Zunächst nur für gesetzlich Versicherte

Schluss mit lästigem Papierkram: Ab dem 1. Oktober kommt die elektronische Krankschreibung

Ab dem 1. Oktober können Arztpraxen Krankschreibungen elektronisch direkt an die Krankenkasse übermitteln.
Ab dem 1. Oktober können Arztpraxen Krankschreibungen elektronisch direkt an die Krankenkasse übermitteln.
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01. Oktober 2021 - 16:28 Uhr

RTL-Verbraucherexperte fasst die wichtigsten Informationen zusammen

von Ron Perduss

Ab dem 1. Oktober 2021 kommt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - kurz "eAU". Sie erspart gesetzlich Versicherten Arbeitnehmern künftig jede Menge Papierkram. Und das sind die wichtigsten Informationen und hartnäckigsten Mythen, die man jetzt kennen sollte.

Spätestens zum Jahreswechsel sollen alle Ärzte das Verfahren nutzen

Wer gesetzlich versichert ist und sich vom Arzt krankschreiben lässt, bekommt in der Regel drei Krankschreibungen ausgedruckt: Eine für die Krankenkasse, eine für den Arbeitgeber und eine für die eigenen Unterlagen. Damit ist nun Schluss! Denn ab dem 1. Oktober können die Arztpraxen die Krankschreibung direkt an die Krankenkassen übermitteln. Sie selbst müssen dann also keinen gelben Schein mehr für die Krankenkasse fotografieren, einscannen oder verschicken. Jedoch sind zum Stichtag noch nicht alle Praxen mit der notwendigen Technik dafür ausgestattet. Spätestens zum Jahreswechsel sollen aber alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte das Verfahren nutzen.

Für Ihren Arbeitgeber bekommen Sie die Krankschreibung zunächst allerdings weiterhin ausgedruckt. Hier soll erst im Juli 2022 aufs digitale Zeitalter umgestellt werden. Dann erhält der Chef ebenfalls die eAU und Sie können sich den Papierkram mit den Krankschreibungen endgültig sparen. Wichtig: Privatversicherte sind von der digitalen Krankschreibung zunächst ausgeschlossen. Sie erhalten diese weiterhin ausgedruckt. Ob und wann hier ein Verfahren auf den Weg gebracht wird, ist noch unklar.

Irrtümer rund um die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Reicht es, wenn ich ab dem dritten Tag eine Krankschreibung beim Chef abgebe?

Tatsächlich steht das so im Entgeltfortzahlungsgesetz. Das greift immer dann, wenn der Arbeitsvertrag oder ein Tarifvertrag keine anderen Regeln vorgibt. Denn Fakt ist: Ihr Chef kann selbst entscheiden, nach wie vielen Tagen er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sehen möchte. Es ist also auch völlig legitim, wenn Sie bereits ab Tag 1 der Krankheit eine Krankschreibung abgeben müssen.

Muss ich mich telefonisch krankmelden?

Tatsächlich nicht. Es gibt keine Vorgaben, wie die Krankmeldung beim Chef ankommen muss. Ob per Telefon, SMS, WhatsApp oder E-Mail - Hauptsache er wird zeitnah informiert.

Muss ich so lange zuhause bleiben, wie es in der Krankschreibung steht?

Nein. Tatsächlich steht auf der AU "voraussichtlich arbeitsunfähig bis". Denn auch der Arzt kann in den meisten Fällen nicht zu 100 % abschätzen, wie lange sich der Heilungsprozess hinzieht. Wenn Sie sich wieder gesund fühlen, dürfen Sie trotz Krankschreibung auch schon früher wieder arbeiten gehen.

Was darf ich trotz Krankschreibung machen?

Lange hielt sich der Mythos, dass eine Krankschreibung bedeutet, dass ich zuhause bleiben muss. Das stimmt so nicht. Sie dürfen alles machen, was der Heilung hilft bzw. was die Heilung zumindest nicht verhindert. Ob Kino, Restaurant oder Fussballstadion - je nach Krankheitsbild sind Freizeitaktivitäten nicht verboten. Der Chef hat in solchen erlaubten Fällen auch nicht das Recht, eine Abmahnung oder Kündigung auszusprechen.