RTL News>

Kassel: Antisemitismus-Eklat bei documenta fifteen - Kunstwerk wird verdeckt!

Schweinesoldat mit Davidstern?

Antisemitismus-Eklat bei documenta - Kunstwerk wird verdeckt!

Antisemitismus-Eklat bei documenta - Kunstwerk wird verdeckt Schweinesoldat mit Davidstern?

30 weitere Videos

Am Wochenende öffnete die Kasseler „documenta fifteen“ ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Die Ausstellung für zeitgenössische Kunst steht aktuell enorm unter Druck. Hintergrund ist das Werk der Künstlergruppe Taring Padi, das antisemitische Abbildungen zeigt. Auf dem großflächigen Banner am Kasseler Friedrichsplatz ist unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Die Verantwortlichen der documenta reagierten nun auf die Kritik und verhüllten das Kunstwerk.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

"Das ist klare antisemitische Hetze"

Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, forderte am Montag die Verantwortlichen der Weltkunstausstellung in Kassel auf, den Beitrag des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi wegen der antisemitischen Motive zu entfernen. „Das ist eine klare Grenzüberschreitung“, sagt Mendel der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Bilder lassen überhaupt keinen Interpretationsspielraum zu. Das ist klare antisemitische Hetze.“

ARCHIV - 10.06.2021, Berlin: Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank steht bei einem Porträtermin vor dem Jüdischen Museum. Mendel fordert die Verantwortlichen der Weltkunstausstellung documenta fifteen in Kassel auf, einen Beitrag des i
Für Meron Mendel, den Direktor der Bildungsstätte Anne Frank steht fest: Bei dem Kunstwerk handelt es sich um Hetze.
wk htf sab, dpa, Wolfgang Kumm

Künstlegruppe veröffentlicht Statement

Die Künstlergruppe Taring Padi hat mittlerweile ein öffentliches Pressestatement veröffentlicht und weist jeglichen Vorwurf des Antisemitismus von sich. In dem Statement heißt es: „Taring Padi ist ein progressives Kollektiv, das sich für die Unterstützung und den Respekt von Vielfalt einsetzt. Unsere Arbeiten enthalten keine Inhalte, die darauf abzielen, irgendwelche Bevölkerungsgruppen auf negative Weise darzustellen.“

Die als antisemitisch deklarierten Bildnisse erklären sie wie folgt: „Alle auf dem Banner abgebildeten Figuren nehmen Bezug auf eine im politischen Kontext Indonesiens verbreitete Symbolik, z.B. für die korrupte Verwaltung, die militärischen Generäle und ihre Soldaten, die als Schwein, Hund und Ratte symbolisiert werden, um ein ausbeuterisches kapitalistisches System und militärische Gewalt zu kritisieren.“

Nichtsdestotrotz entschied sich das Künstlerkollektiv gemeinsam mit der Leitung der documenta dazu, das Kunstwerk mit einem Banner zu verhüllen.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Auch Politik zeigt sich betroffen

Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth fand deutliche Worte: „Das ist aus meiner Sicht antisemitische Bildsprache“, teilte die Grünen-Politikerin mit. „Ich sage es noch einmal: Die Menschenwürde, der Schutz gegen Antisemitismus wie auch gegen Rassismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit sind die Grundlagen unseren Zusammenlebens, und hier findet auch die Kunstfreiheit ihre Grenzen.“ Die documenta müsse das umgehend gegenüber den Kuratoren und Künstlern deutlich machen. „Auch mein persönlicher Eindruck ist, dass hier eine antisemitische Bildsprache vorliegt“, teilte die stellvertretende documenta-Aufsichtsratsvorsitzende, Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne), mit.

 Eröffnung der documenta fifteen DEU, Deutschland, Hessen, Kassel, 18.06.2022: Die fünfzehnte Ausgabe der documenta findet vom 18.06 bis 25.09. 2022 statt. Besuch und Ansprache des Bundespräsidenten zur Eröffnung. Claudia Roth Bündnis 90/Die Grünen,
Kulturstaatsministerin Claudia Roth war bei der Eröffnung der Documenta in Kassel - auch sie sieht das Kunstwerk kritisch.
www.imago-images.de, IMAGO/Rüdiger Wölk

Knobloch entsetzt über "blanken Judenhass"

„Als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft, aber auch als Bürgerin dieses Landes bin ich entsetzt über den blanken Judenhass, der sich im Bild von Taring Padi zeigt. Personen mit Schläfenlocken und SS-Runen, dazu ein Schweinekopf mit der Aufschrift ´Mossad´“ - das sei plump antisemitisch, sagte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, am Montag in München. Das Gemälde teilweise zu verdecken und der Grenzüberschreitung „durch Anbringung einer Fußnote die Spitze nehmen zu können, ist absurd“. Die antisemitischen Vorfälle rund um diese documenta seien zu einem Thema für die gesamte Gesellschaft geworden.

Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch ist entsetzt von dem Kunstwerk.
deutsche presse agentur

Taring Padi entschuldigt sich

Obwohl die Künstlergruppe in ihrem Statement erklärt, dass ihr Kunstwerk aus ihrer Sicht keine antisemitischen Bildnisse verbreitet, entschuldigen sie sich öffentlich. Sie schreiben: „Die Ausstellung von People’s Justice auf dem Friedrichsplatz ist die erste Präsentation des Banners in einem europäischen und deutschen Kontext. Sie steht in keiner Weise mit Antisemitismus in Verbindung. Wir sind traurig darüber, dass Details dieses Banners anders verstanden werden als ihr ursprünglicher Zweck. Wir entschuldigen uns für die in diesem Zusammenhang entstandenen Verletzungen. Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern decken wir die entsprechende Arbeit ab, die in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird.“

Das verhüllte Kunstwerk solle nun zu „einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment“ werden. (kmü/dpa)

20.06.2022, Hessen, Kassel: Ein Mitarbeiter der documenta fifteen verhüllt ein großflächiges Banner, eine Figurendarstellung "People·s Justice" (2002) des Kollektivs Taring Padi. Aufgrund einer Figurendarstellung des Kollektivs, die antisemitische Le
Nach all der Kritik wurde das Kunstwerk nun verhüllt.
spf htf, dpa, Swen Pförtner