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Lauterbachs Corona-Plan: Streeck befürchtet Überbietungswettbewerb der Länder

Comeback der Maskenpflicht?

Lauterbachs Corona-Plan: Streeck befürchtet Überbietungswettbewerb der Länder

Hendrik Streeck
Hendrik Streeck äußert sich im RTL-Interview zu den neuen Corona-Regeln der Bundesregierung.
rtl.de

Nachdem viele Deutsche im letzten Corona-Herbst einen konkreten Plan der Bundesregierung vermisst haben, wurden die neuen Corona-Regeln am Mittwoch (3. August 2022) von Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Justizminister Marko Buschmann bekannt gegeben. Doch sind die neuen Corona-Maßnahmen für den Herbst und Winter auch sinnvoll? Im RTL-Interview äußert sich Virologe Hendrik Streeck dazu und gibt eine Einschätzung ab.

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Vulnerable Gruppen schützen - statt Infektionen vermeiden

Zu viel, zu wenig – oder gerade richtig? Im Gespräch mit RTL äußerte sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck zu den geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes. Das Grundvorhaben, vulnerable Gruppen zu schützen, sieht er positiv. „Das ist erst mal wichtig, denn in dieser Phase der Pandemie geht es darum, dass wir vor allem die Risikogruppen schützen und nicht mehr darum, alle Infektionen zu vermeiden“, so Streeck.

Die Bundesländer sollen im neuen Infektionsschutzgesetz aber auch sehr viel mehr Möglichkeiten haben, weitere Corona-Maßnahmen zu ergreifen. Das allerdings sieht Streeck kritisch: „Wie genau das ausgestaltet werden soll, steht alles noch nicht fest. Und wir müssen aufpassen, dass die Indikatoren dafür auch festgelegt werden – also wann bestimmte Maßnahmen ergriffen werden sollten, weil man sonst in Deutschland in einen Flickenteppich hineinkommt. Die Länder könnten in einen Überbietungswettbewerb kommen und immer mehr Maßnahmen ergreifen, die eigentlich nicht notwendig sind“, kritisiert Streeck. Das sollte unbedingt vermieden werden.

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Comeback der Corona-Maske? Hendrik Streeck: „Nicht sehr sinnvoll“

„Es ist sicherlich richtig, dass Maßnahmen für den Herbst und Winter jetzt bereits diskutiert werden und auch das Infektionsschutzgesetz dann mit dem Bund und Ländern und auch im Parlament genau diskutiert wird, um zu sehen, welche Maßnahmen für den Herbst und Winter sinnvoll sind oder nicht. Aber man muss auch bedenken, dass wir, im Vergleich zu den Jahren davor, in einer anderen Phase der Pandemie sind“, betont der Experte. Vor allem mit Blick auf das Comeback der Maskenpflicht im Herbst und Winter kritisiert er das geplante Vorhaben.

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Auf Oktoberfest keine Maske - aber dann in der U-Bahn?

„Die Evaluation des Infektionsschutzgesetzes hat deutlich ergeben, dass eine Maske nur wirkt, wenn der Träger sie tragen will, und zum anderen auch, wenn sie da getragen wird, wo ein Infektionsgeschehen stattfindet“, so Streeck deutlich.

„Daher mag es auch nicht sehr sinnvoll sein, wenn man zum Beispiel am Flughafen in einem Flugzeug eine Maske trägt, aber vorher im Gedränge keine Maske trägt. Oder: Wenn man auf dem Oktoberfest keine Maske trägt, aber dann wieder in der U-Bahn auf dem Weg zum Oktoberfest. Darüber muss sich auch die Politik im Klaren sein und auch der einzelne Bürger, dass die Maske vielleicht eher einen psychologischen Effekt hat, aber nicht unbedingt das große Infektionsgeschehen oder auch die großen Ausbrüche vermeidet“, kritisiert der Virologe.

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Hendrik Streeck: „Gibt sehr viele Gründe, die gegen eine Maskenpflicht sprechen“

Grundsätzlich fragt sich der Bonner Virologe, warum man den Menschen an diesem Punkt der Corona-Pandemie nicht mehr Eigenverantwortung zutraut.

„Wir sind in einer Phase der Pandemie, wo man sehr gut über verschiedene Maßnahmen und Sinnhaftigkeit verschiedener Maßnahmen diskutieren kann. Und das haben wir in meinen Augen zu wenig gemacht. Denn, wie man das zum Beispiel anhand der Isolationspolitik, oder aber auch der Masken-Thematik ansieht, gibt es viele Gründe, die für eine Maske sprechen, aber auch sehr viele Gründe, die gegen eine Maskenpflicht sprechen“, so der Virologe abschließend. (mjä)