Tipps von RTL-Reiseexperte Ralf Benkö

Knast nach Hotel-Beschwerde – wie Sie böse Urlaubsfallen vermeiden

Solche Traumstände erwarten Sie in der Dom Rep. Aber es gibt einiges vor Ort zu beachten.
Solche Traumstände erwarten Sie in der Dom Rep. Aber es gibt einiges vor Ort zu beachten.
© valio84sl

20. September 2021 - 20:44 Uhr

Hotel-Beschwerden in der Dom Rep etwa nicht gerne gesehen?

Acht Tage Haft in der Dominikanischen Republik, weil er sich beim Zimmermädchen im Hotel beschwert hatte? Mithilfe der Tourismusbehörde vor Ort konnten die Urlaubsretter den 62-jährigen Jens Naumann aus dem Gefängnis rausholen, weil es Zweifel an den Anschuldigungen gab. Die Hotelmitarbeiterin hatte behauptet, der Urlauber habe sie geschlagen – er erklärt dagegen, er sei nur laut geworden, weil die Zimmerreinigung zu schlecht gewesen sei, wofür er sich entschuldige.

Es steht hier mangels Zeugen Aussage gegen Aussage. Verletzungen konnte das Gericht bei der Hotelmitarbeiterin später nicht feststellen. Dennoch saß Jens Naumann aus Brandenburg dafür eine Zeit lang im Gefängnis. Und vor zwei Jahren gab es einen ähnlichen Fall in Punta Cana, nur wenige Kilometer entfernt, bei dem ein jüngerer Urlauber nach einer Beschwerde vom Zimmermädchen beschuldigt wurde, sie geschlagen zu haben und ebenfalls in den Knast kam. Damals zog das Zimmermädchen nach einer Zahlung mehrerer tausend Euro die Anzeige zurück. Eine Masche?

Die Lage in der Dominikanischen Republik ist verzwickt

Die Dominikanische Republik ist normalerweise ein Ziel für einen Traumurlaub. Aber wenn man etwas Negatives zu sagen hat und sich etwa über Dinge im Hotel beschweren möchte, ist es dort besonders wichtig, das auch auf die richtige Art und Weise zu tun. Natürlich sollte man sich als Urlauber immer angemessen verhalten und jegliche Form von Aggressionen vermeiden. Auf der karibischen Insel wurden die Gesetze zum Schutz von Frauen speziell verschärft, weil es über Jahre mehr und mehr Übergriffe gegeben hatte. Darauf haben Botschaft und Anwälte noch einmal hingewiesen. So sinnvoll und wichtig dieses Gesetz ganz bestimmt ist: es greift offenbar schneller, als sich manche Urlauber vorstellen können; wenn Sie denn überhaupt davon wissen.

Zunächst einmal sollten lautstarke Beschwerden generell ganz klar tabu sein, besonders gegenüber Frauen! In der Dominikanischen Republik kann so etwas schnell zu extremen Strafen, wie zum Beispiel zu einem längeren Gefängnis-Aufenthalt führen – vor allem wenn es zu Beschimpfungen gegenüber Frauen und dabei auch zu einer Art Körperkontakt komme, wie Anwälte betonen. Möglicherweise werden diese strengen Gesetze in manchen Fällen auch ausgenutzt, um Urlauber zur Kasse zu bitten. Doch wie will man das später beweisen, wenn es keine Zeugen gibt?

Diese Tipps können helfen

Für Beschwerden ist der Reiseleiter beziehungsweise der Reiseveranstalter der richtige Ansprechpartner, parallel kann man sich natürlich auch an die Rezeption wenden, aber besser nicht direkt an einzelne Hotelmitarbeiter. Generell empfiehlt es sich, Zeugen dabei zu haben, die bestätigen können, was gesagt oder getan wurde – und was eben nicht. In fernen Ländern sind gute Anwälte oft sehr teuer. Deshalb hilft es, bei der Buchung eine Reise-Rechtschutz-Versicherung mit abzuschließen, sollte man so etwas noch nicht haben. Und immer daran denken: Wirkungsvoll beschwert man sich, wenn man sich an Fakten orientiert und möglicherweise auch hartnäckig bleibt. Aber nicht wenn man besonders laut wird!

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Für Jens Naumann ist die Geschichte zum Glück gut ausgegangen

Viele haben in der Dominikanischen Republik mitgeholfen, Jens Naumann frei zu bekommen: die Botschaft, die Anwaltskanzlei Guzmán Ariz und das Tourismusministerium. Die Untersuchungshaft hätte sonst ein halbes Jahr dauern können. Die Anzeige war dem Anwalt Jens Naumanns zufolge fehlerhaft erstattet worden. Die Aussage des Zimmermädchens soll vom Gericht später offenbar auch in einigen Punkten in Frage gestellt worden sein. Der 62-Jährige durfte das Gefängnis deshalb nun gegen eine geringe Kaution verlassen. Mit seiner Lebensgefährtin Gisela zusammen ist er mittlerweile wieder zurück nach Deutschland geflogen - mit einem Urlaubserlebnis im Gepäck, das anderen eine Warnung sein sollte. (rbe)