Bundesregierung fördert die PoC-NAT-Technologie

Löst ein bald ein neuer Turbo-Corona-Test die PCR-Tests ab?

Auch wenn die PoC-NAT-Test-Technologie schnell ist: Ums Stäbchen kommt der oder die Getestete nicht herum.
Auch wenn die PoC-NAT-Test-Technologie schnell ist: Ums Stäbchen kommt der oder die Getestete nicht herum.
© iStockphoto, iStock/VioletaStoimenova, VioletaStoimenova

13. Januar 2022 - 16:20 Uhr

Schnell noch testen, weil man zu einer Veranstaltung oder gar verreisen will - und dabei auf Nummer sicher gehen? Antigentests sind schnell, aber nicht so genau. PCR-Tests hingegen sind genau - aber das Resultat kommt aus einem Labor. Abhilfe könnte das schnellere PCR-Verfahren PoC-NAT bringen. Die Bundesregierung will deren Verfügbarkeit durch Förderung massiv steigern.

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Häufig falsch negative Antigen-Schnelltest-Ergebnisse

Antigen-Schnelltests sind eine gute Sache, wenn es um Geschwindigkeit geht - allerdings sind sie bei Weitem nicht so präzise wie PCR-Tests. Immer wieder berichten Betroffene in sozialen Medien von falsch negativen Antigen-Schnelltests und anschließenden Infektionsketten - ein Problem für die Bewältigung der Corona-Pandemie. Neue Schnelltests, die auch auf der Nukleinsäure-Amplifikations-Technik (NAT) basieren, sollen dieses Problem bald lösen: Sie sind genauso präzise wie Labor-PCR-Tests, aber so schnell ausgewertet wie Antigen-Schnelltests. In einigen Städten Deutschlands werden sie bereits angeboten. Wenn es schnell gehen muss, ist das sehr hilfreich.

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So funktionieren die schnellen NAT-Tests

PCR-Tests auf NAT-Basis sind der sogenannte "Goldstandard" unter den Corona-Tests. Er beruht auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (englisch polymerase chain reaction, PCR). Die Probenentnahme erfolgt durch medizinisches Personal. Die Erbsubstanz des Virus wird dann im Labor vervielfältigt, sodass diese nachgewiesen werden kann. Dabei werden Thermozyklen zur Verstärkung, also eine Reihe aufeinanderfolgender Temperaturänderungen, durchgeführt. Diese Wechsel von Aufheizen und Abkühlen verlängern den Auswertungsprozess – bis zu 48 Stunden.

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Weniger bekannt sind die sogenannten PoC-NAT-Tests – PoC steht dabei für "Point of care", also der Ort, wo der Testabstrich selbst durchgeführt wird. Genau wie die klassischen PCR-Tests basieren auch die auf Nukleinsäure-Amplifikations-Technologie, können durch ein innovatives molekulardiagnostisches Testsystem kurzfristig ausgewertet werden. Die Genauigkeit von PoC-NAT-Tests reicht im Allgemeinen fast an die von Labor-PCR-Tests heran, ist nur etwas geringer. Bedeutet: Es kann auch mal falsch-negative Ergebnisse geben. Bisher fanden sie ausschließlich im Gesundheitssektor Anwendung.

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Bund fördert Schaffung neuer Produktionskapazitäten

Das ändert sich nun: Denn die Bundesregierung fördert diese Technologie seit Ende Dezember 2021. "Um (...) den breiteren Einsatz dieser Produkte im Bereich des Grenzverkehrs und der Bildung zu gewährleisten, ist der Ausbau bestehender sowie die Schaffung neuer und zusätzlicher Produktionskapazitäten von PoC-NAT-Schnelltestgeräten und der dazu notwendigen Testkartuschen innerhalb Deutschlands und der Europäischen Union dauerhaft erforderlich", heißt es in der Ankündigung der Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz und des Bundesministeriums für Gesundheit.

Auf die neue Technologie zu setzen, könnte auch in anderer Hinsicht vonnöten sein: Die Medizinlabore in Deutschland nähern sich nach Angaben eines Branchenverbands in der Corona-Krise zunehmend den Grenzen ihrer Auslastung. "Die hohen Infektionszahlen gehen mit vielen Tests einher. Weil derzeit kaum priorisiert wird bei PCR-Tests, stoßen die Labore in Deutschland zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen", sagte der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin, Michael Müller, der "Rheinischen Post". Das sei für Kranke und Krankenhäuser kritisch. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann, befürchtet deswegen, dass bald nicht mehr jeder im Verdachtsfall einen PCR-Test machen kann.

In Bayern schon großflächig bei den Johannitern im Einsatz

In einigen Regionen und Städten Deutschlands können Testwillige oder Testpflichtige schon an den schnellen und präzisen Test kommen: In Bayern sind sie beispielsweise bereits seit dem 6. Januar im Einsatz – an allen Johanniter-Teststellen. Auch an ihrer Teststation in Esslingen bieten die Johanniter sie seit dem 12. Januar an.

Philipp Timmermann, Dienststellenleiter der Johanniter in Esslingen, erklärt gegenüber der Stuttgarter Zeitung: "Damit haben die Getesteten wesentlich schneller Gewissheit und können entsprechend früher handeln." Allerdings kostet der "Spaß" einiges: Privatpersonen müssen je nach Standort und Lage mit bis zu 90 Euro rechnen, um an das schnelle, präzise Testergebnis zu kommen. Es sei denn, eine rote Warnung in der Corona-Warn-App zwingt sie zu einem präzisen Test. (ija/mit dpa)

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