Oli Pocher hält sich und Frau Amira für „medizinisches Phänomen“

Keine Antikörper nach Corona-Infektion: Ist das überhaupt möglich?

Oli und Amira Pocher haben nach eigenen Angaben keine Antikörper nach ihrer Corona-Infektion entwickelt.
© dpa, Tobias Hase, tha fdt pil kde axs wst

30. April 2020 - 13:06 Uhr

Können sich Corona-Infizierte nach der Krankheit erneut anstecken?

"Wir haben kein Corona mehr, aber auch keine Antikörper, und irgendwie ist es sehr kurios gerade", erzählte Oli Pocher jetzt RTL-Moderatorin Frauke Ludowig. Der Comedian und seine Frau Amira waren bereits Ende März positiv auf das Virus getestet geworden, haben die Krankheit und Quarantäne aber inzwischen gut überstanden. Kann es wirklich sein, dass manche Corona-Infizierte gar keine Antikörper ausbilden und sich sofort wieder neu anstecken könnten? Wir haben bei Experten nachgefragt.

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Schnelltests bringen kein verlässliches Ergebnis

Warum genau bei Oli und Amira Pocher angeblich keine Corona-Antikörper nachweisbar sind, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Denn wie Dr. Christoph Specht erkärt, gibt es dafür verschiedene Tests:

  • Den sogenannten ELISA-Test im Labor, für den vorher Blut abgenommen wird und der nach ein bis zwei Tagen ein Ergebnis liefert. "Das ist der einzige, den ich derzeit empfehlen kann. Bitte nur diesen!"
  • Kassetten-Schnelltests aus dem Internet oder der Apotheke, die in kurzer Zeit Aufschluss geben sollen. "Diese Tests sind noch überhaupt nicht valide und können falsche Ergebnisse liefern, deshalb: Finger weg!", warnt Dr. Specht. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann man die, lapidar gesagt, in die Tonne kloppen – auch wenn sie eines Tages durchaus validiert und tauglich sein können."

Sollten die Pochers einen solchen Schnelltest gemacht haben, würde Dr. Specht "das Ergebnis nicht wundern". Es gibt aber auch eine andere mögliche Erklärung: "Bei manchen Patienten findet man erstaunlich wenig Antikörper, auch wenn sie die Infektion bereits durchgemacht haben."

Dass gar keine nachgewiesen werden können, ist laut Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit tatsächlich möglich: "Wir sehen Patienten, die keine messbaren Antikörper entwickeln, auch nach drei bis vier Wochen nicht, und wir sehen andere, die schon nach einer Woche messbar sehr hohe Antikörpermengen entwickeln. Das ist also individuell unterschiedlich, und genau das ist auch Gegenstand der Forschung." Der Spezialist weist allerdings darauf hin, dass es Nachweisgrenzen gibt und "nicht nachweisbar" keinesfalls bedeutet, dass gar keine Antikörper vorhanden sind.

Corona-Antikörper unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit

Neben der Art des Tests, spielt auch die Zeit beim Nachweis von Corona-Antikörpern im Blut eine Rolle, denn von ihnen gibt es verschiedene Arten: "Das sogenannte Immunglobulin M (IgM) wird akut gebildet, das heißt nach etwa 7 bis 8 Tagen. Interessant sind aber die Immonglobuline (IgG), die drei bis vier Wochen nach der Infektion gebildet werden und länger im Körper bestehen bleiben."

Der Medizinexperte weist zudem darauf hin, dass sich auch die Wirkung je nach Antikörper unterscheidet. "Es gibt solche, die sich nur an das Virus andocken, aber nichts dagegen ausrichten können – und es gibt neutralisierende Antikörper, die wie ein SEK-Kommando arbeiten und Viren ausschalten." Noch sei nicht klar, ob sich durch eine Corona-Infektion genug dieser neutralisierenden Antikörper bilden. Nachgewiesene Antikörper an sich seien demnach leider kein 100-prozentiges Anzeichen für eine Immunität. Allerdings: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Antikörper als auch Immunität entstehen, ist aus Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen relativ hoch. Aber wie lang diese Immunität anhält, ist noch nicht klar."

Im Video: Experte rät von Antikörper-Schnelltests ab

Viele wollen wissen, ob sie sich bereits mit Corona infiziert haben, ohne es gemerkt zu haben. Im Internet und in Apotheken kann man entsprechende Antikörper-Tests erhalten - doch vor ihnen warnt auch Dr. Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia.

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