Massive Drohungen gegen Lionel Messi und Co. - Argentinien sagt WM-Test in Israel ab

Rund 30 Palästina-'Aktivisten' reckten beim Training der 'Albiceleste' mit blutroter Farbe beschmierte Argentinien-Trikots in die Höhe.
Rund 30 Palästina-'Aktivisten' reckten beim Training der 'Albiceleste' mit blutroter Farbe beschmierte Argentinien-Trikots in die Höhe.
© REUTERS, ALBERT GEA, tj

11. Juni 2018 - 11:40 Uhr

Palästinensischer Fußball-Verband feiert "rote Karte für Israel"

Eigentlich sollte das Spiel in Jerusalem gegen Israel für Lionel Messi und die argentinische Nationalmannschaft nur ein WM-Test sein. Im 'Heiligen Land' aber gerät auch der Fußball schnell ins hässliche Räderwerk des Nahostkonflikts. Weil Palästinenser Messi und Co. massiv bedrohten, ist die für Samstag geplante Partie abgesagt worden.

Palästinensischer Verbandschef rief zum Verbrennen von Messi-Trikots auf

Die israelische Botschaft in Buenos Aires gab die Absage bekannt und nannte "Drohungen und Provokationen" insbesondere gegen Superstar Messi als Grund. "Seit Argentinien seine Teilnahme an dem Spiel gegen Israel mitgeteilt hat, haben Terrororganisationen angefangen, Botschaften an Spieler und ihre Familien zu schicken, inklusive expliziter Drohungen gegen ihre Leben und die Leben ihrer Familien", sagte Israels Sportminister Miri Regev der Nachrichtenseite 'ynet'.

Der palästinensische Fußball-Verband feierte die praktisch erpresste Absage als "rote Karte für Israel". Verbandschef Jibril Rajoub hatte Barca-Ikone Messi zuvor aufgefordert, nicht nach Jerusalem zu kommen. Der Ballzauberer sei "ein Symbol des Friedens und der Liebe", schrieb Rajoub in einem Brief an Argentiniens Regierung und den Verband AFA. Als eine Reaktion ausblieb, goss der Funktionär ordentlich Öl in seine Propaganda-Maschinerie und forderte Fans auf, Fotos mit Messis Konterfei und Trikots mit seinem Namen zu verbrennen.

Palästinenser mit blutverschmierten Trikots bei Argentinien-Training

Palestinian FA chief Jibril Rajoub speaks during a news conference, in Ramallah in the occupied West Bank June 6, 2018. REUTERS/Mohamad Torokman
Jibril Rajoub, Chef des palästinensischen Fußball-Verbands, bedankt sich bei Lionel Messi, dass Argentinien nicht in Israel spielt.
© REUTERS, MOHAMAD TOROKMAN, SJS/

Ein Aufruf zum Hass, dem rund 30 Palästinenser nachkamen und dem Trainingscamp der 'Albiceleste' in Barcelona einen Besuch abstatteten. "Wascht nicht das Image von Israel rein!", brüllten sie am Sportkomplex Joan Gamper über ein Megafon den Spielern zu, wie die argentinische Zeitung 'Clarin' berichtete. Dabei hielten sie mit blutroter Farbe verschmierte argentinische Nationaltrikots in die Höhe.

"Am Ende war es die richtige Entscheidung", sagte Argentiniens Stürmer Gonzalo Higuain bei ESPN zur Absage: "Die Gesundheit und der gesunde Menschenverstand haben Vorrang." AFA-Vizepräsident Hugo Mayano erklärte bei 'Radio 10', die Familien der Spieler hätten "unter den Drohungen gelitten".

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Avigdor Lieberman: Absage "eine Schande"

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman reagierte verständnislos auf die Absage. "Es ist eine Schande, dass die argentinischen Fußballer dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben haben, deren einziges Ziel es ist, Israels Grundrecht zur Selbstverteidigung zu verletzen und seine Vernichtung herbeizuführen", schrieb Lieberman am Mittwoch auf Twitter.

Israels Fußball-Verband sprach von "physischen und brutalen Drohungen" Rajoubs, die "jegliche rote Linie überschritten" hätten. Israel reichte offiziell Beschwerde beim Fußball-Weltverband FIFA ein.

Unicef-Botschafter Lionel Messi schwer unter Druck

Der Druck auf den sensiblen Messi, der auch Botschafter des Kinderhilfswerks Unicef ist, war anscheinend immens. So adressierten im Vorfeld 70 palästinensische Kinder einen Brief an Messi, nicht nach Israel zu kommen und "auf den Gräbern" zu spielen. Die Partie sollte im Rahmen der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen Israels im Teddy-Kollek-Stadion in Malha stattfinden. In diesem Stadtteil Jerusalems stand einst ein palästinensisches Dorf, das 1948 von israelischen Truppen zerstört wurde.

Israel hatte 1948 einem Teilungsplan der Vereinten Nationen für Palästina zugestimmt und am 14. Mai einen eigenen Staat ausgerufen. Einen Tag später griffen sechs arabische Staaten, die sich als Vertreter und Schutzmacht Palästinas begriffen, den neugegründeten Staat an. Der Krieg endete erst zwei Jahre später mit der eindeutigen Niederlage der arabischen Armeen, die einen großen Teil des palästinensischen Landes verloren. Rund 750.000 Palästinenser wurden von den israelischen Truppen von ihrem Land vertrieben.