Hannoveranerin hat Ehemann im Schlaf erstochen

Freispruch trotz Tötung

Freispruch am Landgericht Hannover.
Freispruch am Landgericht Hannover.
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06. Mai 2021 - 13:59 Uhr

Richter: "Wir sind nicht davon überzeugt, was Sie sagen."

Martina S. wurde von der Staatsanwaltschaft heimtückischer Mord zur Last gelegt. Die ursprüngliche Anklageschrift lautete, dass sie ihrem Mann im Schlaf den Mund zugehalten und ihm dann ein etwa 15 cm langes Messer in den Oberkörper gerammt haben soll, um ihn zu töten. Am Donnerstag wurde die 47-Jährige am Landgericht Hannover freigesprochen. "Wir sind nicht davon überzeugt, was Sie sagen, aber wir können keinen anderen Sachverhalt feststellen." so der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Freispruch wegen Mangel an Beweisen

Freispruch am Landgericht Hannover.
Richter: "Wir sind nicht davon überzeugt was Sie sagen."
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Der Angeklagten kann nicht nachgewiesen werden, ob sie ihren Ehemann in Notwehr getötet hat. Ihrer Aussage nach hat ihr Mann sie gewürgt, während sie noch ein Küchenmesser in der Hand hielt – in Notwehr habe sie dann zugestochen. Ihr Mann sei dann – stark alkoholisiert – schlafen gegangen. Einen Krankenwagen rief die dreifache Mutter trotzdem nicht. Ihr Mann stirbt an inneren Blutungen. Diese Ausführungen seien nicht widerlegbar heißt es im Gerichtssaal. Deshalb wird sie freigesprochen, obwohl der Richter seine Zweifel an den Ausführungen der 47-Jährigen hat: "Wir haben auch gemerkt, dass Sie schauspielern können." Außerdem beschönige sie ihre eigenen Alkoholprobleme, so der Richter weiter.

Nachbarn berichten von zahlreichen Polizeieinsätzen

Freispruch am Landgericht Hannover.
Das Ehepaar habe ein Alkoholproblem gehabt, berichten die Nachbarn.
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RTL Reporter Jan Flemming hat sich vor dem Urteil bereits in der Wohnsiedlung in Bemerode (Stadtbezirk Hannover) umgehört: "Eine Nachbarin hat mir sehr ausgiebig abseits der Kamera erzählt, dass es bei der Familie immer wieder zu Streit gekommen sein soll und dass dabei auch immer wieder Alkohol im Spiel gewesen sei. Außerdem hat sie gesagt, dass in den letzten fünf Jahren mindestens einmal pro Woche die Polizei vor der Tür gestanden habe." Auch die Staatsanwaltschaft plädiert auf Freispruch, eben weil der Tathergang nicht zweifelsfrei nachweisbar ist. Sie wird deswegen vermutlich auch keine Revision gegen das Urteil einlegen.

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Martina S. bekommt Entschädigung

"Sie ist überglücklich und emotional natürlich sehr betroffen. Die ganze Familie ist auch da und die ganze Familie wartet, dass sie als freier Mensch das Gericht verlassen wird." sagt Martina S. Anwalt Vyacheslav Varavin nach dem Freispruch. Seit Oktober vergangenen Jahres sitzt die dreifache Mutter in Untersuchungshaft. Für jeden Tag, den sie im Gefängnis gesessen hat, bekommt sie jetzt eine Entschädigung. Es gehe dabei um rund 75 Euro pro Tag, so ihr Anwalt. Insgesamt werden ihr somit circa 10.000 Euro ausgezahlt.

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