Ist das legal?

Kieler IT-Experte bietet Impftermine für 25 Euro bei eBay-Kleinanzeigen an

Eigentlich arbeitet Sören Hergel als Freiberufler und erstellt Websites für Firmen.
Eigentlich arbeitet Sören Hergel als Freiberufler und erstellt Websites für Firmen.
© Sören Hergel

05. Mai 2021 - 10:52 Uhr

Mensch gegen Maschine - ein fairer Kampf?

Die Schleswig-Holsteiner müssen im Kampf um die Impftermine ab jetzt auch gegen eine Maschine antreten, denn: Der Kieler IT-Experte Sören Hergel hat eine Software erstellt, die laut eigener Aussage im Rekordtempo Impftermine ergattert. Allerdings: gegen Bezahlung. Doch wie funktioniert das und ist das überhaupt legal?

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IT-Experte entwickelte Software in Nachtschichten

Eine intensive Woche hat Sören Hergel benötigt, um die Software zu entwickeln, wie er im Gespräch mit RTL Nord erzählt: "Bis zu 16 Stunden am Tag saß ich zu Hause und habe daran gebastelt. Aber dann lief es super. Innerhalb von drei Minuten konnte ich Termine für meine impfberechtigen Verwandten bekommen, die es vorher wochenlang vergeblich per Hand versucht haben." Deren vergebliche Versuche hatten ihn erst auf die Idee gebracht, diese Software zu entwickeln. Nachdem diese so gut funktioniert hatte, wollte er diesen Dienst auch anderen Menschen anbieten. Nun verspricht der 28-jährige in seinem Inserat auf eBay-Kleinanzeigen, in maximal 60 Minuten einen Impftermin zu organisieren – mit einer bisherigen 100%-Erfolgsquote. Dafür benötigt er lediglich die Eckdaten zu der Person wie Name, Geburtstag, Adresse, Kontaktdaten und die Impfberechtigung.

Termin kostet 25 Euro - auf Verhandlungsbasis

Der Kieler IT-Experte Sören Hergel bietet auf dem Internetportal eBay-Kleinanzeigen seine Hilfe für die Buchung von Impfterminen an - allerdings gegen Bezahlung.
Der Kieler IT-Experte Sören Hergel bietet auf dem Internetportal eBay-Kleinanzeigen seine Hilfe für die Buchung von Impfterminen an - allerdings gegen Bezahlung.
© eBay Kleinanzeigen

Als Preis für diesen Dienst ruft Hergel 25 Euro auf – allerdings auf Verhandlungsbasis. Dazu erklärt er gegenüber RTL Nord: "Als Selbstständiger hat mir die Coronakrise selbst finanziell auch zu schaffen gemacht, deshalb verstehe ich total, wenn Menschen derzeit nicht so viel zahlen können, deshalb sind auch weniger als die genannten 25 Euro völlig okay." Bei den bisher 55 vermittelten Terminen hätten Personen deshalb auch weniger bezahlt. Es gebe aber auch viele, die aus Dankbarkeit sogar mehr gegeben hätten. Das Geld sieht der 28-Jährige als Aufwandsentschädigung für seine Entwicklungs- und Wartungsarbeit an der Software, wie er uns im Interview erklärt: "Ich brauche viel Zeit, um die Software mit den Daten der Besteller zu füttern. Und meine Auftragsliste wächst. Mittlerweile habe ich schon 120 Personen, die gerne einen Termin über mich buchen wollen." Finanziell lohnen würde sich das Angebot nicht, aber das sei auch nicht die Intention gewesen.

Gesundheitsministerium will Strafanzeige erstatten

Quelle: dpa
Immer noch gibt es zu wenig Impfstoff, weshalb die Termine für eine Impfung weiterhin knapp sind.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst

Doch ist dieser Verkauf von Impfterminen überhaupt legal? Das Kieler Gesundheitsministerium bezweifelt das und will dagegen vorgehen. So teilt die Behörde RTL Nord auf Nachfrage mit: "Dass hier offenbar mit Impfterminen versucht wird ein Geschäft zu machen, ist nicht akzeptabel. Das Ministerium bereitet aktuell eine Strafanzeige und eine Unterlassungsverfügung vor." Man habe zudem technische Gegenmaßnahmen eingeleitet. Zwar sei Nachbarschaftshilfe bei der Buchung ausdrücklich erwünscht, dass dies aber nun gegen eine Gebühr angeboten wird, sei inakzeptabel. Das Ministerium rate jedem "davon ab, Geld zu bezahlen, um nicht Gefahr zu laufen, Opfer von Betrügern zu werden."

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