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Krefelder Zoo: Prozess um geklaute Löwenäffchen - Männern wird Diebstahl & Tierquälerei vorgeworfen

Diebstahl im Zoo Krefeld

Anklage: Männer klauen 3 Löwenäffchen - Chips ohne Betäubung brutal entfernt?

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Symbolbild: Goldgelbe Löwenäffchen
dpa, Ronald Wittek

Der Diebstahl dreier Goldener Löwenäffchen aus dem Krefelder Zoo liegt bereits sieben Jahre zurück – jetzt müssen sich zwei Männer dafür vor Gericht verantworten. Ein Mann soll damals in die Sommeranlage der äußerst seltenen Tiere eingebrochen sein und ein Affenpaar und ein weiteres Weibchen geklaut haben. Sieben Jahre nach der Tat muss sich der 39-jährige Tatverdächtige vor Gericht verantworten. Hauptangeklagter ist aber sein mutmaßlicher Komplize. Der 69-Jährige soll ebenfalls in den Tierdiebstahl verwickelt sein. Ihm wird außerdem vorgeworfen, die Tiere grausam gequält zu haben.

Krefeld: Angeklagter schnitt Äffchen Chips aus der Schulter

Während der 39-Jährige die Tiere aus dem Zoo geklaut haben soll, war der 69-Jährige offenbar für alles weitere verantwortlich. Die geklauten Tiere seien mit Transpondern zur Identifizierung gekennzeichnet gewesen sein, die in den Schultermuskel gespritzt werden. Solche Chips soll der heute 69-jährige Hauptangeklagte mehreren Äffchen ohne ausreichende Betäubung herausgeschnitten und die Wunden dann auch noch unfachmännisch versorgt haben, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Die Anklage lautet auf Diebstahl und Tierquälerei. Insgesamt seien bis zu fünf Jahre Haft möglich, erklärt der Duisburger Amtsrichter Rolf Rausch. Das würde eine Bewährungsstrafe ausschließen.

Hauptangeklagter soll weitere Tiere illegal gehalten haben

Laut Anklage soll der 69-Jährige nicht nur in den Diebstahl der drei Äffchen verwickelt sein. Er soll noch weitere Tiere illegal gehalten und dabei so schlecht gepflegt haben, dass mehrere von ihnen verendeten, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Legal kaufen und verkaufen kann man solche äußerst seltenen und geschützten Tiere in der EU in der Regel nicht - in Ausnahmefällen stellen Naturschutzbehörden sogenannte Vermarktungsbescheinigungen aus. Solche Bescheinigungen soll der Hauptangeklagte bei einer Behörde in Oberhausen mit falschen Angaben für vier Äffchen beantragt und tatsächlich bekommen haben.

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Krefelder Zoodirektor machte sich auf die Suche nach den vermissten Affen

Der Krefelder Zoodirektor Wolfgang Dreßen selbst habe nach dem Diebstahl der drei Löwenäffchen Nachforschungen betrieben. Durch seine Unterstützung seien die Ermittler den Verdächtigen auf die Spur gekommen. „Ich habe mich 2015/16 intensiv mit privaten Haltern in Verbindung gesetzt, die ich als Zoomensch vormals gar nicht kannte, und bin zig Hinweisen aus der ‘Szene’ nachgegangen“, sagte er.

Eine lange Mail eines mutmaßlichen Szenemitglieds an ihn habe den Durchbruch gebracht. Mit den Informationen sei der Fall „Puzzleteil für Puzzleteil“ durch intensive Zusammenarbeit mit Zoll und dem Bundesamt für Naturschutz aufgeklärt worden. Auch bei einer Razzia in der illegalen Szene habe der Zoodirektor mitgemacht, um seinen Sachverstand beizusteuern, berichtete Zoosprecherin Schwinn.

Krefeld: Löwenäffchen-Dieb angeklagt wegen Diebstahl und Tierquälerei

Das Verfahren am Duisburger Amtsgericht gegen den mutmaßlichen Dieb, sowie seinen Komplizen und Hauptangeklagten startet am 7. April. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine europaweit tätige Szene krimineller Schwarzmarkt-Tierhändler. Diese verdienen gerade mit vom Aussterben bedrohten Kleintierarten viel Geld.

Allein den Wert des Löwenäffchen-Paares schätzt die Krefelder Zoosprecherin Petra Schwinn auf 25.000 bis 30.000 Euro. Von den ausgewachsen etwa 35 Zentimeter großen und 500 Gramm schweren Tiere, die in freier Wildbahn lediglich im südöstlichen brasilianischen Regenwald vorkommen, gibt es weltweit nur noch rund 1.000.

Die weltweit geringen Bestände von bedrohten Arten wie den Goldenen Löwenäffchen würden mit Nachzuchten aus Zoos aufgefüllt, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der zoologischen Gärten (VdZ), Volker Homes. Deshalb wiege der Rückschlag für das Zuchtprogramm sogar noch viel schwerer als der monetäre Verlust. „Das sind in der Regel Auftragsdiebstähle mit hoher krimineller Energie“, sagt Homes.

Krefelder Zoodirektor glaubt, dass seine Löwenäffchen auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft wurden

Ob „seine“ drei Löwenäffchen noch leben, weiß Dreßen bis heute nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Tiere sofort weiterverkauft wurden“, sagte er. Dann könnten alle drei Tiere oder zumindest das Nachwuchsweibchen noch leben, denn Löwenäffchen werden 15 bis 18 Jahre alt.

Dabei kratze der Fall nur an der Oberfläche, so der Zoodirektor. Geklaut würden in Zoos und anderswo nicht nur Affen, sondern zahlreiche kleinere Tiere. Vor allem solche, die sich nicht wehren und die leicht abzutransportieren seien. „Der illegale Tierhandel mit exotischen Vögeln, Reptilien und Amphibien blüht weiter. Die Märkte und Gewinnspannen sind riesig, und die Dreistigkeit der Dealer ist es ebenso.“ (dpa)