Sichere Schule nur mit Pieks?

Söder will Schüler-Impfprogramm - Stiko zögert

Markus Söder will das generelle Impfangebot auf Jugendliche ausweiten.
Markus Söder will das generelle Impfangebot auf Jugendliche ausweiten.
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28. Juli 2021 - 11:35 Uhr

Söder fordert gemeinsame Linie der Union

Nach den Sommerferien ist vor der vierten Welle? Das will zumindest Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verhindern und fordert mit Blick auf den Start des neuen Schuljahrs eine Ausweitung der Impfkampagne für 12- bis 17-Jährige. Davon will er im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz auch seine Unionskollegen in einer Videokonferenz überzeugen. Die Impfexperten der Ständigen Impfkommission sehen das kritisch.

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Landesregierung plant Impfangebot in Schulen

Schon am Montag enden in den ersten deutschen Bundesländern die Ferien und die Schule geht wieder los. Um einen schnellen Anstieg der Coronainfektionen und damit einen drohenden Lockdown zu vermeiden, will Bayern Ministerpräsident Markus Söder vorbeugen. "Unser Ziel ist es, das Impfen bei den Jüngeren, bei den Schülern voranzubringen", sagte Söder im Anschluss an die Kabinettssitzung der bayerischen Landesregierung.

+++ Nun doch: Stiko empfiehlt Schwangeren die Impfung +++

Konkret will Söder das Angebot vor allem auf die Impfzentren ausdehnen. Bisher konnten Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren nur in Absprache mit dem Hausarzt in dessen Praxis geimpft werden. Ab September will die bayerische Landesregierung dann auch Impfangebote für Jugendliche direkt in den Schulen anbieten. "Wir müssen jede Chance nutzen, eine Ansteckung und damit Quarantäne (eines Schülers) zu verhindern", so Söder. Denn nur so könne der Schulbetrieb am Laufen gehalten werden.

Damit ist Söder nicht allein. Auch seine Amtskollegin aus Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig und deren Parteikollege Karl Lauterbach hatten eine klare Impfstrategie für Kinder gefordert.

Söder lehnt generelle Impfpflicht ab

Zusätzlich zum Impfangebot will Söder auch die Masken- und Testpflicht im neuen Schuljahr beibehalten. Beide Maßnahmen sollen zu Beginn des Schuljahrs zunächst verpflichtend sein, könnten aber je nach Inzidenz im Laufe der ersten Wochen auch aufgehoben werden.

Bayerns Landeschef zeigte sich in seinem Statement allerdings besorgt, dass die Maßnahmen trotz allem nicht ausreichen könnten. "Wir dürfen nicht einfach in den Herbst hinein stolpern. Wir brauchen vorher eine klare Linie." Deshalb seien Impfungen seiner Meinung nach besonders wichtig, so Söder.

+++ Lauterbach fordert: Stiko soll Impfempfehlung für Kinder überdenken +++

Ähnlich wie seine Kollegen in anderen Bundesländer betonte auch Söder, dass er eine generelle Impfpflicht für bislang Ungeimpfte bislang ablehne. "Das Impfen ist eine absolute Frage der Freiheit", so Söder. Er machte aber auch klar, dass Geimpfte schnellstmöglich ihre Grundrechte zurückerhalten müssten. Es sei deshalb wichtig, Impfunwilligen die Vorteile einer Impfung klarzumachen, nämlich, dass sie schneller ihre Grundrechte zurückerhalten.

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Kinderärztin: Impfung keine Voraussetzung für sicheren Schulbetrieb

Ob Impfpflicht oder nicht – Experten zeigen sich bezüglich der systematischen Impfung von Jugendlichen noch zurückhaltend. So bleibt nicht nur die Ständige Impfkommission bisher weiter dabei, keine generelle Empfehlung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen auszusprechen. Auch Kinderärzte sehen eine Empfehlung kritisch. "Unser Appell ist es, dass vor allem alle Erwachsenen sich impfen lassen, damit die Kinder nicht unbedingt geimpft werden müssen", so Dr. Barbara Mühlfeld, Kinderärztin aus dem hessischen Bad Homburg.

Es sei richtig, dass die Stiko erst noch weitere Erkenntnisse der Impfstoff-Wirkung abwarten wolle. "Ich glaube, dass es nicht Voraussetzung ist, dass jedes Kind geimpft ist, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten", so Mühlfeld. Wenn sich die Eltern impfen ließen, ginge auch von deren Kindern keine Gefahr aus.

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