Liebeskummer, schlaflose Nächte und Co.

Wann kann ich mich krankschreiben lassen - und wann nicht?

Wenn Kummer und Stress für schlaflose Nächte sorgen, fällt die Arbeit oft schwer
Wenn Kummer und Stress für schlaflose Nächte sorgen, fällt die Arbeit oft schwer
© picture alliance / dpa Themendie, Christin Klose, RK

12. Oktober 2021 - 12:11 Uhr

Arbeitsrecht: Das sind Gründe für eine Krankschreibung

Der Kopf dröhnt, die Glieder schmerzen, der Husten quält: Klarer Fall, hier ist eine Krankschreibung auf jeden Fall drin. Aber was ist, wenn die Beziehung in die Brüche geht und man sich regelrecht krank vor Liebeskummer fühlt? Oder wegen zu viel Stress nächtelang schlecht geschlafen hat? Ein Anwalt erklärt's.

Ärger mit dem Partner ist keine Krankheit

Was wir umgangssprachlich "Krankschreibung" nennen, heißt im Arbeitsrecht "Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" – und diesen Begriff muss man sich zunächst genau anschauen: Eine Arbeitsunfähigkeit liegt laut Fachanwalt Alexander Bredereck immer dann vor, wenn der Arbeitnehmer wegen einer Krankheit die Tätigkeit nicht verrichten kann, die er dem Arbeitgeber vertraglich schuldet.

"Stress, schlechter Schlaf oder Ärger mit dem Partner sind keine Krankheiten", ordnet der Experte ein. "Sie können aber Folgen, Begleiterscheinungen, Ursache oder Symptom einer Krankheit sein." Das seien in solchen Fällen etwa häufig Depressionen, ein Burnout oder gar Psychosen.

Umso wichtiger ist es, gerade länger anhaltende Stress-Symptome nicht zu ignorieren oder abzutun. Denn eine Krankschreibung für ein paar Tage kann dann zwar kurzfristig Entlastung bringen, löst aber oft die zugrundeliegende Ursache nicht. Wie gefährlich das werden kann, erklärt Medizinerin Dr. Anne Fleck hier.

Entscheidung liegt beim Arzt

Die Entscheidung darüber, ob ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin arbeitsunfähig ist, trifft letztendlich ein Arzt oder eine Ärztin. Die Praxis stellt dann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, oft "gelber Schein" oder Krankenschein genannt. Seit dem 1. Oktober wird dieser übrigens auch elektronisch an die Krankenkasse übermittelt – Patienten müssen dann nur noch den Teil für den Arbeitgeber selbst einreichen.

"Natürlich gibt es auch Arbeitnehmer, die sich krankschreiben lassen und dabei die Symptome vortäuschen", sagt Bredereck. Gleichzeitig gebe es Ärztinnen oder Ärzte, die mit dem Krankenschein leicht bei der Hand sind. "In beiden Fällen droht dem Arbeitnehmer Ärger mit dem Arbeitgeber", warnt der Rechtsanwalt. Neben einer Kündigung wegen häufiger Erkrankungen kommt auch eine Kündigung wegen vorgetäuschter Arbeitsunfähigkeit in Betracht. (dpa/rka)