Kleinkind überlebte Blutvergiftung durch Meningokokken

Kleines Mädchen (2) hatte schon mehr als 50 Operationen

Die Zweijährige bekam eine Blutvergiftung durch Meningokokken und hat schon mehr als 50 Operationen hinter sich.
© GSK, PETER YANG

14. Februar 2020 - 10:45 Uhr

Meningokokken-Erkrankung: Babys und Kleinkinder besonders betroffen

Weil sich das Fieber der kleinen Isabella (Name geändert) nicht senkte und sich die Kleine sehr auffällig verhielt, brachte ihre Mutter sie ins Krankenhaus. Doch die lebensbedrohliche Meningokokken-Sepsis wurde viel zu spät entdeckt. Mittlerweile wurde Isabella schon mehr als 50 Mal operiert. Wir erklären, auf welche Symptome Eltern unbedingt achten sollten.

Mit Fieber und leichtem Durchfall fing alles an

Die Symptome von Meningokokken gleichen einem grippalen Infekt, deshalb wurde die Mutter mit dem damals sieben Monate alten Mädchen aus der Nähe von Sydney vom Krankenhaus auch nicht stationär aufgenommen. Nur eine Dreiviertelstunde später lief die Kleine blau an und lag schlaff und krampfend in den Armen ihrer Mutter. In einem anderen Krankenhaus wurde dann nach weiteren zwölf Stunden eine Blutvergiftung durch Meningokokken festgestellt.

Isabellas rechtes Bein wurde mittlerweile schon mehr als 50 Mal operiert. Ihre Haut am Bein ist so angegriffen, dass sie vor dem täglichen Anziehen mit Silikon-Pads abgedeckt werden müssen. Weil ihr Immunsystem so geschwächt ist, darf die Kleine auch nicht in den Kindergarten. Probleme mit dem Knochenwachstum wird die Zweijährige wohl ein Leben lang begleiten.

Justina verlor alle Fingerkuppen und ihre Unterschenkel

Justine erkrankte an Meningokokken und verlor dadurch ihre Fingerkuppen und ihre Unterschenkel
Justine erkrankte an Meningokokken und verlor dadurch ihre Fingerkuppen und ihre Unterschenkel.
© GSK, Jochen Manz

Eine Meningokokken-Erkrankung kann tödlich sein. 20 Prozent der Überlebenden erleiden lebenslange Folgeschäden wie Entwicklungsstörungen und Hautvernarbungen. Manchen Betroffenen müssen sogar Gliedmaßen amputiert werden, wie der 19-jährigen Justina aus Köln.

Sie hatte sich 2017 infiziert und durch die Krankheit alle Fingerkuppen und ihre beiden Unterschenkel verloren. "Früher bin ich gern auf Reisen gegangen und auf Konzerte, was sich natürlich jetzt schwieriger gestaltet", erzählt Justina über ihr Leben nach den Amputationen. Jetzt fasst sie aber neuen Mut und möchte anfangen zu studieren und will auch wieder auf Reisen gehen.

Impfung ist freiwillige Leistung der Krankenkassen

Justina und Isabella waren nicht gegen Meningokokken geimpft. Heute stehen Impfstoffe der fünf häufigsten Meningokokken-Gruppen in Deutschland zur Verfügung: A, B, C, W und Y. Der Standartimpfplan der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht eine Meningokokken-Impfung gegen Gruppe C, möglichst früh im zweiten Lebensjahr für alle Kinder vor. Gegen die Gruppen A, C, W und Y und die häufigste Gruppe B gibt es nur Impfungen, die bisher freiwillig von der Krankenkasse gezahlt werden. Eine Nachfrage lohnt sich also.

2018 gab es 295 Meningokokken-Fälle in Deutschland

Meningokokken-Erkrankungen sind zwar selten, aber sie können innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden und zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Babys und Kleinkinder sind am häufigsten betroffen. Auch Jugendliche zählen noch zur Risikogruppe.

Trotz Behandlung endet einer von zehn Fällen tödlich

Der Standartimpfplan der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht eine Meningokokken-Impfung gegen Gruppe C vor.
Der Standartimpfplan der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht eine Meningokokken-Impfung gegen Gruppe C vor.
© GSK, "Photographer: Andreas Choroba www.choroba.de"

Erkrankt ein Mensch an Meningokokken, so wirken die Symptome zunächst harmlos. Es können Müdigkeit, Fieber und Kopfschmerzen auftreten. Bei einer Hirnhautentzündung kann dann zusätzlich Nackensteifigkeit auftreten. Lichtempfindlichkeit, Trägheit, Verwirrtheit und Gelenkschmerzen, aber auch Übelkeit und Erbrechen gehören ebenfalls zu den Merkmalen einer Hirnhautentzündung. Eine Blutvergiftung zeichnet sich durch Fieber, Abgeschlagenheit, sowie kalte Hände und Füße aus. Bei einem Verdacht auf Meningokokken sollten Eltern mit ihrem Kind sofort einen Arzt aufsuchen.