Kein Futter wegen Corona

Meißen: Gnadenhof ist fast pleite - jetzt drohen Notschlachtungen

27. November 2020 - 14:12 Uhr

Auf dem Hof leben 200 Tiere

Wegen des Coronavirus fielen die Einnahmen des Gnadenhofs Hebelei in Meißen (Sachsen) dieses Jahr eher gering aus. Jetzt fehlt das Geld für das Tierfutter. Auf dem Hof leben 200 Tiere, viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Nur noch zwei Wochen reichen die Reserven, dann muss über mögliche Notschlachtungen entschieden werden. Tierparkbesitzer Sven Näther ist am Boden zerstört. Im Video zeigt er, wie es um seine Schützlinge steht.

Soforthilfen reichen nicht aus

Sven Nähter füttert Tiere im Tierpark Hebelei an der Elbe bei Meißen
Sven Nähter füttert seine Schweine im Tierpark Hebelei an der Elbe bei Meißen.
© LSO, Anne Schneemelcher

Sven Näther (44) hatte sich eigentlich auf den Dezember gefreut, denn er hat auf Tierpark-Besucher gehofft. Doch die aktuellen Corona-Maßnahmen und Regeln haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Tierparks und Zoos dürfen zwar im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt unter Auflagen Besucher empfangen, für Sachsen gelten aber strengere Regeln. Der Tierpark Hebelei an der Elbe bei Meißen darf nicht öffnen. Zwar gibt es Soforthilfen, doch die decken die Ausgaben des Tierparks nicht.

Die Sonderzahlungen bezogen sich auf den November des vergangenen Jahres. 75 Prozent der Einnahmen wurden an den Gnadenhof überwiesen. Sven Näther: "Da beißt sich die Katze in den Schwanz, weil der November der Monat ist, der sowieso nur schwach besucht ist – da sind nicht so viele Einnahmen." Jetzt reichen die Futterreserven nur noch für zwei Wochen. Und Geld für Nachschub ist einfach nicht da.

Heu reicht noch zwei Wochen. Dann droht Schlachtung.

Esel im Tierpark Hebelei an der Elbe in Meißen.
Esel im Tierpark Hebelei an der Elbe in Meißen.
© LSO, Anne Schneemelcher

"Die Leute sind corona-müde geworden", erzählt er, während er am Heuhaufen steht und Futter für Schafe und Ziegen auf eine Schubkarre lädt. Insgesamt leben etwa 200 Tiere auf dem Gelände. Die meisten sind vom Aussterben bedroht, wie das Sachsenhuhn oder der Meißner Widder. Neben den Eintrittsgeldern der Besucher, finanziert Näther den Tierpark vor allem mit Spenden. Am Anfang der Corona-Krise gab es noch finanzielle Unterstützung, doch mittlerweile dreht er jeden Cent zwei Mal um. Die Spenden seien sehr viel weniger geworden. Das Heu reiche noch etwa zwei Wochen, so Näther. Und dann? Andere Tierparks haben ihm zwar schon angeboten einen Teil der Tiere übergangsweise zu versorgen, doch für die Tiere, für die er keine Übergangslösung findet, bleibt nur die Alternative der Schlachtung. "Das klingt hart, ist aber leider Realität", erklärt er traurig. Betroffen wären wohl als erstes die Schafe.

November-Hilfe deckt Ausgaben nicht

Zwar hat Näther beim Land Sachsen die November-Soforthilfe beantragt, doch werde die nicht reichen. Wenn alles gut geht, wird er 75 Prozent von dem erhalten, was er im November 2019 eingenommen hat. Doch der November sei bei ihm immer der schwächste Monat. Im Dezember hingegen besuchen viele Familien in den Ferien und an den Feiertagen seinen Tierpark. Und auch unter Corona-Bedingen wäre das möglich. "Die Tiere leben auf sechs Hektar. Da ist genug Platz, sich aus dem Weg zu gehen", sagt Näther. Außerdem gelte Maskenpflicht auf dem Gelände und es stehen Desinfektionsflaschen bereit.

Tierpark freut sich über Spenden

Näther ist sauer auf die Regierung, denn Tierparks und Zoos werden behandelt, wie Geschäfte. Aber er könne seine zwei Mitarbeiter eben nicht in Kurzarbeit oder ins Homeoffice schicken. "Die Tiere müssen täglich versorgt werden", sagt er. Deswegen hofft er jetzt auf Spenden, denn er möchte die Tiere weder abgeben, noch schlachten.


SPENDENKONTONUMMER:

Elbepark Hebelei

IBAN: DE04 8505 5000 3100 0050 65