wie im Jahr 2015 steht.

"Es kann sein, dass viele im Land festsitzen werden

Im RTL/ntv-Frühstart sagt Knaus: "Wir dürfen nicht in eine Panik vor Flüchtlingsmassen verfallen, die es noch gar nicht gibt." Der Flüchtlingsexperte weist darauf hin, dass im ersten Halbjahr diesen Jahres nur einige hundert Afghanen nach Europa gekommen seien. "Das liegt natürlich auch an der extrem harten Politik an den EU-Außengrenzen. Menschen kommen einfach nicht nach Europa herein.", erklärt der Soziologe.

Darüber hinaus wäre es für Tausende Afghanen, die im eigenen Land auf der Flucht sind, nur schwer möglich aus dem Land herauszukommen: "Ob es den Menschen, die vor der Taliban fliehen müssen, überhaupt gelingen kann das Land zu verlassen, steht derzeit noch gar nicht fest. Es kann sein, dass viele im Land festsitzen werden.", so Knaus und sagt weiter: "Das ist dann natürlich eine Beruhigung für die, die Flüchtlinge fürchten, aber für die Menschen vor Ort ist es eine Katastrophe."

Knaus sieht Deutschland in der Verantwortung

Knaus geht davon aus, dass nur eine kleine Anzahl an Afghanen nach Europa fliehen werden. Die meisten würden in Afghanistan bleiben, so der Flüchtlingsexperte. Dies würde aber nicht heißen, dass man keine Verantwortung gegenüber den Menschen habe, die gefährdet sind und Hilfe benötigen.

Knaus sieht dabei unter anderem Deutschland in moralischer Verantwortung: "Es wäre absurd, wenn man 20 Jahre lang eine Operation in Afghanistan durchführt und ab dem Tag des Abzugs, sind einem die Menschen egal."

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